Wieso es verwunderlich ist, dass angesichts der fernsehlosesten Weltmeisterschaft aller Zeiten in Deutschland noch nicht die Revolution ausgebrochen ist.
Beginnen wir mit einer Binse. Eine Fußball-Weltmeisterschaft, die lebt vom Rausch der Bilder, vom optischen Überangebot noch so unwichtig erscheinender Details. Davon, dass man auch noch den dritten Übersteiger des Linksaußens von Südafrika sieht, oder dass der slowenische Rechtsverteidiger die Flanken immer auf den zweiten Pfosten zieht. Dass man über die Schwächen der ergrauten Viererkette von Costa Rica philosophiert oder vom Sofa aus Winfried Schäfers Presstaktik im Kamerunschen Mittelfeld als hanebüchenen Quatsch entlarvt. Oder sich freut, wie die cleveren Dänen den Mit-Geheimfavoriten Uruguay richtig klassisch abfiedeln. Live, in Farbe und voller Länge.
Und natürlich gehört zu einer echten WM auch, dass man wegen dieser ganzen stundenlangen Glotzerei Ärger mit der desinteressierten Liebsten bekommt. Aber nun das: Nix mit Übersteiger, nix mit Dänemark, niente Ärger. Selbst am Wochenende, wo kein Boss den Empfang verbieten konnte, gab es die WM (die WM, so wie wir sie gerade beschreiben haben) nur als TV-Häppchen in Sushi-Portionen. Das Problem ist bekannt: Kirch, ARD und ZDF, die Rechte - 97 Prozent aller Deutschen können 65 Prozent aller WM-Spiele nicht sehen. Wir hatten geglaubt zu wissen, was da auf uns zukommt. Wir hatten geglaubt, dass wir dem psychischen Druck der Kirch-Knebler widerstehen können. Nun wissen wir: Wir wussten nichts.
Freunde rufen an, klagen, dass bei ihnen - 8:0 hin, 8:0 her - keine WM-Stimmung aufkommen will. Wie soll denn auch, bitteschön, WM-Stimmung aufkommen, wenn man solche Spiele wie Nigeria gegen Argentinien nicht live verfolgen kann - sondern nur viel später, als lieblos zusammen geschnittenes Aufwärmpaket (Sat.1 zeigte knapp zwölf Minuten, einschließlich der Nationalhymnen), kommentiert von einem Oliver Welke, der schon mit knapp 35 Jahren den Zenit seines Könnens überschritten hat und diesem immer unerträglicher werdenden Paul Breitner? Ich schwöre: Wenn der Breitner noch einmal den Kopf so semidebil zur Seite kippt und in die Kamera grinst, fahre ich nach Unterföhring.
Was ist das für eine WM, wenn wir selbst unseren Lieblingen Günter Netzer und Gerhard Delling abschwören, weil sie geschlagene drei Stunden lang bilderlosen Smalltalk halten und sogar Standfotos kommentieren müssen - denn die Öffentlich-Rechtlichen haben noch nicht einmal die Erlaubnis, Mini-Ausschnitte aller Tagesbegegnungen zu zeigen?
Ein Spiel live pro Tag, mehr ist nicht drin. Und dann präsentiert uns am Dienstag das ZDF den Hammer Südkorea gegen Polen. Es ist eines von 24 Spielen, das unsere Gebührensender gekauft haben. Warum, weiß niemand so genau. Vielleicht weil, wie bei Deals mit Leo Kirch üblich, ein Topangebot immer gleich zwei B-Movies beinhaltet. Vielleicht, weil das ZDF bei den Südkoreanern Prozente auf die Hotelrechnungen bekommt.
Was aber, wenn diese Dänen nun so richtig in Fahrt kommen? Was, wenn die Tomassons und Sands von Spiel zu Spiel besser werden und schließlich unsere neue deutsche Wundertruppe im Endspiel mit 3:0 wegschießen - ohne das 97 Prozent der Deutschen vor dem Halbfinale überhaupt die Chance hatten, das Smörebröd-Team zu sehen? Nicht lachen: Rechtlich ist das theoretisch möglich. Die Dänen stehen bei ARD und ZDF bislang nicht auf dem Plan.
