Kapitalerhöhung bei Steinhoff?
Oft wurde im Forum in den letzten Tagen und Wochen davon gesprochen, ob eine Kapitalerhöhung bei Steinhoff sinnvoll wäre. Ich möchte daher dazu einige Gedanken äussern:
Kapitalerhöhungen bei Aktiengesellschaften dienen der Erhöhung des Eigenkapitals, sind also betriebswirtschaftlich bedingte Kapitalbeschaffungsmassnahmen. Der Sinn ist der, dass man sich günstige liquide Mittel von den Gesellschaftern besorgt, anstatt teure Fremdfinanzierungen zu suchen. In einem solchen Fall erhalten die Alt Aktionäre sogenannten Bezugsrechte, um Stimmrechtsverbesserungen und Vermögensverlust zu vermeiden. Dies kann durch Ausgabe von neuen Aktien, Optionen, Wandel-bzw. Optionsschuldverschreibungen geschehen. Kapitalerhöhungen sind also lediglich ein gutes Mittel, um eine weitere Verschuldung durch teure Fremdfinanzierung eines Unternehmens zu vermeiden.
1.§Sie muss von der Hauptversammlung beschlossen werden,
2.§sie dient ausschliesslich der Stärkung des Eigenkapitals,
3.§die Gesellschafter erhalten in der Regel ein Bezugsrecht, welches sie auch ausüben sollten,
4.§bei nicht Ausübung sinkt ihr Anteil an der Gesellschaft,
5.§Kapitalerhöhung sind vor einigen sinnvoll bei Übernahmen oder Investitionen in die Zukunft,
6.§bei einer schwachen Bilanz können damit auch Altschulden getilgt werden.
Auch wenn bei Durchführung einer Kapitalerhöhung in der Regel der Aktienkurs sinkt, ist das nicht unbedingt negativ. Hier kommt es natürlich auf das jeweilige Unternehmen und deren Zukunftsfähigkeit an. Dennoch reagieren die Börsen oft wegen des verbessernden Einflusses auf den Gewinn pro Aktie negativ.
Eine sorgfältige Analyse des Unternehmens ist zwingend Voraussetzung für eine Kapitalerhöhung. So heisst es: »Kapitalerhöhung sind möglicherweise dann sinnvoll, wenn ein Unternehmen wachsen möchte ohne, dass dabei die Fremdkapitalbasis erhöht wird. Dies ist zum Beispiel zu bejahen, wenn ein geeignetes Unternehmen übernommen werden soll. Entscheidend ist für den Aktionär zu wissen, wofür die Mittel gebraucht werden.
Diese ganzen Überlegungen sind derzeit bei Steinhoff meines Erachtens abwegig und dies aus mehreren Gründen:
1.§der derzeitige Aktienkurs ist viel zu niedrig, weil kein Aktionär vernünftigerweise, in welchem Verhältnis auch immer, ein Bezugsrecht ausüben würde. Die derzeit aus einer Kapitalerhöhung resultierenden Einnahmen wären so unbedeutend, dass man sie augenblicklich vergessen könnte.
2.§erst nach Vorlage testierter Bilanzen und eines aktuellen Finanzstatus kann man eine Analyse fertigen, um die Zukunftschance von Steinhoff realistisch zu beurteilen.
3.§eine Kapitalerhöhung zur Schuldentilgung macht in der derzeitigen Situation überhaupt keinen Sinn.
4.§Eine Kapitalerhöhung, um weitere Unternehmungen aufzukaufen, macht ebenfalls keinen Sinn, zumal Steinhoff derzeit Unternehmens Anteile zur Liquiditätsbeschaffung eher verkauft als kauft und Zukunftsinvestitionen derzeit nicht erkennbar sind.
5.§Auch glaube ich nicht, dass auch nur ein Altaktionär das Bezugsrecht nach den bisher eingetretenen Kursverlusten ausüben würde.
Ich erinnere hier an die alte Weisheit: «Einen Fehler zu begehen ist menschlich und normal und passiert jedem, auch dem intelligentesten Menschen, aber denselben Fehler zweimal zu begehen, ist Dummheit. Aus all diesen Gründen macht es in diesem Forum meines Erachtens auch überhaupt keinen Sinn auch nur eine Zeile über eine mögliche Kapitalerhöhung bei Steinhoff nachzudenken oder gar darüber zu schreiben. Ich halte es hier bei Steinhoff ganz mit Thomas Mann: «Lieber eine schlechte Aktie zum richtigen Zeitpunkt als eine gute Aktie zum falschen».
Ich halte Steinhoff langfristig für eine gute Investition und schon gar nicht für einen Zock, wie einige hier im Forum diversen Mitgliedern glauben machen wollen.