Es liegt nicht nur am Trauerschwarz auf VIVA, dass am Abend des Unglücks gepiercte Teenager mit zweistelligem IQ auf stillgelegten Raves ihre Augen auf die LCDs ihrer Casio-Mobil-TV drücken wie einst ihre Omas und Opas an die Lautsprecher der 'Göbbelschnauze'. Für das neue Hinhören sorgt auch die Allgegenwärtigkeit der Katastropheninformationsversorgung: Man kann gar nicht mehr entkommen.
Wut, Trauer und Betroffenheit sind derzeit voll angesagt, ebenso Radio, Zeitungen und die Glotze. Dabei geht nicht um die Opfer von Afghanistan, Bagdad, Burma, Burundi, China, Indonesien, Palästina, Serbien oder Tschetschenien, um nur einige zu nennen, auch nicht um die Opfer von ETA, IRA oder Pharmakonzernen, oder gar um die Totenberge, die seit Jahren von Aids oder Hunger aufgehäuft werden. Es geht vielmehr um ~6.000 Banker und andere Privilegierte, die von namenlosen Feiglingen nach Hollywood-Style ins Jenseits geblastet wurden. Die mediale Verarbeitung einer Katastrophe ist im vollen Gange.
Sehr geschmackvoll: Die ersten Themenbanner zum Terror (Spiegel.de)
Da wird natürlich erst mal viel Wissen produziert. Drei unvergessliche Videoclips, welche die markanten 'Twins' beim Rauchen, Explodieren und Zusammenstürzen zeigen, erlaubten den meisten Journalisten noch gestern, am Abend der Katastrophe, fantasievolle Spekulationen über die Hintermänner zum Besten zu geben. Ein Abend wie aus dem Lehrbuch des Nachrichtenkrieges: Wickert, & Co schoben Sonderschichten, um die immer gleichen Bilder mit immer gleichen, dürftigen Informationen zu kommentieren. Nichts ist eben schöner als die Illusion des Wissens. Pro Sieben, Sat1, Kabel 1 und N24 demonstrierten sogar, was Gleichschaltung der Medien heute heißt, sie sparten sich das übliche Programm und bliesen vollkommen identischen junk journalism durch den Äther. Immerhin werbefrei, noch. Die beiden Moderatoren dort schafften es, jede Stunde noch ein bisschen betroffener auszusehen, während im Hintergrund immer wieder das WTC rauchte, explodierte oder zusammenstürzte. Aber vielleicht hatten Mr. Anchor Man und Woman auch nur keinen Bock mehr, ohne Werbung zu senden. Und ohne Konzept. Dafür in Realtime.
Live-Schnipsel in Echtzeit. Wenn der dritte Weltkrieg kommt, werden wir Bürger es diesmal als erste wissen, nicht erst auf unsere Nachfrage, warum denn unsere Kinder die Einberufung erhalten haben. Ja freilich, der mediale Apparat braucht einen knirschenden Moment, doch wenn er die Drehzahl von 24 Bildern pro Sekunde erreicht hat, dann läuft er wie geschmiert. Schnell waren also die Studios mit Experten gefüllt. Ehemalige Außenminister und Zuarbeiter, ehemalige Geheimdienstkoordinatoren, verschiedene Spezialisten zu Nahost-Fragen sowie Bekannte der Brüder des Kabellegers jener Lokalberühmheit, die mal eine Postkarte aus N. Y. bekommen hatte. Sie alle spekulierten vor unseren Augen mit viel Kompetenz und ohne Faktenwissen über die Hintergründe der Tat, garniert von den immer gleichen Bildern der rauchenden, explodierenden und zusammenstürzenden Tower.
Gar nicht makaber: CNN.com bietet Grafik satt, denn der Crash ist einfach zu schön.
