05. Juli 2005 Der deutsche Kapitalmarkt bietet dem Anleger einige nicht uninteressante Besonderheiten, die durchaus nicht unattraktiv sind. Zum Beispiel den Zwitter aus Aktie und Anleihe, den Genußschein.
Sie verbriefen ein Genußrecht in Form einer jährlichen Ausschüttung aus dem Bilanzgewinn des Emittenten. Ihre Ausgestaltung ist dabei höchst unterschiedlich. Neben unterschiedlichen Laufzeiten gibt es Papiere mit fester oder variabler Ausschüttung, mit erfolgsabhängiger Gewinnbeteiligung oder einem entsprechend konstruierten Mix.
Vor- und Nachteile gegenüber Aktien
Die Kupons sind dabei in aller Regel großzügiger ausgestaltet als die von Anleihen, da Genußscheine auch ein Dividendenrisiko tragen - gibt es keinen Gewinn, gibt es auch keine oder eine gekürzte Ausschüttung. Dafür gehen sie in der Regel der Aktiendividende vor.
Gegenüber der Aktie haben sie den Vorteil, daß es sich um Gläubigerrechte handelt, so daß der Inhaber am Ende der Laufzeit einen Anspruch auf Rückzahlung des Kapitals zum Nennwert hat. Im Gegensatz zu Aktionären besitzen Genußscheininhaber dagegen kein Stimmrecht.
Und noch einen Vorteil haben Genußscheine. Die Ausschüttung wird zeitanteilig im Kurs angesammelt und am Zinstag ausgezahlt, so daß die Scheine an diesem Tag deutlich an Wert verlieren. Erwirbt ein Anleger den Genußschein nun unmittelbar nach der Ausschüttung, vereinnahmt die nächste Ausschüttung in knapp einem Jahr und verkauft kurz vor der übernächsten Ausschüttung außerhalb der Spekulationsfrist, kann die Ausschüttung für annähernd ein Jahr steuerfrei verbucht werden.
Das war stes besonders attraktiv bei Genußschein-Neuemissionen, die aufgrund des Ausschüttungszeitpunkts einen gleichsam überlangen ersten Kupontermin aufwiesen, da sie diese Möglichkeit schon bei der ersten Ausschüttung boten.
Bedrohte Art
Doch mittlerweile gehören Genußscheine zu den bedrohten Arten. Denn die internationalen Rating-Agenturen wollen das Genußscheinkapital partout nicht als haftendes Eigenkapital akzeptieren. Bei einem höheren Anteil von Genußscheinkapital gibt es dann aber ein schlechteres Rating. Und spätestens seit Basel II ist die ausgewiesene Eigenkapitalausstattung gerade bei Banken, die für über 90 Prozent des ausstehenden Emissionsvolumens von Genußscheinen stehen, zum zentralen Thema geworden.
Von einem Aussterben will Hartmut Preiß, Genußschein-Experte der DZ-Bank, allerdings nichts wissen. Immernoch sei diese Form der Kapitalbeschaffung in Deutschland nicht unattraktiv. Sie sei immer noch von der Bundesanstalt für Finanadienstleistungsaufsicht (Bafin) voll anerkannt. Außerdem biete sie für den Emittenten einen steuerlichen Vorteil, weil die Ausschüttungen im Unterschied zu Dividenden als Betriebsaufwand abgezogen werden können. Nichtsdestoweniger hält auch er eine Belebung des Geschäfts für kaum vorstellbar.
Individuelle Renditen
Indes sind die ausstehenden Genußscheine für Preiß immer noch eine attraktive Depotbeimischung. „Zehn bis 15 Prozent im Depot sind immer möglich”, sagt er. Allerdings sollten Privatanleger die Papiere wegen der meist schwachen Liqudität am besten bis zur Endfälligkeit halten.
Die existierenden Genußscheine laufen auch nach wie vor gut. Zu den umsatzstärksten Papieren gehört beispielsweise ein Genußschein der Commerzbank mit einer Endfälligkeit zum 31.12.2010 und einem Kupon von 6,375 Prozent. Das Papier hat in den vergangenen drei Jahren eine stetige Entwicklung nach oben genommen. Notierte es Ende 2002 noch bei Kursen um 80 Prozent, so sind es aktuell 117 - das macht einen Kursgewinn von immerhin 46,25 Prozent oder rund 16 Prozent jährlich - auch noch nach der Ausschüttung zum 1. Juli. Eine stetige Ausschüttung vorausgesetzt, liegt die Rendite des Papiers allerdings aktuell nur noch bei 3,1 Prozent.
Interessanter ist da der Genußschein der DZ Bank, der mit einemKupon von 5,50 Prozent und einer Laufzeit bis zum 31.12.2008 derzeit bei 5,43 Prozent rentiert.
