von Annette Berger
Dinge, die man geheim halten will, sind besonders spannend. Beispiel Siemens-Affäre: Während der Konzern kaum etwas über seine Aufarbeitung des Skandals um schwarze Kassen verrät, schießen die Spekulationen ins Kraut. Aktionärsschützer bemängeln die Krisen-PR als misslungen.
Harsche Kritik an der Kommunikation des Siemens-Konzerns äußerten am Montag die beiden Aktionärsschützer-Verbände SdK und DWS. Dadurch, dass der Konzern die Öffentlichkeit so wenig darüber informiere, wie er die Affäre um schwarze Kassen aufarbeite, gehe viel Vertrauen in der Öffentlichkeit verloren, sagte Jürgen Kurz, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).
Es entstünde der Eindruck, als habe das Siemens-Management das eigene Haus nicht im Griff - auch, wenn dies in der Realität nicht zutreffe. "Eine zeitlang hatte man den Eindruck, dass sich Siemens aus der Kommunikation zurückgezogen hätte", sagte Kurz. Transparenz sei aber wichtig. "Sonst hat man nicht mehr das Heft des Handelns in der Hand." Je weniger das Unternehmen selbst informiere, desto mehr Raum biete es für Gerüchte.
Siemens schwieg meist beharrlich. Dadurch habe der Konzern "zusätzlich Porzellan zerschlagen", sagte Kurz. Die Münchner hätten kommunizieren sollen, mit welchen Mitteln sie die Affäre aufklären wollten.
Was macht die Arbeitsgruppe?
"Wir würden gern wissen, was die interne Arbeitsgruppe macht", sagte auch Reinhild Keitel, Vorstandsmitglied der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Sogar die Münchner Ermittler seien gesprächiger als Siemens. "Die Staatsanwaltschaft teilt fleißig mit", sagte Keitel
DSW-Sprecher Kurz vermutet hinter diese Haltung die Absicht, zunächst intern aufzuräumen, bevor man die Öffentlichkeit informiert. Resultat diese Strategie sei jedoch gewesen, dass am Kapitalmarkt zeitweise darüber spekuliert wurde, ob beispielsweise Aufträge geplatzt seien. "Und wenn der Kapitalmarkt erst einmal anfängt zu spekulieren, ist das niemals gut", sagte Kurz.
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