Dann kamen endlich ein paar neue Bilder. Ein Feuerwehrauto. Menschen, die durch Asche gehen, Farbbilder wie Schwarzweißaufnahmen. Hier ein paar tanzende Palästinenser. Dort Arafat, der das alles bedauert. Zwischendurch eine Telefonstimme, live vom Ort des Massenterrorismus. Schnell war eine Reihenfolge in die Bilder gebracht: Rauchender Tower, Flugzeug explodiert an Fassade, Feuerwehr, Zusammenstürzen des Towers, Arafat bedauert, doch seine Landsleute feiern, die Opfer weinen Tränen in die Asche. Ergibt eine Story.
Die Motivation der Tat ist seltsam klar, seltsamer noch, dass sie kein Thema ist. Zum Thema wird: Wer war's? Tja, wer wohl. Fidel Castro vielleicht? Emmerichs Außerirdische? Ein kluger Journalist fragt: Warum bekennt sich keiner? Ein klügerer Experte meint, zu recht: Weil es Selbstmord wäre, jetzt was zu bekennen. Recht hat er. Wer dem unbesiegbaren Riesen gegen das Schienbein tritt, der nagelt nicht noch seine Hausnummer in den Wadenmuskel. Hätte der Irak sich gestern bekannt, der Irak wäre heute strahlende Asche. Was also soll die blöde Frage des Journalisten? Ach so, wir sind schon in der Unterhaltungsphase.
FAZnet hat auch schon die ersten Analysen, man fragt sich nur: auf Basis welcher Fakten?
Daher nun weitere Expertenrunden. Die ersten Politiker bringen Statements. Reden an die Nation. Der Schulterschluss. Und erste Hintergründe: 'Die Geschichte der Attacken gegen die USA.' Ja, ja, die Armen, immer in der Opferrolle. Intermezzo: Wer war's? - Immer noch keine Infos, soso. Warum also schon die ersten Hintergrundberichte über Usama bin Ladin? Muss ich diese tendenzielle Berichterstattung gut finden? Keine Ahnung. Aber immerhin weiß ich nun, wer's gewesen sein könnte. Nichts ist schöner als die Illusion, zu wissen. Ich bleibe weiter vor der Kiste kleben, bis in die Nacht hinein, saufe mir einen an. Mitternacht habe ich dann Geburtstag. Super Sache. Ich sehe das World Trade Center rauchen, explodieren und zusammenstürzen. Danke, aber he, das wäre doch nicht nötig gewesen.
Man mag über dieses Ereignis selbst als altgedienter Zyniker nicht wirklich Possen reißen. Vielleicht war das Ganze schon der 'Schuss von Sarajewo' für den dritten Weltkrieg. Vielleicht der des großen Krieges zwischen Christen und Moslems, von Kapital gegen Religion, der des clash of cultures. Jeder Witz wirkt da leicht daneben. Kein Grund, es nicht zu versuchen: Hätten die Terroristen ihre Opfer nur ausgelacht, die Welt wäre heute besser. Immerhin: Nächste Woche, das weiß ich, werden wir drüber lachen können; aber bis dahin kommt nur ein Krächzen raus. Nicht wegen der Opfer: Ja, es ist tragisch, aber mein Mitleid habe ich schon für all die anderen Opfer meines Fernsehlebens verbraucht. Zyniker sind enttäuschte Romantiker, sagt man. Vor allem habe ich Null Bock auf No Future, ich will in 40 Jahren nicht der Opa zu sein, der erzählt, wie der dritte Weltkrieg war, und sich dabei die amputierten Stummel kratzt.
Heute, einen Tag später, sind die Zeitungen voll mit Sonderteilen. Frische Experten plappern aufgewärmte Vermutungen. Peter Scholl-Latour wird durch die Boulevard-Blätter geschleift, als habe er gerade erst mit Bush gespeist und dessen Nahost-Strategie behende auf eine Serviette notiert. In Afghanistan fliegen Raketen, Himmel, war es Dabbeljuh? Nein doch nicht, nur hat die Taliban-Opposition die Gunst der Stunde genutzt, ihren Landsleuten einst reinzuwürgen. Ja, echt, das bringt uns weiter, Jungs. Wenn ihr euch wenigstens effektiv und endgültig gegenseitig umbringen würdet, denke ich mir zuweilen.
n24.de bietet hübschere Galerien - so lieben wir unsere Katastrophen.
