Ich finde manche Reaktionen hier (und den Kursrutsch) doch auch reichlich panikgetrieben ohne jeden Grund. Klar ist, dass Trier zunächstmal einfach vorsichtig guiden will. Allerdings sehe ich nicht, dass sich für einen Langfristinvestor hier groß viel verändert hat. Klar, wenn man hofft, dass Firmen jedes Jahr immer nur wie am Strich gezogen ihr EPS erhöhen, dann wird man vielleicht enttäuscht sein. Aus meiner Sicht ist Softing aber eine bestechende Wachstumsstory mit einem starken Owner-Manager und für die Branche bereits erhebliche Preissezungsmacht.
Ich werde nicht anfangen, solche Firmen nach dem EPS-Verlauf in Einzeljahren zu bewerten, wenn die grundsätzliche Story und Umsatz-/Margenperspektive sich nicht ändert. In dieser Hinsicht hat sich durch dieses Interview aus meinen Augen wirklich nichts verändert. Relevanter scheint mir, wie Softing in Zukunft in die avisierten Wachstumsmärkte vorstoßen kann. Aus dieser Perspektive sind Aussagen zur Verankerung von Softings Produkten im Automotive-Bereich (Großauftrag im Dezember) bzw. Fragen zu den Wachstumsausichten z.B. im Shale-Oil/Gas Bereich (siehe Diskussion oben) letztlich relevanter als ob 2015 jetzt vom EPS her ein Knüller ist oder nicht.
Weiter oben hat jemand geschrieben, dass es für ihn letztlich zählt wie die Umsatzperspektive in Bezug auf 2017 oder so ist--der Rest wird schon kommen. Das spricht mir aus der Seele. Ich denke nicht, dass man sich zusehr verrückt machen sollte, wenn operativ mal ein Jahr kein dolles Wachstum bringt oder wenn mal Sonderkosten wegen der Integration von Unternehmen oder anfallen (oder gar Investitionen in Fusions-Synergien).
Mir gefällt die Unternehmenskommunikation insgesamt zwar auch nicht. Triers überbordender Konservativismus bei offiziellen Prognosen und seine unverhohlene Euphorie bei Interviews zwischendurch hat schon etwas manisch-depressives. Und, ja, mir gehen seine politischen Ausführungen letztlich auch auf die Nerven (und finde es auch teilweise unanständig, Geschäftsberichte dafür zu missbrauchen hier a la Air Berlin Regierungsschelte zu betreiben--unabhängig davon, was man inhaltlich davon halten mag).
Insgesamt ist Softing aus meiner Sicht aber heute genausosehr wie noch vor einer Woche ein tolles Pferd, dass man aus meiner Sicht optimistisch ins Rennen schicken kann. Sprich: ich werde momentan von meinen Softing Beständen sicher kein einziges Stück verkaufen--schon gar nicht zu einem Zeitpunkt, wo es Leute aus eigener kurzfristiger Unsicherheit rausschüttelt und der Kurs entsprechend angeschlagen ist. Solange sich an der fundamentalen Langfristperspektive nichts geändert hat, gibt's hier aus meiner Sicht keinen Grund zur Panik. Die Geschäftsfelder von Softing sind zyklisch und damit muss man leben können, wenn man hier investiert. Sonst schüttelt's einen immer in den Downcycles raus.