hab mir gestern eine kleine position gesichert.
augen auf!!!
lustig
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Allerdings haben die Vorstände Nicolas Fabian Schweizer und Marc Bunz noch eine weitere Branche im Visier: Wie Schweizer im Rahmen einer Schaltkonferenz bestätigte, will sich die SEAG künftig auch im Bereich der Rüstungsindustrie nach Kunden umschauen. Da das Unternehmen beispielsweise für die Luftfahrt zertifiziert ist – und diese Branche aktuell darbt – erhofft man sich hier einen guten Einstieg.
Die Schweizer Electronic AG ist aktuell kein gemütlicher deutscher Traditionswert, sondern wirkt auf mich eher wie ein sehr kleiner, zyklischer und bilanziell noch nicht wirklich entspannter Leiterplatten-Turnaround.
Das Unternehmen hat eine außergewöhnlich lange Geschichte: Es geht auf die 1849 von Christoph Schweizer gegründete Firma zurück, begann ursprünglich mit Zifferblättern, wurde später ein Spezialist für Schilder und technische Oberflächen, startete 1958 mit der Leiterplattenproduktion, ging 1989 in Frankfurt und Stuttgart an die Börse und wird heute noch in sechster Generation von der Gründerfamilie geführt. Wichtige neuere Stationen waren die Partnerschaften mit Meiko, WUS Printed Circuits und Infineon, der Aufbau des chinesischen Hightech-Werks, der spätere Verkauf von SEC-Anteilen an WUS sowie der strategische Schwenk zu einem „Fab-Light“-Modell mit eigener Technologiekompetenz in Schramberg und internationalem Partnernetzwerk. (schweizer.ag)
Das Geschäftsmodell ist im Kern schnell erklärt: Schweizer entwickelt und liefert technologisch anspruchsvolle Leiterplatten und Embedding-Lösungen, vor allem für Automotive, Industrie, Aviation, Medical, Communications und Computing. Die Story der Aktie hängt stark daran, ob Schweizer aus seiner Technologie – Hochfrequenz-Leiterplatten, HDI, Multilayer, Leistungselektronik und p²-Pack-Embedding – endlich dauerhaft ordentliche Margen machen kann. Auf dem Papier adressiert das Unternehmen genau die richtigen Themen: E-Mobilität, Energieeffizienz, Leistungselektronik, robuste Lieferketten und zunehmend auch Defence. Der globale Leiterplattenmarkt hat sich 2025 laut Unternehmensangaben deutlich erholt; Schweizer selbst nennt für 2025 ein geschätztes globales PCB-Marktwachstum von rund 12,8 Prozent und eine Marktgröße von etwa 83 Mrd. US-Dollar. (schweizer.ag)
Die Aktie ist allerdings ein Microcap. WKN 515623, ISIN DE0005156236, Ticker SCE, General Standard, 3,78 Mio. Aktien, Börsenplätze unter anderem Xetra, Frankfurt und Stuttgart. Bei Kursen um 7,50 bis 7,70 Euro Anfang Juli 2026 liegt die Marktkapitalisierung nur bei rund 28 Mio. Euro. Das ist winzig und erklärt, warum die Aktie stark schwankt, teils mit großen Spreads und geringer Liquidität. Ariva zeigte am 8. Juli 2026 einen Tradegate-Kurs von 7,68 Euro, ein 52-Wochen-Tief von 2,50 Euro und ein 52-Wochen-Hoch von 8,86 Euro; auf Jahressicht lag die Aktie deutlich im Plus, über fünf Jahre aber weiterhin klar im Minus. (Ariva)
Die Aktionärsstruktur ist strategisch geprägt. Laut Montega-Research hält WUS rund 29,9 Prozent, die Familie Schweizer rund 23,2 Prozent, Infineon rund 9,4 Prozent, der Freefloat liegt bei gut 34 Prozent. Das ist positiv, weil strategische und familiäre Ankeraktionäre an Bord sind. Es ist aber auch ein Punkt, den man nicht unterschätzen sollte: Der Streubesitz ist begrenzt, die Handelbarkeit ist dünn, und WUS ist zugleich strategischer Partner. Für außenstehende Aktionäre ist das nicht automatisch schlecht, aber es macht die Aktie zu einem Spezialwert, nicht zu einem normalen liquiden Nebenwert. (schweizer.ag)