Einstweilen stehen wir Kapital-Wessis zusammen wie eine Nation. Endlich können wir dem imperialen Koloss auch mal unsere Hilfe anbieten. Care-Paket gefällig? Blair, Chirac, Schröder und Berlusconi blasen sich auf und mischen Solidarität, Betroffenheit und Kritiklosigkeit an den langfristigen Ursachen für den Terrorakt zu einem gefälligen Mix. Wir halten zusammen, unisonen sie, egal was kommt: Wir machen mit, sind dabei. Ich frage mich: Ist denen überhaupt klar, was sie da sagen?
Was machen wir denn, wenn Dabbeljuh in seinem berechtigten Zorn nun meint, er müsse mal eben irgendwen ausradieren? Nehmen wir an, mangels sichtbarem Gegner greift er zum naheliegenden und befiehlt die flächendeckende Napalmisierung / Atomisierung von Afghanistan & Irak - machen wir dann auch mit? Und mit welcher Begründung? Das man 'sowas' wie den WTC-Terror nicht machen darf? Dass Rache süß ist? Dass wir die Welt durch Racheakte und Bombardierungen besser machen? Vorsorglich, um nicht demnächst wieder attackiert zu werden? Damit CNN was zu senden hat?
Und wo soll das enden? Pragmatisch gesehen müsste man sich doch folgerichtig des gesamten Islams entledigen. Dann wäre ja wohl Ruhe im Karton. Ethnische Säuberung mal anders. Machen wir da dann auch mit?
Genau, Bilder und Videos sind doch das schönste am nahenden Weltkrieg (sueddeutsche.de)
Nächste Woche werden die ersten Gerüchte bestätigt werden. Man wird einen Schuldigen finden, denn unabhängig vom Wahrheitsgehalt wird einer der Schuldige sein müssen. Damit wir jemanden haben, den wir bombardieren können. Natürlich werden wir uns dadurch neue Feinde machen. Brüder verstümmelter Kleinkinder werden bereitwillig das Frischfleisch für neue Selbstmordkommandos stellen. Und so weiter. Warum hat das niemand satt?
Themenwechsel in den Mainstream-Infomedien. Warum haben die Geheimdienste versagt? Hätte man nicht viel früher wissen müssen, dass...? Flughafenkontrollen zu lasch...? Künftig nur noch ferngesteuerte Flugzeuge...? Wie kriegen wir die Börsen wieder auf die Beine...? Huch - sind etwa auch Deutsche unter den Opfern? Hier die Videoclips der Katastrophe zum Downloaden... Und ja, die armen Versicherer: Immerhin konnte die Allianz ihre Mitarbeiter evakuieren. Gottseindank.
Spiegel.de hat den Crash etwas aufgebuntet, jedenfalls war er im TV viel blasser.
Der Tower raucht, die zweite Boing crasht rein, der Tower explodiert und stürzt in sich zusammen. n24 und ntv blenden wieder ihre Börsenticker drüber. Spiegel TV Sondersendung. Das Leben geht weiter: Montag ist Focustag. The show must go on. Ich erwarte Guido Knopp: Hitlers Enkel - Bin Laden und Saddam. Zeit Sonderheft. Buchmesse ist auch bald, also macht Druck auf die Drucker. Schnell noch blast-the-worldtradecenter.com reservieren. SimWTC-Terror 2.0, das Spiel, ankündigen. Screensaver mit den WTC-Twin-Bildern releasen. Und nächstes Jahr dann der US-Spielfilm, vielleicht von Oliver Stone, der ja gerne Dokumentarisches mit Fiction verschneidet.
