http://www.allgemeine-zeitung.de/wirtschaft/...hp3?artikel_id=1540205Primacom verschärft Gangart
AG verweigert Zinszahlung, um Apollo an Verhandlungstisch zu bringen
Vom 10.07.2004
MAINZ In der Auseinandersetzung um die Zukunft der Primacom AG
verschärft der neue Vorstand die Gangart. Wie zu erfahren war, hat
der Kabelnetzbetreiber einen Zahlungstermin für Kreditzinsen in Höhe
von gut elf Millionen Euro an die Hauptgläubiger verstreichen lassen.
Von
Ralf Heidenreich
Den Angaben zufolge haben Tony Abraham Merin, Hans-Werner Klose und
Großaktionär Wolfgang Preuß, die das Unternehmen seit kurzem führen,
diesen Schritt ganz bewusst gewählt, um den größten Gläubiger, den
mächtigen US-Finanzinvestor Apollo, an den Verhandlungstisch zu bringen.
Dort soll ein Weg gefunden werden, wie das Unternehmen den gigantischen
Schuldenberg von knapp einer Milliarde Euro abtragen und so die Insolvenz
vermeiden kann. Apollo wollte Primacom zu einem Spottpreis von 25 Cent
pro Aktie übernehmen, scheiterte damit aber auf der Hauptversammlung.
Die nötige Rückendeckung für den jüngsten Vorstoß gibt den Managern ein
" Waiver" - ein Dokument, in dem andere Gläubigerbanken die Aktion
unterstützen. Aus der verweigerten Zinszahlung dürfe nicht auf die finanzielle
Situation der AG geschlossen werden, hieß es weiter. Primacom sei nach
wie vor liquide und könne zahlen. Genau das wird von der Gegenseite
bezweifelt. Wie Insider berichten, sieht Apollo in der ausgebliebenen Zahlung
einen " harten Indikator" für den bevorstehenden Kollaps. Primacom habe nun
eine Frist von 60 Tagen. Sollten bis dahin die ausstehenden Zinsen nicht
gezahlt worden sein, würde die gesamte Kreditlinie fällig, hieß es. Primacom
steht bei Apollo und der J.P. Morgan Chase Bank mit 480 Millionen Euro an
nachrangig besicherten Krediten in der Kreide - mit einem Zinssatz von bis
zu 20 Prozent. Die Zinslast der gesamten Schulden belief sich 2003 auf 113
Millionen Euro, was das Unternehmen langsam auffrisst.
Dass eine tragfähige Lösung gefunden wird, davon ist der neue Vorstand
überzeugt. " Wir glauben an die Firma; wäre der Zinssatz normal, wäre
Primacom hoch profitabel" , sagt Merin. In der Tat läuft das operative
Geschäft sehr gut; eine Insolvenz musste nicht angemeldet werden - was
nach den Prognosen der alten Vorstände Schwenkedel und Kircher eigentlich
nicht hätte gelingen dürfen. Das Management macht jetzt jedenfalls mächtig
Dampf. Kürzlich wurden neue Kunden in größerem Stil akquiriert. Außerdem
soll nach Insiderangaben ein Kostensenkungsprogramm mit einem Volumen
von zehn Millionen Euro jährlich auf den Weg gebracht werden. Für die
Zukunft werden eine Reihe von Optionen diskutiert, die gütlich Einigung mit
Apollo ist eine davon. So wird etwa die Übernahme durch einen Konkurrenten
als möglich angesehen. Der TV-Kabelmarkt ist in Bewegung; Kabel
Deutschland schickt sich an, zum Quasi-Monopolisten aufzusteigen. Es sei
aber auch möglich, das sich Primacom mit frischem Kapital eigenständig
aufstelle, hieß es. So sollen sich bereits Fonds eingekauft haben. Darüber
hinaus soll Vorstandschef Preuß - Gründer der Primacom-Vorgängerin
Süweda und Kabel-Mann der ersten Stunde - Kontakte zum saudischen
Scheich Al-Walid geknüpft haben, der zwar mit Investments bei Leo Kirch
schlechte Erfahrungen gemacht hat, aber nach wie vor stark am
TV-Kabel-Geschäft interessiert sein soll.