Fundamental sieht Schweizer auf den ersten Blick besser aus als noch vor ein, zwei Jahren, aber die Qualität der Ergebnisverbesserung muss man sauber einordnen. 2025 stieg der Konzernumsatz auf 173,1 Mio. Euro nach 144,5 Mio. Euro, also um 19,8 Prozent. Das EBITDA lag aber nur bei 0,7 Mio. Euro, bereinigt um Restrukturierungsaufwand bei 1,7 Mio. Euro. Der Jahresüberschuss von 5,0 Mio. Euro und das EPS von 1,32 Euro waren stark durch den Verkauf von Anteilen an Schweizer Electronic Jiangsu bzw. durch Transaktionseffekte geprägt. Operativ ist Schweizer damit noch kein profitabler Qualitätswert, sondern ein Unternehmen, das erst beweisen muss, dass aus Umsatzwachstum auch echte, wiederkehrende Gewinne entstehen. (schweizer.ag)
Die Bilanz hat sich 2025 deutlich entspannt. Liquide Mittel lagen zum Jahresende bei 23,4 Mio. Euro, die Eigenkapitalquote bei 21,4 Prozent, und der Nettoverschuldungsgrad verbesserte sich auf minus 15,7 Prozent. Das war wesentlich auf Mittelzuflüsse aus dem Verkauf von SEC-Anteilen zurückzuführen. Diese Transaktion hat dem Unternehmen Luft verschafft, aber sie löst das operative Margenproblem nicht automatisch. Genau darin liegt der Kern der Investmentfrage: Schweizer hat Zeit gekauft – jetzt muss das laufende Geschäft liefern. (schweizer.ag)
Das erste Quartal 2026 war gemischt. Positiv war der Umsatz: 47,3 Mio. Euro, plus 20,2 Prozent gegenüber Q1 2025. Der Auftragsbestand lag Ende März 2026 bei 211,1 Mio. Euro, davon 125,3 Mio. Euro für Auslieferungen von April bis Dezember 2026. Auch Aviation & Defence lieferte erstmals einen sichtbaren Umsatzbeitrag. Negativ bleibt aber: EBITDA minus 0,4 Mio. Euro, EBIT minus 1,7 Mio. Euro, Konzernergebnis minus 2,7 Mio. Euro. Das ist besser als im Vorjahr, aber noch nicht gut. Eigenkapital lag zum Quartalsende bei 24,3 Mio. Euro, die Netto-Verschuldung bei 2,5 Mio. Euro. (schweizer.ag)
Für 2026 erwartet der Vorstand einen Umsatz zwischen 165 und 185 Mio. Euro sowie ein bereinigtes EBITDA von 3,3 bis 6,0 Mio. Euro. Das ist eine realistische, aber ambitionierte Guidance, weil die Kosten- und Materialseite schwierig bleibt. Das Unternehmen selbst weist auf steigende Materialpreise, geopolitische Unsicherheiten, Beschaffungsrisiken und die Notwendigkeit hin, Kostensteigerungen an Kunden weiterzugeben. Genau hier liegt ein wesentlicher Hebel: Wenn Schweizer Preiserhöhungen und Materialverfügbarkeit im Griff hat, kann 2026 ein Jahr der operativen Stabilisierung werden. Wenn nicht, bleibt das Unternehmen trotz voller Auftragsbücher margenarm. (schweizer.ag)
Montega hat die Aktie am 8. Mai 2026 von „Kaufen“ auf „Halten“ abgestuft und das Kursziel bei 6,50 Euro belassen. Bei dem damaligen Kurs von 8,18 Euro entsprach das einem rechnerischen Abwärtspotenzial von 21 Prozent. Montega erwartet für 2026 einen Umsatz von 180,0 Mio. Euro, aber noch ein negatives EBIT von minus 2,9 Mio. Euro und einen Jahresverlust von minus 4,5 Mio. Euro. Erst 2027 und 2028 werden nach dieser Schätzung wieder positive EBIT-Werte erwartet. Dividenden sieht Montega für 2026 bis 2028 nicht. (schweizer.ag)
Meine Einschätzung: Bei Kursen um 7,50 Euro ist die Aktie nicht mehr billig im Sinne eines klaren Substanzschnäppchens. Sie ist ein Turnaround-Optionsschein auf operative Margenverbesserung. Das externe Kursziel von 6,50 Euro ist nicht absurd konservativ, sondern spiegelt nüchtern wider, dass Umsatz allein hier nicht reicht. Für die nächsten zwölf Monate sehe ich eine faire Spanne von etwa 6 bis 8,50 Euro, solange Schweizer zwar wächst, aber operativ noch keine belastbare EBIT-Marge zeigt. Oberhalb von 8 Euro wird viel Hoffnung bezahlt. Unter 6 Euro würde das Chance-Risiko deutlich interessanter, sofern die Bilanz stabil bleibt und die Auftragslage nicht kippt.
