Pleitewelle in Deutschland


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chrismitz:

Pleitewelle in Deutschland

 
04.04.02 10:42
In Deutschland ist kein Ende der Pleitewelle in Sicht. Der Rekord des letzten Jahres mit 32.300 Firmenzusammenbrüchen könnte in diesem Jahr übertroffen werden. Bittere Aussichten für Firmen und Wirtschaft. Doch die Hintergründe und Ursachen für den Zusammenbruch der Kolosse wie Dornier, Kirch und Holzmann liegen nicht nur beim Management, sondern auch bei Banken und Politik.  
   
Am Dienstag traf es einen weiteren Giganten der deutschen Wirtschaft: Der Flugzeugbauer Fairchild Dornier setzte zur Notlandung an und beantragte Insolvenz.
 
Schwanengesang
Es sind nicht nur die kleinen Unternehmen, die sich im Zuge von Konkurrenzdruck und Rezession von der Wirtschaftsbildfläche verabschieden. Die Endlosliste der deutschen Pleiten führt auch große Namen: Kirch, Holzmann, Dornier, Schneider, Borgward, AEG, Herstatt-Bank. Durchweg Namen mit gutem Klang.
 
Aushängeschilder der deutschen Wirtschaft und des gepriesenen »Wirtschaftswunders« werden seit einiger Zeit auf den Müllhaufen der neuen Pleitewelle zusammengefegt und zerschreddert. Abfallprodukte wie kleine Konzerntöchter und Holding-Gesellschaften werden eingestampft - anschließend beginnt die lukrative Ausschlachtung der Giganten. Die Gläubiger-Banken dringen auf Zerschlagung - Beispiel für die neue »Shareholder-Value-Philosophie« in der deutschen Industrieszene.
 
Kungel, Kredite und Kosmetik

Wo liegt der Grund für diese Katastrophe auf hoher Ebene? Im Management? Wird die deutsche Wirtschaft tatsächlich regiert von einer Reihe »Nieten in Nadelstreifen«? Experten bezweifeln das. Vielmehr sind es die Banken und die Politik, die sich schnell von großen Namen trennen, wenn die Zahlen nicht mehr stimmen. Nach Ansicht des Kölner Soziologen Erwin Scheuch liegt hier ein fatales Zusammenwirken von Unternehmen, Banken und Politik vor.
 
Weder Banken noch Unternehmer, so Scheuch, hätten die sich frühzeitig ankündigende Krise erkannt. Man habe zu spät gehandelt und lokale Bedingungen des Standortes Deutschland nicht berücksichtigt. Ein weiterer Grund liegt in dem undurchschaubaren Firmengeflecht der Konzerne. Auch eine zu enge Bindung der Unternehmen an die Politik hat das ihrige getan. Die Verbindungen Leo Kirchs zu Helmut Kohl oder des Holzmann-Konzerns zu Gerhard Schröder haben keiner Seite geholfen.
 
Ein neuer Prozess
Das Wissen um die Strukturen hinter den Kulissen der Konzerne wird einen weiteren Zusammenbruch kaum vermeiden. Nach Ansicht von Detlev Claussen, Lehrstuhl für Sozialwissenschaft an der Universität Hannover, sind die alten Unternehmen nur noch Fassade. Hinter den Kulissen teilen sich international operierende Banken die Filetstücke der deutschen Wirtschaft auf. Der Niedergang der alten Konzerne findet also weniger auf nationaler, als vielmehr auf internationaler Ebene statt. Und in einer veränderten, global denkenden Gesellschaft, stören alte Traditionen.
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Happy End:

Von nun an geht´s bergab...

 
04.04.02 11:05
 
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Kritiker:

Pleiten ?? Es gab einmal...

 
04.04.02 11:08
den Spruch: Der EURO ist der dritte Weltkrieg (gegen Deutschland) mit anderen Mitteln.
Unser Volk hat dabei Billionen Werte verloren und diese fehlen jetzt der Wirtschaft.
In die Deutsche Wirtschaft wird in Zeiten einer Sozi-Regierung nicht investiert.
Das war sogar bei Helmut Schmidt so !!
Und die Gewerkschaften mit ihren 6,5% werden ihr den Todesstoß versetzen, ähnlich wie Anfang der 90-iger mit den 7%.
Die Devise heißt: ruinieren und aufkaufen!
Traurig, aber leider wahr! - Gruß Kritiker.
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ruhrpott:

Von nun an geht´s bergauf...

