DJ: UPDATE2: Prognosesenkung schickt Q-Cells-Aktie auf Talfahrt
(NEU: Aktienkurse, Analystenaussagen, Stellungnahmen anderer Solarunternehmen)
Von Nico Schmidt
DOW JONES NEWSWIRES
BITTERFELD-WOLFEN (Dow Jones)--Die Finanzkrise scheint endgültig auch in der
Solarbranche angekommen zu sein: Der Solarzellenhersteller Q-Cells hat aufgrund
der Unsicherheiten sowie der schwächeren Marktnachfrage im Zusammenhang mit der
Finanzkrise seine erst Mitte November angehobene Prognose für das laufende Jahr
sowie den Umsatzausblick für 2009 gesenkt.
Die Nachricht sorgte am Markt für einen Kurseinbruch: Die Aktie des in
Thalheim in Sachsen-Anhalt ansässigen Unternehmens verlor am Dienstag an der
Frankfurter Börse in der Spitze mehr als 30%. Um 12.25 Uhr notieren Q-Cells
noch mit 19% im Minus bei 22,05 EUR und sind mit Abstand schwächster Wert im
TecDAX.
Obwohl sich die deutschen Solarkonzerne bemüht zeigten, durch
Prognosebestätigungen Sorgen am Markt über den Zustand der Branche zu
zerstreuen, verlieren im Sog der Gewinnwarnung von Q-Cells auch alle anderen
Solarwerte an Wert: Conergy geben 7,2% auf 0,90 EUR nach, Phoenix Solar 2,9%
auf 25,50 EUR und SMA Solar 14,08% auf 27,45 EUR. Außerdem verlieren Solarworld
6,5% auf 13,17 EUR, Solon 0,4% auf 13,74 EUR und Roth & Rau 6,6% auf 12,80 EUR.
Die Q-Cells SE begründete die gesenkten Prognosen mit den "Unsicherheiten
sowie der schwächeren Marktnachfrage im Zusammenhang mit der Finanzkrise".
Aufgrund dieser Faktoren haben nach Unternehmensangaben "eine Reihe von Kunden
in den vergangenen Tagen die Abnahme vereinbarter Mengen in das nächste Jahr
verschoben". Kurzfristig seien für diese Mengen keine anderen Abnehmer gefunden
worden.
Das Unternehmen rechnet nun für 2008 mit einem Produktionsvolumen von rund
570 (bisher: 585) MWp. Der Konzernumsatz wird sich nach Unternehmensangaben auf
etwa 1,225 (bisher: 1,35) Mrd EUR belaufen. Das Unternehmen erwartet nun
außerdem ein operatives Ergebnis (EBIT) im Kerngeschäft von etwa 230 Mio EUR
und ein Konzern-EBIT von rund 205 (bisher: 260) Mio EUR.
Inklusive des erwarteten Ergebnisbeitrags der Renewable Energy Corporation
strebt Q-Cells einen Jahresüberschuss von etwa 185 (bisher: 215) Mio EUR an.
Als Reaktion auf die "veränderten Marktgegebenheiten" will der
Solarzellenhersteller die Weihnachtstage sowie den Jahreswechsel für
Wartungsarbeiten und den Abbau von Überstunden nutzen.
Angesichts der schlechteren Finanzierungsmöglichkeiten sowie der unsicheren
Lage auf den Märkten erwartet Q-Cells auch zum Jahresbeginn 2009 eine schwache
Nachfrage. Daher senkte das Unternehmen die Produktionsprognose für das Jahr
2009 auf 800 MWp bis 1 GWp (bisher: 1 GWp). Aufgrund des niedrigeren
Produktionsvolumens rechnet Q-Cells auch mit einem niedrigeren Umsatz von 1,75
Mrd und 2,25 (bisher: 2,25) Mrd EUR. Dies würde allerdings immer noch einem
Einnahmenanstieg um mindestens 40% entsprechen.
Aufgrund der "zunehmenden Attraktivität der Rendite" von
Photovoltaik-Anwendungen, erwartet das Unternehmen spätestens ab dem zweiten
Halbjahr 2009 eine steigende Marktnachfrage und daher mittelfristig weiterhin
einen unverändert positiven Trend.
