Dynamisches Wachstum in Osteuropa und der Ausbau des Markengeschäfts sollen bei Stada in den kommenden Jahren für Schwung sorgen. Der Generikahersteller traut sich deshalb 2015 einen Umsatz von 2,3 Milliarden Euro zu. "Mit der von Analysten bisweilen genannten Umsatzerwartung in dieser Höhe kann ich sehr gut leben", sagte Stada-Chef Hartmut Retzlaff am Mittwoch der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Der Manager, der den MDax -Konzern seit 1994 leitet, gab damit erstmals einen Ausblick für die Zeit nach 2014. Im vergangenen Jahr hatte Stada einen Erlös von 1,84 Milliarden Euro erzielt.
Die Prognosen für das laufende wie auch das kommende Jahr bestätigte Retzlaff. 2014 rechnet der weltweit fünftgrößte Generikahersteller mit einem Umsatz von etwa 2,15 Milliarden Euro. Die Bad Vilbeler haben dabei einen Konzerngewinn in Höhe von rund 215 Millionen Euro in Aussicht gestellt.
Vor allem in Osteuropa kann der Anbieter von Nachahmer-Medikamenten weiter zulegen. Etwa in Russland, wo viele Patienten ihre Medikamente aus eigener Tasche zahlen müssen, boomt das Geschäft: "Weder in Russland noch im restlichen Osteuropa sehe ich in den kommenden drei bis vier Jahren ein Ende des Wachstums." Russland ist nach Deutschland der zweitgrößte Markt für Stada. Osteuropa werde Westeuropa beim Umsatz wie auch beim Ergebnis deutlich übertreffen. Der Umsatz könne dort mittelfristig auf eine Milliarde Euro steigen, sagte Retzlaff.
Herausfordernd bleibt indes der Heimatmarkt: Denn das Geschäft mit Nachahmerpillen ist von Rabattausschreibungen der gesetzlichen Krankenkassen mit hohen Preisnachlässen geprägt. Die Bad Vilbeler sind nach der Novartis -Tochter Sandoz/Hexal und der Teva -Tochter Ratiopharm der drittgrößte Generikaanbieter in Deutschland. Im ersten Halbjahr steuerten Generika gut 64 Prozent zum Konzernumsatz bei - mit abnehmender Tendenz. Um diese Abhängigkeit zu reduzieren, baut Stada das margenstärkere Markensegment mit Produkten wie dem Grippemittel Grippostad aus.
Damit der Einfluss der Markenprodukte auf Umsatz- und Ergebnis weiter wächst, hat Stada auch in Großbritannien zugekauft: "Das Wachstum bei Thornton & Ross ist nach einem Plus von rund 11 Prozent im Geschäftsjahr 2012/2013 unverändert zweistellig und die EBITDA-Marge liegt mit mehr als 24 Prozent über der von Stada", sagte Retzlaff. Thornton & Ross ist in Großbritannien fünftgrößter Anbieter von verschreibungsfreien Arzneien. Die Briten tragen seit dem 1. September zur Stada-Bilanz bei und sollen 2013 auch den Gewinn steigern.
Gleichzeitig will Stada weiter Kosten reduzieren. 2010 hatte das Unternehmen bereits ein Sparprogramm aufgelegt, mit dem von 2014 an jährlich 20 bis 30 Millionen Euro erzielt werden sollen. Das könnte nun auch noch mehr werden: "Ich schließe nicht aus, dass wir die Ziele übertreffen werden", sagte Retzlaff. Denn neben Einsparungen im IT-Bereich arbeite Stada an der Senkung der Steuerquote.
Trotz des hohen Konkurrenzdrucks sieht Retzlaff die immer wieder aufkommenden Übernahmegerüchte gelassen: "Die Frage, ob Stada übernommen wird, höre ich schon seit 20 Jahren." Stada könne alleine überleben - und wolle wenn dann eher selbst zukaufen. Größere Übernahmen seien zwar nicht geplant. 2014 könnten aber zwei bis drei kleinere Zukäufe im Markengeschäft über die Bühne gehen, womit Stada 50 bis 60 Millionen Euro an Umsatz hinzukaufen könne, sagte Retzlaff. Die Nettoverschuldung von 1,2 Milliarden Euro soll "moderat sinken, um die Flexibilität für Zukäufe" zu erhalten. Die Zielgröße im Verhältnis der Nettoverschuldung zum bereinigten EBITDA sieht der Manager bei 3,0 nach 3,2 im ersten Halbjahr./ep/fbr/stb
Grüne Sterne beruhen auf Gegenseitigkeit!