Wo ist eigentlich die "Bild"-Zeitung, die Rächerin der Entrechteten und Verschlüsselten? Kein einziges Wort verlor Deutschlands Gerechtigkeitsmaschine Nummer eins bisher über den Black Out eines ganzen Landes. Stattdessen: Lob für Welke (!), Lob für Breitner (!!) und sogar Lob für Heribert Faßbender (!!!).
spiegel.de
Gruß
Happy End
Beginnen wir mit einer Binse. Eine Fußball-Weltmeisterschaft, die lebt vom Rausch der Bilder, vom optischen Überangebot noch so unwichtig erscheinender Details. Davon, dass man auch noch den dritten Übersteiger des Linksaußens von Südafrika sieht, oder dass der slowenische Rechtsverteidiger die Flanken immer auf den zweiten Pfosten zieht. Dass man über die Schwächen der ergrauten Viererkette von Costa Rica philosophiert oder vom Sofa aus Winfried Schäfers Presstaktik im Kamerunschen Mittelfeld als hanebüchenen Quatsch entlarvt. Oder sich freut, wie die cleveren Dänen den Mit-Geheimfavoriten Uruguay richtig klassisch abfiedeln. Live, in Farbe und voller Länge.
Und natürlich gehört zu einer echten WM auch, dass man wegen dieser ganzen stundenlangen Glotzerei Ärger mit der desinteressierten Liebsten bekommt. Aber nun das: Nix mit Übersteiger, nix mit Dänemark, niente Ärger. Selbst am Wochenende, wo kein Boss den Empfang verbieten konnte, gab es die WM (die WM, so wie wir sie gerade beschreiben haben) nur als TV-Häppchen in Sushi-Portionen. Das Problem ist bekannt: Kirch, ARD und ZDF, die Rechte - 97 Prozent aller Deutschen können 65 Prozent aller WM-Spiele nicht sehen. Wir hatten geglaubt zu wissen, was da auf uns zukommt. Wir hatten geglaubt, dass wir dem psychischen Druck der Kirch-Knebler widerstehen können. Nun wissen wir: Wir wussten nichts.
Freunde rufen an, klagen, dass bei ihnen - 8:0 hin, 8:0 her - keine WM-Stimmung aufkommen will. Wie soll denn auch, bitteschön, WM-Stimmung aufkommen, wenn man solche Spiele wie Nigeria gegen Argentinien nicht live verfolgen kann - sondern nur viel später, als lieblos zusammen geschnittenes Aufwärmpaket (Sat.1 zeigte knapp zwölf Minuten, einschließlich der Nationalhymnen), kommentiert von einem Oliver Welke, der schon mit knapp 35 Jahren den Zenit seines Könnens überschritten hat und diesem immer unerträglicher werdenden Paul Breitner? Ich schwöre: Wenn der Breitner noch einmal den Kopf so semidebil zur Seite kippt und in die Kamera grinst, fahre ich nach Unterföhring.
Was ist das für eine WM, wenn wir selbst unseren Lieblingen Günter Netzer und Gerhard Delling abschwören, weil sie geschlagene drei Stunden lang bilderlosen Smalltalk halten und sogar Standfotos kommentieren müssen - denn die Öffentlich-Rechtlichen haben noch nicht einmal die Erlaubnis, Mini-Ausschnitte aller Tagesbegegnungen zu zeigen?
Ein Spiel live pro Tag, mehr ist nicht drin. Und dann präsentiert uns am Dienstag das ZDF den Hammer Südkorea gegen Polen. Es ist eines von 24 Spielen, das unsere Gebührensender gekauft haben. Warum, weiß niemand so genau. Vielleicht weil, wie bei Deals mit Leo Kirch üblich, ein Topangebot immer gleich zwei B-Movies beinhaltet. Vielleicht, weil das ZDF bei den Südkoreanern Prozente auf die Hotelrechnungen bekommt.
Wo ist eigentlich die "Bild"-Zeitung?
Was aber, wenn diese Dänen nun so richtig in Fahrt kommen? Was, wenn die Tomassons und Sands von Spiel zu Spiel besser werden und schließlich unsere neue deutsche Wundertruppe im Endspiel mit 3:0 wegschießen - ohne das 97 Prozent der Deutschen vor dem Halbfinale überhaupt die Chance hatten, das Smörebröd-Team zu sehen? Nicht lachen: Rechtlich ist das theoretisch möglich. Die Dänen stehen bei ARD und ZDF bislang nicht auf dem Plan.
Wo ist eigentlich die "Bild"-Zeitung, die Rächerin der Entrechteten und Verschlüsselten? Kein einziges Wort verlor Deutschlands Gerechtigkeitsmaschine Nummer eins bisher über den Black Out eines ganzen Landes. Stattdessen: Lob für Welke (!), Lob für Breitner (!!) und sogar Lob für Heribert Faßbender (!!!).
spiegel.de
Gruß
Happy End