Gewinn- und Kündigungsrisiko
Mehr bietet da die Aareal Bank deren Genußscheine derzeit mit Renditen von um 4,8 Prozent gehandelt werden. Allein der Ergebniseinbruch der Bank im Jahr 2004 verdeutlicht das latente Risiko. Das gilt auch für die Scheine der Deutschen Apotheker- und Ärztebank mit traumhaft hohen Kupons bis 9,25 Prozent.
Da dieses Papier unbefristet läuft, sind Renditeaussagen etwas schwieriger. Indes steht der Kurs derzeit bei 110,75. Somit beträgt die Bruttorendite des Papiers nach der dritten Ausschüttung bereits 4,9 Prozent.
Doch das Papier ist nicht nur mit dem Gewinnrisiko behaftet. Die hat die kleine Spezialbank zuletzt ausreichend erwirtschaftet. Bedrohlich ist auch das Risiko der vorzeitigen Kündigung mit einer Frist von 24 Monaten, wie in den Anleihebedingungen festgelegt. Bei einem hohen Kupon wird diese um so wahrscheinlicher, je länger das Papier läuft und je stärker die Marktzinsen sinken.
Zinsentwicklung spielt mit
Preiß empfiehlt darum, Genußscheine nicht im High-Yield-Bereich zu suchen, sondern eher bei den großen Emittenten Dresdner Bank, Commerzbank oder des eigenen Hauses DZ-Bank.
Diese hat obendrein für den Anleger, der sich nicht mit Einzelpapieren auseinander setzen will noch ein Zertifikat in petto. Das bis zum 30. April 2007 laufende Genußschein-Index Tracker-Zertifikat basiert auf der Entwicklung eines Portfolios aus zehn bis 15 liquiden Genussscheinen europäischer Emittenten mit einer Durchschnittslaufzeit bei Auflegung im Jahr 2002 von rund fünf Jahren. Seit März 2003 hat sich das Zertifikat gut entwickelt und von Kursen um 95 herum auf zuletzt 119,55 zugelegt.
Ob dies aber so weitergeht, ist fraglich. Denn die Kurse von Genußscheinen orientieren sich grob an der Entwicklung der Anleihekurse. Und ob und wie lange diese weiter steigen werden, ist derzeit fraglich.
Es empfiehlt sich also bei der Investititon in Genußscheine derzeit besonders mit Blick auf Halten bis zum Laufzeitende zu investieren. Und daher sollte man sich noch gründlicher als sonst mit den Bedingungen des jeweiligen Papiers intensiv auseinandersetzen.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @mho
Sie verbriefen ein Genußrecht in Form einer jährlichen Ausschüttung aus dem Bilanzgewinn des Emittenten. Ihre Ausgestaltung ist dabei höchst unterschiedlich. Neben unterschiedlichen Laufzeiten gibt es Papiere mit fester oder variabler Ausschüttung, mit erfolgsabhängiger Gewinnbeteiligung oder einem entsprechend konstruierten Mix.
Vor- und Nachteile gegenüber Aktien
Die Kupons sind dabei in aller Regel großzügiger ausgestaltet als die von Anleihen, da Genußscheine auch ein Dividendenrisiko tragen - gibt es keinen Gewinn, gibt es auch keine oder eine gekürzte Ausschüttung. Dafür gehen sie in der Regel der Aktiendividende vor.
Gegenüber der Aktie haben sie den Vorteil, daß es sich um Gläubigerrechte handelt, so daß der Inhaber am Ende der Laufzeit einen Anspruch auf Rückzahlung des Kapitals zum Nennwert hat. Im Gegensatz zu Aktionären besitzen Genußscheininhaber dagegen kein Stimmrecht.
Und noch einen Vorteil haben Genußscheine. Die Ausschüttung wird zeitanteilig im Kurs angesammelt und am Zinstag ausgezahlt, so daß die Scheine an diesem Tag deutlich an Wert verlieren. Erwirbt ein Anleger den Genußschein nun unmittelbar nach der Ausschüttung, vereinnahmt die nächste Ausschüttung in knapp einem Jahr und verkauft kurz vor der übernächsten Ausschüttung außerhalb der Spekulationsfrist, kann die Ausschüttung für annähernd ein Jahr steuerfrei verbucht werden.
Das war stes besonders attraktiv bei Genußschein-Neuemissionen, die aufgrund des Ausschüttungszeitpunkts einen gleichsam überlangen ersten Kupontermin aufwiesen, da sie diese Möglichkeit schon bei der ersten Ausschüttung boten.
Bedrohte Art
Doch mittlerweile gehören Genußscheine zu den bedrohten Arten. Denn die internationalen Rating-Agenturen wollen das Genußscheinkapital partout nicht als haftendes Eigenkapital akzeptieren. Bei einem höheren Anteil von Genußscheinkapital gibt es dann aber ein schlechteres Rating. Und spätestens seit Basel II ist die ausgewiesene Eigenkapitalausstattung gerade bei Banken, die für über 90 Prozent des ausstehenden Emissionsvolumens von Genußscheinen stehen, zum zentralen Thema geworden.