CNN hat heute Nacht Tom Clancy interviewt: Der US-Patriot hatte in seinem letzten Roman seine Terroristen eine Boing auf das Weiße Haus stürzen lassen.
Gruß
Happy End
Wut, Trauer und Betroffenheit sind derzeit voll angesagt, ebenso Radio, Zeitungen und die Glotze. Dabei geht nicht um die Opfer von Afghanistan, Bagdad, Burma, Burundi, China, Indonesien, Palästina, Serbien oder Tschetschenien, um nur einige zu nennen, auch nicht um die Opfer von ETA, IRA oder Pharmakonzernen, oder gar um die Totenberge, die seit Jahren von Aids oder Hunger aufgehäuft werden. Es geht vielmehr um ~6.000 Banker und andere Privilegierte, die von namenlosen Feiglingen nach Hollywood-Style ins Jenseits geblastet wurden. Die mediale Verarbeitung einer Katastrophe ist im vollen Gange.
Sehr geschmackvoll: Die ersten Themenbanner zum Terror (Spiegel.de)
Da wird natürlich erst mal viel Wissen produziert. Drei unvergessliche Videoclips, welche die markanten 'Twins' beim Rauchen, Explodieren und Zusammenstürzen zeigen, erlaubten den meisten Journalisten noch gestern, am Abend der Katastrophe, fantasievolle Spekulationen über die Hintermänner zum Besten zu geben. Ein Abend wie aus dem Lehrbuch des Nachrichtenkrieges: Wickert, & Co schoben Sonderschichten, um die immer gleichen Bilder mit immer gleichen, dürftigen Informationen zu kommentieren. Nichts ist eben schöner als die Illusion des Wissens. Pro Sieben, Sat1, Kabel 1 und N24 demonstrierten sogar, was Gleichschaltung der Medien heute heißt, sie sparten sich das übliche Programm und bliesen vollkommen identischen junk journalism durch den Äther. Immerhin werbefrei, noch. Die beiden Moderatoren dort schafften es, jede Stunde noch ein bisschen betroffener auszusehen, während im Hintergrund immer wieder das WTC rauchte, explodierte oder zusammenstürzte. Aber vielleicht hatten Mr. Anchor Man und Woman auch nur keinen Bock mehr, ohne Werbung zu senden. Und ohne Konzept. Dafür in Realtime.
Live-Schnipsel in Echtzeit. Wenn der dritte Weltkrieg kommt, werden wir Bürger es diesmal als erste wissen, nicht erst auf unsere Nachfrage, warum denn unsere Kinder die Einberufung erhalten haben. Ja freilich, der mediale Apparat braucht einen knirschenden Moment, doch wenn er die Drehzahl von 24 Bildern pro Sekunde erreicht hat, dann läuft er wie geschmiert. Schnell waren also die Studios mit Experten gefüllt. Ehemalige Außenminister und Zuarbeiter, ehemalige Geheimdienstkoordinatoren, verschiedene Spezialisten zu Nahost-Fragen sowie Bekannte der Brüder des Kabellegers jener Lokalberühmheit, die mal eine Postkarte aus N. Y. bekommen hatte. Sie alle spekulierten vor unseren Augen mit viel Kompetenz und ohne Faktenwissen über die Hintergründe der Tat, garniert von den immer gleichen Bildern der rauchenden, explodierenden und zusammenstürzenden Tower.
Gar nicht makaber: CNN.com bietet Grafik satt, denn der Crash ist einfach zu schön.
Dann kamen endlich ein paar neue Bilder. Ein Feuerwehrauto. Menschen, die durch Asche gehen, Farbbilder wie Schwarzweißaufnahmen. Hier ein paar tanzende Palästinenser. Dort Arafat, der das alles bedauert. Zwischendurch eine Telefonstimme, live vom Ort des Massenterrorismus. Schnell war eine Reihenfolge in die Bilder gebracht: Rauchender Tower, Flugzeug explodiert an Fassade, Feuerwehr, Zusammenstürzen des Towers, Arafat bedauert, doch seine Landsleute feiern, die Opfer weinen Tränen in die Asche. Ergibt eine Story.