 
04.04.02 11:12
Dornier, Holzmann, Herlitz - die Insolvenzstatistik 2002 wird von renommierten deutschen Traditionsunternehmen angeführt. Auch der Münchner Medienkonzern Kirch könnte schon bald in der Prominentenliste der Pleitefirmen den ersten Platz einnehmen. Während die Konjunktursignale auf Grün umspringen, beherrschen spektakuläre Unternehmenskrisen die Schlagzeilen.


dpa FRANKFURT/M. Obwohl im internationalen Flugzeugbau, in der krisengeschüttelten Bauwirtschaft, in der eher ruhigen Welt der Papier- und Bürowarenhersteller oder in der TV-Branche sehr unterschiedliche Probleme zu meistern sind, haben die genannten Firmen dennoch eines gemeinsam. Sie stecken schon seit Jahren in Turbulenzen und müssen privat oder öffentlich gestützt werden. Auf alle Fälle sind die Banken zu wichtigen Co-Managern geworden.

Die Reihe bekannter Namen ist aber nur die weithin sichtbare Bugwelle der steigenden Firmenpleiten. Schon 2001 ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen um 14 Prozent auf fast 32 300 gestiegen. Mit mehr als 9000 Fällen dominierte eindeutig das Baugewerbe. Über alle Sparten hinweg waren davon mehr als 200 000 Arbeitsplätze betroffen.

Obwohl sich der Konjunkturhimmel deutlich aufhellt, ist im laufenden Jahr keine Besserung in Sicht. Die Wirtschafts- und Konjunkturforscher von Creditreform rechnen für 2002 sogar mit 40 000 Insolvenzen. Dies wäre ein Viertel mehr als im vergangenen Jahr. Dabei dürften allein die spektakulären Fälle der vergangenen Tage dafür sorgen, das gefährdete Forderungsvolumen der Gläubiger von zuletzt 31 Milliarden Euro weiter zu erhöhen.

Eine steigende Zahl von Unternehmenszusammenbrüchen ausgerechnet kurz vor dem Aufschwung ist allerdings keine aktuelle Erscheinung. Dies war schon bei früheren Wirtschaftszyklen zu beobachten. Vielen Unternehmen geht auf der Durststrecke des Konjunkturtals sprichwörtlich die Luft aus. Ohne das Vertrauen und zusätzliche Mittel der Hausbank oder eines neuen Geschäftspartners ist der Gang zum Amtsgericht programmiert.

In jüngster Zeit hat sich allerdings das Verhalten der Kreditwirtschaft - Geschäftsbanken, Genossenschaftsinstitute und Sparkassen - massiv verändert. Bei Holzmann wurde vor gut zwei Jahren noch ein Rettungspaket von mehr als 2 Milliarden Euro gestemmt. Diesmal konnten sich die streitenden Manager nicht einmal auf 250 Millionen Euro verständigen. "Warum gutes Geld schlechtem hinterherwerfen?", lautet zunehmend das Geschäftsmotto.

Diese Politik birgt jedoch die Gefahr eines Teufelskreises in sich. Für die Geldhäuser bedeuten Unternehmenspleiten hohe Wertberichtigungen und damit Verluste im klassischen Firmenkreditgeschäft. Selbst Bundesbankchef Ernst Welteke sieht die Banken deshalb 2002 in einer "schwierigen Situation". Eine zurückhaltende Kreditpolitik beschleunigt in vielen Fällen den Schritt zum Insolvenzrichter, obwohl zum rettenden Ufer eventuell einige Millionen Überbrückungshilfe gereicht hätten.

Die Sparkassen und Genossenschaftsbanken begründen ihr Verhalten mit den stark gedrückten Gewinnen. Bei den Großbanken ist das Firmenkreditgeschäft ohnehin nicht mehr beliebt, weil es zu viel Eigenkapital bindet, aber zu wenig Ertrag abwirft. Unter dem Blickwinkel des Börsianers ein Grund für sinkende Aktienkurse.

Vorstandschef Hans Reich von der bundeseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) befürchtet schon einen Kreditengpass. Dies könnte die Finanzierung der mittelständischen Wirtschaft zusätzlich erschweren. Die KfW entwickelt deshalb Finanzierungsinstrumente, die den Banken das Risiko abnehmen, kleinen und mittleren Firmen aber dennoch den Zugang zu Förderprogrammen offen hält.




Viele Grüße

Pleitewelle in Deutschland 626879

aus dem Ruhrpott
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