15.10.2008 14:40 "Silizium bleibt teuer"
Werden neue Herstellungsverfahren wie die direkte Reinigung von metallurgischem Silizium den Engpass bei Solarsilizium beseitigen? Anne Kreutzmann vom Fachmagazin Photon zu den Aussichten.
Anne Kreutzmann ist Chefredakteurin der Zeitschrift "PHOTON – das Solarstrom-Magazin".
boerse.ARD.de:
Die Industrie feilt an neuen Herstellungsverfahren zur Herstellung von Solarsilizium. Eines der Verfahren ist die direkte Reinigung von metallurgischem Silizium. Wie aussichtsreich ist das Verfahren?
Kreutzmann:
Dieses Reinigungsverfahren hat gegenüber dem herkömmlichen Siemensverfahren eine Reihe von Vorteilen: Der Produktionsprozess ist weniger energieintensiv und daher preiswerter. Auch die Anfangsinvestitionen sind geringer: Eine solche Fabrik kostet bei gleicher Produktionskapazität nur rund ein Zehntel der herkömmlichen Anlagen. Noch dazu kann man die Produktionsstraßen wesentlich größer bauen – bis zu zehnmal so groß ist kein Problem.
Dadurch können größere Mengen Rohsilizium gereinigt werden. Die Anlagen werden außerdem viel schneller aufgebaut: Beherrscht der Hersteller den Prozess erst einmal, ist eine Fabrik für die direkte Reinigung von Silizium in einem Jahr fertig, eine Fabrik mit Siemens-Reaktoren erst nach zwei Jahren.
boerse.ARD.de:
Das klingt recht vielversprechend. Und die Nachteile?
Kreutzmann:
Fabriken für direkt gereinigtes Silizium gibt es noch nicht von der Stange, jeder Hersteller feilt hier an seinem eigenen Prozess. Außerdem müssen noch Abstriche bei der Qualität des so genannten UMG-Siliziums gemacht werden, aber diese werden zunehmend geringer. Die Solarzellen, die aus dem Material hergestellt werden, erreichen inzwischen einen akzeptablen Wirkungsgrad, der nur noch unwesentlich geringer ist, als bei Solarzellen aus Siemens-Silizium.
boerse.ARD.de:
Durch die neuen Verfahren könnte der seit 3 Jahren bestehende Mangel an Solarsilizium beseitigt werden. Dann würden die Preise fallen. Schaufeln sich die Siliziumhersteller also selbst ein Grab?
Kreutzmann:
Nein. Das Angebot an Solarsilizium wird zwar sicherlich stark steigen. Nicht nur, weil etliche Hersteller dazu übergehen, Solarsilizium durch effizientere und preiswertere Verfahren zu gewinnen. Die Hersteller bauen auch ihre Kapazitäten massiv aus, neue Produzenten dringen in den Markt, die Herstellungsverfahren werden effizienter. Man ging bisher davon aus, dass der Engpass an Silizium daher 2009 oder spätestens 2010 beseitigt wird. Das erwarte ich aber nicht. Denn parallel zum steigenden Angebot steigt auch die Nachfrage, der Solarenergieboom geht weiter.
boerse.ARD.de:
Es ist also nicht mit einem Preisverfall bei Solarsilizium zu rechnen?
Kreutzmann:
Sicher kann es sein, dass die Preise etwas sinken werden – und damit auch die Preise von Solarmodulen. Aber selbst relativ geringe Preissenkungen haben zur Folge, dass neue Märkte erschlossen werden können, die einem weiteren Preisverfall entgegen wirken. Silizium wird deshalb auch in Zukunft mit Kusshand genommen werden. Es sieht also gut aus für die Siliziumhersteller, die weiter die Preise diktieren. Deren Gewinnmargen werden auch in den nächsten Jahren bei 50 Prozent liegen. Eine Herausforderung ist es allerdings für den Rest der Solarindustrie, die trotz hoher Siliziumpreise versuchen müssen, Solarstrom erschwinglicher zu machen.
Das Interview führte Bettina Seidl.