Erst am 13. November hatte Q-Cells seine mittelfristigen Ziele bis 2010
bestätigt und den Ausblick für das laufende Jahr sogar leicht erhöht. "Die
weltweite Finanzkrise hat die Rahmenbedingungen ohne Zweifel nicht verbessert",
hieß es im Neunmonatsbericht von Q-Cells. "Allerdings sehen wir derzeit
keinerlei Anzeichen für ein Nachlassen der Nachfrage. Der limitierende Faktor
für das Wachstum der Industrie dürfte auch im Jahr 2009 die Angebotsseite sein."
Im ersten Halbjahr 2009 seien wegen der Kapitalmarktkrise zwar vereinzelte
Kundenprobleme zu erwarten, teilte das Unternehmen seinerzeit mit. Diese hätten
aber wohl nur geringe Auswirkungen. Q-Cells profitiere in der derzeitigen Krise
als Weltmarktführer in der Solarzellen-Fertigung von Größenvorteilen sowie dem
breiten, weltweiten Kundenportfolio.
Im Handel werden die Kursverluste von Q-Cells am Berichtstag teilweise mit
einem Glaubwürdigkeitsproblem begründet, da sich das Unternehmen erst jüngst
zuversichtlich zur Geschäftsentwicklung geäußert hatte. Nach Einschätzung der
LBBW hat das Q-Cells-Management in den vergangenen Tagen einen großen Teil des
Vertrauens verspielt. Langfristig bleibt die LBBW jedoch optimistisch für die
Branche und das Unternehmen.
Die Analysten der WGZ-Bank zeigten sich wenig überrascht von den
Projektverschiebungen, hatten sie doch unlängst darauf hingewiesen, dass dies
aufgrund von Finanzierungsschwierigkeiten bei Kunden wohl nicht ausbleiben
werde. WestLB-Analyst Sebastian Zank zeigte sich mit Blick auf die gesenkte
Prognose skeptisch, dass Q-Cells wegen des schwierigen Umfelds sowie der
unsicheren Preis- und Umsatzentwicklung auch 2009 die hohe Profitabilität
behaupten kann.
Nach neuesten Kalkulationen eines Analysten, der namentlich nicht genannt
werden wollte, könnte der Gewinn je Aktie von Q-Cells im kommenden Jahr rund
20% unter das Niveau des Jahres absacken.
Andere deutsche Solarkonzerne bestätigten nach Bekanntwerden der Gewinn- und
Umsatzwarnung von Q-Cells ihre Zielwerte, um Sorgen über den Zustand der
Branche zu zerstreuen. Der Q-Cells-Zulieferer Roth & Rau beispielsweise hält
trotz der Prognosensenkung des Solarzellenherstellers an seinen Zielen für 2008
fest und rechnet weiter mit einem Umsatz von mindestens 250 Mio EUR und einer
EBIT-Marge von mindestens 10%.
Anka Leiner, Sprecherin der Phoenix Solar AG, sagte: "Wir liegen im Plan; es
gibt keinen Anlass, unsere Prognose zu senken". Phoenix Solar hatte die im
Jahresverlauf angehobene Prognose zuletzt am 13. November bestätigt und
erwartet für 2008 weiterhin einen Umsatz von 380 Mio EUR sowie ein EBIT von
mindestens 33 Mio EUR. Das Unternehmen ist nach Aussage der Sprecherin aktuell
kein Kunde von Q-Cells. Zu spüren bekommt der Solar-Systemanbieter die
Finanzkrise nicht direkt, sondern über die Kunden. Vor allem das Segment
Kraftwerkbau sei betroffen, wo es aufgrund der Krise am Finanzmarkt teilweise
zu längeren Projektentwicklungszeiten komme, so Leiner.
Auch die Bonner Solarworld AG hat ihre Prognose bestätigt. Frank Asbeck,
Vorstandsvorsitzender der Solaranlagenbauers, sagte am Dienstag, dass
Solarworld weiterhin ein Umsatz- und bereinigtes EBIT-Wachstum von mehr als 25%
bis 30% erreichen wolle. Für 2009 fühle sich Solarworld mit einer Zielspanne
von 25% bis 30% "sehr wohl", so der Manager.
Als einer der ersten führenden deutschen Solarkonzerne hatte die Solon AG
Mitte November mit Verweis auf die eingetrübten Branchenaussichten ihre
Prognosen für 2008 und 2009 zurückgenommen.
Webseite: www.q-cells.de
- Von Nico Schmidt; Dow Jones Newswires; + 49 - (0)69 297 25 111;
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December 09, 2008 06:44 ET (11:44 GMT)
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