Puts - strahlende Gewinner in trüben Börsenzeiten


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Puts - strahlende Gewinner in trüben Börsenzeiten

 
11.08.02 11:21

Puts - strahlende Gewinner in trüben Börsenzeiten

Börsianer die dieser Tage von sprudelnden Kursgewinnen und satten Renditen sprechen sind entweder hoffnungslose Spinner oder sie gehören zu der kleinen Gruppe von Marktakteuren, die tatsächlich jede sich bietende Möglichkeit der Finanzmärkte nutzen, um Gewinne einzustreichen. Die gibt es durchaus - und zwar auch in den trüben Aktien-Tagen des Sommers 2002. Das Zauberwort heißt Put und brachte in den vergangenen Wochen kräftige Kurssteigerungen, da derlei Positionen immer dann gewinnen, wenn die Märkte nach Süden ziehen.


200 Prozent Plus in drei Monaten

Ein wahres Freudenfest waren die letzten Monate beispielsweise für die Besitzer des Dax-Put-Optionsscheines mit der Wertpapierkennnummer 643060. Das von der Deutschen Bank begebene Papier ist mit einem Basispreis von 5 000 Dax-Punkten ausgestattet, wobei für die Berechnung des Optionswertes jeder Indexpunkt quasi einem Cent entspricht. Anfang Mai wurde der Schein, dessen Laufzeit noch bis Ende 2003 läuft zu rund fünf Euro angeboten. Der Dax notierte seinerzeit in der Nähe des Basiswertes, also bei etwa 5 000 Punkten.

Heute, gut drei Monate später, steht der Index bei nur noch 3 500 Punkten - während der Put-Optionsschein auf knapp 15 Euro in die Höhe geschnellt ist. Dabei scheint der aktuelle Preis sogar noch ausgesprochen günstig, da er exakt dem inneren Wert entspricht und nicht einmal ein Aufgeld für die Chance weiterer Zugewinne verlangt wird.

Die Erklärung für die Kursgewinne ist denkbar einfach: der Put-Schein berechtigt zum Verkauf eines Dax zum Preis von 50 Euro (bzw. 5 000 Cent). Da der Put-Besitzer den Dax derzeit aber für nur 35 Euro erwerben könnte, wäre ein positiver Verkaufserlös von 15 Euro möglich - voilà, so einfach ist es. Anzumerken ist allerdings, dass es in der Optionsschein-Praxis in der Regel nicht tatsächlich um Kauf oder Verkauf des Dax geht, sondern vielmehr um einen Barausgleich des jeweiligen Differenzbetrages.

Vergleichbare Scheine werden von vielen Emittenten angeboten, wobei der Anleger darauf achten muss, ob es sich bei den angebotenen Papieren um Optionen europäischer oder amerikanischer Machart handelt. Der Unterschied besteht darin, dass bei "Europäern" die Option nur am Ende der Laufzeit ausgeübt werden kann, während dies bei den "Amerikanern" jederzeit möglich ist. Daraus folgt, dass der Preis eines Dax-Puts amerikanischer Art kaum unter seinen "inneren Wert" (bei dem Beispiel oben also 15 Euro) fallen kann, da ansonsten schon durch Kauf und sofortige Ausübung Gewinne erzielt werden könnten. Beim Europäer ist dies indes sehr wohl möglich, da die Wahrscheinlichkeit, dass der Dax bis zum Laufzeitende wieder steigt, quasi "abgezinst" wird. Das heißt: der Preis für einen Dax-Put europäischer Art kann auch unter seinem momentanen inneren Wert liegen.


Terminhandel steht auch Privaten offen

Alternativ zu diesen von Banken ausgegebenen Optionsscheinen kann der put-willige Anleger aber auch den Weg an den Terminmarkt gehen, wo ebenfalls Put-Optionen angeboten und gehandelt werden. Ein Vorteil ist dabei, dass die dort gestellten Preise den Gesetzen von Angebot und Nachfrage folgen, während bei Optionsscheinen der Emittent selbst für die Kursstellung verantwortlich ist, was er theoretisch ausnützen könnte. In der Praxis wird er sich dies aber - vor allem bei gängigen Basiswerten wie dem Dax - kaum leisten können, arg überteuerte Scheine anzubieten. Dafür sorgt schon der Wettbewerb unter den Emittenten, die angesichts der Börsenflaute ebenfalls um jeden Auftrag kämpfen müssen. Weitere Vorteile der Optionsscheine sind die vom Emittenten garantierte Liquidität und die zumeist längeren Handelszeiten (oft bis 22 Uhr).