Von einem Aussterben will Hartmut Preiß, Genußschein-Experte der DZ-Bank, allerdings nichts wissen. Immernoch sei diese Form der Kapitalbeschaffung in Deutschland nicht unattraktiv. Sie sei immer noch von der Bundesanstalt für Finanadienstleistungsaufsicht (Bafin) voll anerkannt. Außerdem biete sie für den Emittenten einen steuerlichen Vorteil, weil die Ausschüttungen im Unterschied zu Dividenden als Betriebsaufwand abgezogen werden können. Nichtsdestoweniger hält auch er eine Belebung des Geschäfts für kaum vorstellbar.
Individuelle Renditen
Indes sind die ausstehenden Genußscheine für Preiß immer noch eine attraktive Depotbeimischung. „Zehn bis 15 Prozent im Depot sind immer möglich”, sagt er. Allerdings sollten Privatanleger die Papiere wegen der meist schwachen Liqudität am besten bis zur Endfälligkeit halten.
Die existierenden Genußscheine laufen auch nach wie vor gut. Zu den umsatzstärksten Papieren gehört beispielsweise ein Genußschein der Commerzbank mit einer Endfälligkeit zum 31.12.2010 und einem Kupon von 6,375 Prozent. Das Papier hat in den vergangenen drei Jahren eine stetige Entwicklung nach oben genommen. Notierte es Ende 2002 noch bei Kursen um 80 Prozent, so sind es aktuell 117 - das macht einen Kursgewinn von immerhin 46,25 Prozent oder rund 16 Prozent jährlich - auch noch nach der Ausschüttung zum 1. Juli. Eine stetige Ausschüttung vorausgesetzt, liegt die Rendite des Papiers allerdings aktuell nur noch bei 3,1 Prozent.
Interessanter ist da der Genußschein der DZ Bank, der mit einemKupon von 5,50 Prozent und einer Laufzeit bis zum 31.12.2008 derzeit bei 5,43 Prozent rentiert.
Gewinn- und Kündigungsrisiko
Mehr bietet da die Aareal Bank deren Genußscheine derzeit mit Renditen von um 4,8 Prozent gehandelt werden. Allein der Ergebniseinbruch der Bank im Jahr 2004 verdeutlicht das latente Risiko. Das gilt auch für die Scheine der Deutschen Apotheker- und Ärztebank mit traumhaft hohen Kupons bis 9,25 Prozent.
Da dieses Papier unbefristet läuft, sind Renditeaussagen etwas schwieriger. Indes steht der Kurs derzeit bei 110,75. Somit beträgt die Bruttorendite des Papiers nach der dritten Ausschüttung bereits 4,9 Prozent.
Doch das Papier ist nicht nur mit dem Gewinnrisiko behaftet. Die hat die kleine Spezialbank zuletzt ausreichend erwirtschaftet. Bedrohlich ist auch das Risiko der vorzeitigen Kündigung mit einer Frist von 24 Monaten, wie in den Anleihebedingungen festgelegt. Bei einem hohen Kupon wird diese um so wahrscheinlicher, je länger das Papier läuft und je stärker die Marktzinsen sinken.
Zinsentwicklung spielt mit
Preiß empfiehlt darum, Genußscheine nicht im High-Yield-Bereich zu suchen, sondern eher bei den großen Emittenten Dresdner Bank, Commerzbank oder des eigenen Hauses DZ-Bank.
Diese hat obendrein für den Anleger, der sich nicht mit Einzelpapieren auseinander setzen will noch ein Zertifikat in petto. Das bis zum 30. April 2007 laufende Genußschein-Index Tracker-Zertifikat basiert auf der Entwicklung eines Portfolios aus zehn bis 15 liquiden Genussscheinen europäischer Emittenten mit einer Durchschnittslaufzeit bei Auflegung im Jahr 2002 von rund fünf Jahren. Seit März 2003 hat sich das Zertifikat gut entwickelt und von Kursen um 95 herum auf zuletzt 119,55 zugelegt.
Ob dies aber so weitergeht, ist fraglich. Denn die Kurse von Genußscheinen orientieren sich grob an der Entwicklung der Anleihekurse. Und ob und wie lange diese weiter steigen werden, ist derzeit fraglich.
Es empfiehlt sich also bei der Investititon in Genußscheine derzeit besonders mit Blick auf Halten bis zum Laufzeitende zu investieren. Und daher sollte man sich noch gründlicher als sonst mit den Bedingungen des jeweiligen Papiers intensiv auseinandersetzen.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @mho