Auf Sicht von drei bis fünf Jahren hängt das Kursziel fast vollständig an der Margenfrage. Schafft Schweizer 200 bis 220 Mio. Euro Umsatz und eine nachhaltige EBIT-Marge von 3 bis 4 Prozent, wären Kurse im Bereich 10 bis 15 Euro plausibel. Das wäre kein Fantasieziel, sondern würde grob einer Normalisierung der Bewertung entsprechen. Bleibt die EBIT-Marge dagegen bei 0 bis 2 Prozent, ist die Aktie auch bei 7 Euro nicht wirklich günstig, weil dann die Marktkapitalisierung zwar niedrig aussieht, aber kaum freier Cashflow für die Aktionäre entsteht.
Auf Sicht von zehn bis fünfzehn Jahren gibt es drei Szenarien. Im Negativszenario bleibt Schweizer ein margenarmes, zyklisches Zuliefergeschäft mit immer wieder auftretenden Working-Capital- und Investitionsbedarfen; dann sind Kurse von 3 bis 5 Euro oder Verwässerungen nicht ausgeschlossen. Im Basisszenario etabliert sich Schweizer als kleiner, profitabler europäischer Technologie- und Sourcing-Spezialist für Leiterplatten, mit China-, Indien- und Europa-Netzwerk, aber ohne hohe Margen; dann wären 10 bis 18 Euro denkbar. Im positiven Szenario wird Embedding für Leistungselektronik, E-Mobility, Defence und industrielle Hochleistungsanwendungen ein echter Wachstumstreiber, die Partnerschaften mit WUS, Infineon und künftig Ascent/ILJIN tragen, und Schweizer erreicht über Jahre Margen, die deutlich über der Vergangenheit liegen. Dann kann die Aktie auch 20 bis 30 Euro oder mehr erreichen. Das ist aber ausdrücklich ein Bull-Case, kein Basisszenario.
Die geplante Kooperation mit ILJIN Electronics bzw. Ascent Circuits in Indien passt strategisch in dieses Bild. Schweizer will damit die Lieferketten für Automotive- und Industrie-Leiterplatten diversifizieren, zunächst mit Standardanwendungen, später möglicherweise mit komplexeren Multilayer- und HDI-Anwendungen. Das ist sinnvoll, weil Kunden in Europa und den USA nach zusätzlichen Beschaffungsoptionen außerhalb der klassischen asiatischen und europäischen Strukturen suchen. Kurzfristig ist das aber noch kein Gewinnhebel, sondern eher ein strategischer Baustein. (EQS News)
Unterm Strich ist Schweizer Electronic eine spannende, aber keineswegs sichere Spezialwert-Aktie. Positiv sind die 175-jährige Unternehmensgeschichte, die technologische Nische, die Ankeraktionäre, der hohe Auftragsbestand, die verbesserte Bilanz, die Chancen in Embedding, Defence und resilienten Lieferketten. Negativ sind die schwache operative Marge, die Abhängigkeit vom Automotive-Sektor, die geringe Börsenliquidität, Materialpreisrisiken, die Vergangenheit mit teuren strategischen Umwegen und die Tatsache, dass der Gewinn 2025 nicht aus einem sauber durchverdienenden Kerngeschäft kam. Für konservative Anleger ist die Aktie ungeeignet. Für risikobereite Nebenwerte-Anleger ist sie ein beobachtenswerter Turnaround, aber erst dann wirklich überzeugend, wenn Schweizer nicht nur Umsatzwachstum, sondern nachhaltig positiven EBIT und positiven Free Cashflow liefert.
Ich war hier nie investiert und habe es auch nicht vor. Allerdings interessieren vor allem deutsche Unternehmen mich nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen, sondern mit Blick auf ihre Historie. Dabei war Schweizer Electronic mir auf den Schirm geraten.
Allen, die hier investiert sind, wünsche ich viel Erfolg.
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| 8 | 238 | Schweizer Electronic AG hebt ab!! | lustig | MrTrillion3 | 14.07.26 17:33 | |
| 4 | Schweizer Electronic - Hlbj.06 - News von 12.01h | cziffra | 31.08.06 12:07 |