Wer trotzdem den "Zwischenhändler" meiden und dessen Marge nicht mitbezahlen will, der braucht den Weg an den Terminmarkt - Eurex - nicht zu scheuen. Das gilt auch für den kleinen Privatanleger, der oft glaubt, dass am Terminmarkt nur die "Großen" mitspielen dürfen. Dem ist nicht so. Tatsächlich steht der Terminhandel auch Privaten offen. Voraussetzung dafür ist allerdings die Einrichtung eines Termin-Depots, das separat vom "normalen" Wertpapierdepot geführt wird. Dabei gilt übrigens, dass die weit verbreitete Sorge vor Nachschussverpflichtungen nicht bei allen Termingeschäften wirklich gegeben ist. Das gilt zum Beispiel für den hier besprochenen Fall eines Put-Kaufs, bei dem derlei Verpflichtungen auch dann nicht anfallen, wenn sich der Basiswert in die "falsche" Richtung entwickelt. Das erklärt sich daraus, dass mit dem Kauf einer Option lediglich ein Recht erworben wird - nicht aber eine Verpflichtung (das gilt nicht, wenn Optionen verkauft werden, da dies sehr wohl eine Liefer- oder Abnahmepflicht beinhaltet).


Hohe Volatilität ist Hemmschuh

In der momentanen Marktverfassung gibt es aber ein nicht zu unterschätzendes Hemmnis, das Optionsscheine und Terminmarkt-Optionen gleichermaßen betrifft. Durch die heftigen Kursschwankungen der letzten Wochen sind die impliziten Volatilitäten im Optionshandel sprunghaft in die Höhe geschossen, was dazu führt, dass die Optionspreise sich derzeit auf hohem Niveau bewegen. Wichtig ist dabei, dass diese implizite Volatilität (die erwartete Schwankungsbreite) der wichtigste Preisbestimmungsfaktor ist - dabei gilt: je größer die Unsicherheit, desto größer die erwartete Volatilität, desto teurer die Option.

Das ist erfreulich für den der bereits investiert ist, birgt aber Gefahren für den Neueinsteiger. Denn wenn sich die Märkte wieder beruhigen und die "Vola" abgebaut wird, dann kann dies dazu führen, dass der Wert der Option sinkt, obwohl sich der Dax in die aus Anlegersicht richtige Richtung bewegt. Das gilt es insbesondere bei längerfristigen Engagements zu bedenken - während sich dieser Hemmschuh bei kurzfristigen Tages-Trades kaum bemerkbar machen sollte.


Knock-Out-Papiere bieten Vola-unabhängige Alternative

Eine Möglichkeit der Vola-Falle zu entgehen bieten die zuletzt sehr in Mode gekommenen Knock-Out-Papiere, bei denen der Preiseinfluss der Volatilität weitgehend ausgeschaltet wurde, was den Markterfolg dieser Produkte erklärt. Dieser wichtige Vorzug muss allerdings damit "bezahlt" werden, dass diese Papiere bei Erreichen einer bestimmten Kursschwelle von einem Moment zum nächsten ausgeknockt werden können und damit ihre Wirkung verlieren. Bei den meisten Anbietern verfällt das Papier in diesem Moment wertlos, einige wenige bieten die Möglichkeit einen Teil des verbliebenen Restwertes zu retten.

Eine noch immer weitgehend gültige Betrachtung der Unterschiede findet sich in diesem Posting, obgleich inzwischen weitere Emittenten nachgezogen haben und ebenfalls in das Knock-Out-Segment eingetreten sind.

Wichtig ist dabei auf die richtige Ausprägung der Knock-Outs zu achten - so wie die Dinge stehen, könnten auch in den kommenden Monate die Short?s und Bear?s - also Instrumente für fallende Märkte - die bessere Wette sein...
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