würde es eine erneute Kurssteigerung geben!
Deutsche Telekom
"Die Konkurrenz wird zunehmen"
Von Simon Hage
Mit Spannung erwarten die Deutsche Telekom und ihre Konkurrenten das heutige Urteil des Europäischen Gerichtshofs. Fällt die Regulierungsfreiheit für das Highspeed-Internet, könnten kleinere Anbieter profitieren. Torsten Gerpott, Professor für Telekommunikationswirtschaft, sieht aber im Gespräch mit manager magazin auch die Gefahr geringerer Investitionen.
mm.de: Herr Professor Gerpott, der Europäische Gerichtshof verkündet heute ein Urteil, das die Regulierungsfreiheit des neuen Glasfasernetzes komplett aufheben könnte. Welche Rolle spielt die Entscheidung für den Ausbau des Highspeed-Internets VDSL in Deutschland?
Torsten J. Gerpott leitet den Lehrstuhl Unternehmens- und Technologieplanung, Schwerpunkt Telekommunikationswirtschaft, an der Universität Duisburg Essen
Gerpott: Zum aktuellen Zeitpunkt hat die Deutsche Telekom ihr Glasfasernetz in 50 Städten bereits ausgebaut. Allerdings nur vom sogenannten Hauptverteiler bis zum jeweiligen Kabelverzweiger. Auf dem letzten Stück der Übertragungsstrecke wird - selbst in diesen Vorreiter-Städten - weiterhin eine altmodische Kupferleitung verwendet. Für den nächsten Ausbauschritt von diesem Punkt im Netz bis zu Wohn- oder Geschäftsgebäuden, der eine noch schnellere und umfangreichere Datenübermittlung ermöglichen würde, hat das Urteil durchaus Relevanz.
mm.de: Inwiefern?
Gerpott: Sollte der umstrittene Paragraf im Telekommunikationsgesetz gekippt werden, könnte die Telekom von Investitionen zur Verlegung von Glasfasern auf den besagten Teilstrecken absehen: Es bestünde weniger Rechtssicherheit, dass dieser Bereich von einer Regulierung ausgeklammert bliebe. Wieso sollte man noch Geld in die Hand nehmen, wenn möglicherweise auch Konkurrenten aus Telekom-Sicht unangemessen von dieser Investition profitieren würden?
mm.de: Beim Ausbau des ultraschnellen Internets hinkt Deutschland im internationalen Vergleich hinterher. Was sind die Gründe?
Baustelle Highspeed-Internet: "Der Druck auf die Telekom durch die Konkurrenz in Deutschland, diesbezüglich eine Pionierrolle zu übernehmen, um sich im Wettbewerb zu unterscheiden, ist noch nicht allzu groß"
© DPAGerpott: Nur eine verschwindend geringe Anzahl von 2 bis 5 Promille aller Haushalte wohnt derzeit hierzulande in Häusern die sich direkt an ein Glasfasernetz anschließen lassen - also ohne Kupferleitung auf den letzten Metern. In anderen Ländern, insbesondere in Südkorea und Japan, hat der Staat die Glasfaserinfrastruktur massiv subventioniert. In Deutschland liegt die Situation anders: Der Fiskus hat nicht die nötigen Mittel für solche Subventionen. Und die Telekom hat selbst keinen großen Anreiz, in Glasfaser bis zum Gebäude zu investieren: Der Druck auf die Telekom durch die Konkurrenz in Deutschland, diesbezüglich eine Pionierrolle zu übernehmen, um sich im Wettbewerb zu unterscheiden, ist noch nicht allzu groß. Der Bonner Konzern verdient im Festnetz auch auf Sicht noch sehr gut, ohne mehr in den Glasfaserausbau zu investieren.
mm.de: Warum halten die Wettbewerber sich mit derartigen Investitionen zurück?
Gerpott: Bis heute waren große Wettbewerber damit beschäftigt, eigene Netztechnik bis zu den rund 7900 Hauptverteilern in Deutschland aufzubauen. Nachdem dieser Aufbau nun weit gehend abgeschlossen ist, werden die Telekom-Konkurrenten im Festnetz zunehmend zunächst in Ballungszentren nach Lösungen suchen, wie sie die Kupferleitungen der Telekom durch Glasfaser bis zum Gebäude ersetzen können. Ich erwarte deshalb, dass in Großstädten die Investitionen von Telekom-Konkurrenten in Glasfasernetze bis zum Gebäude in den nächsten Jahren merklich zunehmen werden.
mm.de: Würde der Wettbewerb verstärkt, wenn der Europäische Gerichtshof die Regulierungsfreiheit tatsächlich aufhöbe?
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mm.de: Hat die Telekom einen ernsthaften wirtschaftlichen Schaden zu befürchten?
Gerpott: Nein. Unabhängig davon, wie das Urteil ausfällt, sind die unmittelbaren Folgen für die Deutsche Telekom gering. De facto wird das Hochgeschwindigkeitsnetz VDSL der Telekom schon heute von der Bundesnetzagentur reguliert. Es laufen bereits erste Verfahren, um den Zugang der Konkurrenten zu Telekom-Leerrohren und -Glasfaserteilstrecken in Ortsnetzen zu ermöglichen sowie um auch den Weiterverkauf von VDSL-Leistungen an Wettbewerber zu erleichtern.