die aktuellen Nachrichten über eine mögliche Fusion mit Glencore werfen für mich als langfristig orientierten Anleger grundlegende Fragen zur Strategie von Rio Tinto auf. Wer Rio wegen seiner Bilanzdisziplin und klaren Struktur im Depot hat, muss diese Entwicklung kritisch hinterfragen.
Hier sind die Kernpunkte meiner Bedenken:
Bruch des strategischen Versprechens: Das aktuelle Management unter Simon Trott trat mit dem Versprechen von „Simplicity“ und operativer Disziplin an. Die Einleitung von Gesprächen über einen hochkomplexen Mega-Merger mit einem Rohstoffhändler wie Glencore ist eine fundamentale Kehrtwende. Werden hier langfristige Value-Prinzipien dem Drang nach schierer Größe geopfert?
Das Risiko des prozyklischen Handelns: Die Historie von Rio Tinto mahnt zur Vorsicht. 2007 kaufte man Alcan am Markthoch (mit massiven späteren Abschreibungen), 2018 verkaufte man Kohle-Assets am Tiefpunkt an Glencore. Dass man nun Glencore ins Visier nimmt, während Kupferpreise Rekordstände erreichen, wirkt erneut wie ein Einstieg zur Unzeit.
Verwässerung der Aktionäre und Bilanzrisiken: Nach der Übernahme von Arcadium Lithium und den Großprojekten wie Simandou ist die Bilanz bereits gefordert. Ein Deal dieser Größenordnung droht die bestehenden Aktionäre massiv zu verwässern und das bisher solide Risikoprofil durch Glencores Schuldenlast und rechtliche Altlasten zu belasten.
Kulturwandel und Komplexität: Rio Tinto war bisher ein fokussierter Minenbetreiber. Glencore bringt eine völlig andere DNA mit: ein spekulatives Handelsgeschäft und eine hohe Abhängigkeit von politisch instabilen Regionen. Will man als Anleger wirklich diese "Black Box" und die damit verbundenen Compliance-Risiken mitfinanzieren?
Interessen der Großfonds vs. Einzelanleger: Es entsteht der Eindruck, dass die Interessen großer institutioneller Anleger, die oft bei beiden Konzernen investiert sind, schwerer wiegen als der Schutz des Kapitals des einzelnen Rio-Aktionärs.
Fazit: Was als "strategische Kupfer-Wette" verkauft wird, sieht bei genauerem Hinsehen nach riskantem größenwahn aus. Das Vertrauen in eine beständige, wertorientierte Unternehmensführung ist für mich dadurch erheblich angekratzt.