Die Motivation der Tat ist seltsam klar, seltsamer noch, dass sie kein Thema ist. Zum Thema wird: Wer war's? Tja, wer wohl. Fidel Castro vielleicht? Emmerichs Außerirdische? Ein kluger Journalist fragt: Warum bekennt sich keiner? Ein klügerer Experte meint, zu recht: Weil es Selbstmord wäre, jetzt was zu bekennen. Recht hat er. Wer dem unbesiegbaren Riesen gegen das Schienbein tritt, der nagelt nicht noch seine Hausnummer in den Wadenmuskel. Hätte der Irak sich gestern bekannt, der Irak wäre heute strahlende Asche. Was also soll die blöde Frage des Journalisten? Ach so, wir sind schon in der Unterhaltungsphase.
FAZnet hat auch schon die ersten Analysen, man fragt sich nur: auf Basis welcher Fakten?
Daher nun weitere Expertenrunden. Die ersten Politiker bringen Statements. Reden an die Nation. Der Schulterschluss. Und erste Hintergründe: 'Die Geschichte der Attacken gegen die USA.' Ja, ja, die Armen, immer in der Opferrolle. Intermezzo: Wer war's? - Immer noch keine Infos, soso. Warum also schon die ersten Hintergrundberichte über Usama bin Ladin? Muss ich diese tendenzielle Berichterstattung gut finden? Keine Ahnung. Aber immerhin weiß ich nun, wer's gewesen sein könnte. Nichts ist schöner als die Illusion, zu wissen. Ich bleibe weiter vor der Kiste kleben, bis in die Nacht hinein, saufe mir einen an. Mitternacht habe ich dann Geburtstag. Super Sache. Ich sehe das World Trade Center rauchen, explodieren und zusammenstürzen. Danke, aber he, das wäre doch nicht nötig gewesen.
Man mag über dieses Ereignis selbst als altgedienter Zyniker nicht wirklich Possen reißen. Vielleicht war das Ganze schon der 'Schuss von Sarajewo' für den dritten Weltkrieg. Vielleicht der des großen Krieges zwischen Christen und Moslems, von Kapital gegen Religion, der des clash of cultures. Jeder Witz wirkt da leicht daneben. Kein Grund, es nicht zu versuchen: Hätten die Terroristen ihre Opfer nur ausgelacht, die Welt wäre heute besser. Immerhin: Nächste Woche, das weiß ich, werden wir drüber lachen können; aber bis dahin kommt nur ein Krächzen raus. Nicht wegen der Opfer: Ja, es ist tragisch, aber mein Mitleid habe ich schon für all die anderen Opfer meines Fernsehlebens verbraucht. Zyniker sind enttäuschte Romantiker, sagt man. Vor allem habe ich Null Bock auf No Future, ich will in 40 Jahren nicht der Opa zu sein, der erzählt, wie der dritte Weltkrieg war, und sich dabei die amputierten Stummel kratzt.
Heute, einen Tag später, sind die Zeitungen voll mit Sonderteilen. Frische Experten plappern aufgewärmte Vermutungen. Peter Scholl-Latour wird durch die Boulevard-Blätter geschleift, als habe er gerade erst mit Bush gespeist und dessen Nahost-Strategie behende auf eine Serviette notiert. In Afghanistan fliegen Raketen, Himmel, war es Dabbeljuh? Nein doch nicht, nur hat die Taliban-Opposition die Gunst der Stunde genutzt, ihren Landsleuten einst reinzuwürgen. Ja, echt, das bringt uns weiter, Jungs. Wenn ihr euch wenigstens effektiv und endgültig gegenseitig umbringen würdet, denke ich mir zuweilen.
n24.de bietet hübschere Galerien - so lieben wir unsere Katastrophen.
