01.06.2012
Anleger ziehen Rekordsumme aus
Spanien ab
Anleger haben im ersten Quartal dieses Jahres 97 Milliarden
Euro aus dem finanziell angeschlagenen Spanien
abgezogen. Neben der Kapitalflucht sorgen auch die
bevorstehenden Neuwahlen in Griechenland für eine
Destabilisierung des spanischen Marktes. (Foto: Philippe
Huguen - AFP)
Anleger haben im ersten Quartal dieses Jahres 97
Milliarden Euro aus dem finanziell angeschlagenen
Spanien abgezogen. Das ist ein Rekordwert, wie die
vorgestellten Zahlen zeigen. Neben der Kapitalflucht
sorgen auch die bevorstehenden Neuwahlen in
Griechenland Mitte Juni für eine Destabilisierung des
spanischen Marktes, da der Ausgang der Wahl den
Austritt Griechenlands aus der Eurozone zur Folge
haben könnte - mit unvorhersehbaren Konsequenzen
für die Region und insbesondere Spanien als
viertgrößte Volkswirtschaft der Eurozone.
Trotz der unsicheren finanziellen Lage erklärte der
spanische Haushaltsminister Cristóbal Montoro, die
Regierung wolle eine "Botschaft der Zuversicht und der
Sicherheit hinsichtlich der Zahlungsfähigkeit des
spanischen Staates" verbreiten. "Wir machen Reformen, wir
räumen den Banken- und öffentlichen Sektor auf, und das
wird gemeinsam mit weiteren Reformen Wachstum und
Arbeit schaffen und und ermöglichen, aus der Krise
herauszukommen", sagte Montoro in Madrid. Als gute
Nachricht verkündete der Minister indes, dass die
Regionalregierungen im ersten Quartal 2012 insgesamt
ausgeglichene Haushalte hätten aufweisen können.
Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums in Berlin sagte,
Spanien erfülle die Verpflichtungen im Defizitverfahren,
weshalb es keinen Grund gebe, "das zu eskalieren". Die
Bundesregierung gehe davon aus, dass sich diese
Entschlossenheit auch an den Märkten widerspiegeln
werde.
Spanien leidet vor allem unter einer immensen Bankenkrise
und will versuchen, den unter einer geplatzten Immobilien-
und Kreditblase leidenden Sektor mit Milliardenhilfen zu
stützen. Fraglich ist aber, ob Madrid dies aus eigener Kraft
schultern kann oder unter den Euro-Rettungsschirm
schlüpfen muss. Aufgrund leerer öffentlicher Kassen, der
lahmenden Konjunktur sowie hoher Arbeitslosigkeit gilt das
Land als möglicher Kandidat für europäische Hilfen.
Quelle: 2012 AFP