Einstweilen stehen wir Kapital-Wessis zusammen wie eine Nation. Endlich können wir dem imperialen Koloss auch mal unsere Hilfe anbieten. Care-Paket gefällig? Blair, Chirac, Schröder und Berlusconi blasen sich auf und mischen Solidarität, Betroffenheit und Kritiklosigkeit an den langfristigen Ursachen für den Terrorakt zu einem gefälligen Mix. Wir halten zusammen, unisonen sie, egal was kommt: Wir machen mit, sind dabei. Ich frage mich: Ist denen überhaupt klar, was sie da sagen?
Was machen wir denn, wenn Dabbeljuh in seinem berechtigten Zorn nun meint, er müsse mal eben irgendwen ausradieren? Nehmen wir an, mangels sichtbarem Gegner greift er zum naheliegenden und befiehlt die flächendeckende Napalmisierung / Atomisierung von Afghanistan & Irak - machen wir dann auch mit? Und mit welcher Begründung? Das man 'sowas' wie den WTC-Terror nicht machen darf? Dass Rache süß ist? Dass wir die Welt durch Racheakte und Bombardierungen besser machen? Vorsorglich, um nicht demnächst wieder attackiert zu werden? Damit CNN was zu senden hat?
Und wo soll das enden? Pragmatisch gesehen müsste man sich doch folgerichtig des gesamten Islams entledigen. Dann wäre ja wohl Ruhe im Karton. Ethnische Säuberung mal anders. Machen wir da dann auch mit?
Genau, Bilder und Videos sind doch das schönste am nahenden Weltkrieg (sueddeutsche.de)
Nächste Woche werden die ersten Gerüchte bestätigt werden. Man wird einen Schuldigen finden, denn unabhängig vom Wahrheitsgehalt wird einer der Schuldige sein müssen. Damit wir jemanden haben, den wir bombardieren können. Natürlich werden wir uns dadurch neue Feinde machen. Brüder verstümmelter Kleinkinder werden bereitwillig das Frischfleisch für neue Selbstmordkommandos stellen. Und so weiter. Warum hat das niemand satt?
Themenwechsel in den Mainstream-Infomedien. Warum haben die Geheimdienste versagt? Hätte man nicht viel früher wissen müssen, dass...? Flughafenkontrollen zu lasch...? Künftig nur noch ferngesteuerte Flugzeuge...? Wie kriegen wir die Börsen wieder auf die Beine...? Huch - sind etwa auch Deutsche unter den Opfern? Hier die Videoclips der Katastrophe zum Downloaden... Und ja, die armen Versicherer: Immerhin konnte die Allianz ihre Mitarbeiter evakuieren. Gottseindank.
Spiegel.de hat den Crash etwas aufgebuntet, jedenfalls war er im TV viel blasser.
Der Tower raucht, die zweite Boing crasht rein, der Tower explodiert und stürzt in sich zusammen. n24 und ntv blenden wieder ihre Börsenticker drüber. Spiegel TV Sondersendung. Das Leben geht weiter: Montag ist Focustag. The show must go on. Ich erwarte Guido Knopp: Hitlers Enkel - Bin Laden und Saddam. Zeit Sonderheft. Buchmesse ist auch bald, also macht Druck auf die Drucker. Schnell noch blast-the-worldtradecenter.com reservieren. SimWTC-Terror 2.0, das Spiel, ankündigen. Screensaver mit den WTC-Twin-Bildern releasen. Und nächstes Jahr dann der US-Spielfilm, vielleicht von Oliver Stone, der ja gerne Dokumentarisches mit Fiction verschneidet.
CNN hat heute Nacht Tom Clancy interviewt: Der US-Patriot hatte in seinem letzten Roman seine Terroristen eine Boing auf das Weiße Haus stürzen lassen.
Gruß
Happy End
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