Penny Stocks: Entscheidung am Freitag
Von Thorsten Kramer, Hamburg
Die Deutsche Börse wird am Freitag Einzelheiten über die geplante
Verschärfung des Regelwerks für den Neuen Markt bekannt geben.
Das war am Montag aus Frankfurter Finanzkreisen zu erfahren.
Derweil mehren sich Stimmen gegen zu formale
Ausschlusskriterien.
Das Nachrichtenmagazin "Focus" hatte am Wochenende vorab berichtet, dass
Börsenchef Werner Seifert dem Neuen Markt strengere Regeln auferlegen will
als der US-Technologiebörse Nasdaq, um den Vertrauensverlust der Anleger
zu stoppen. Unter anderem sollen dem Bericht zufolge Aktien, die länger als
30 Tage unter einem Euro gehandelt werden, vom Neuen Markt
ausgeschlossen werden. An der Nasdaq greift eine entsprechende Regel nach
90 Tagen.
Börsensprecher Frank Hartmann wollte dies am Montag nicht bestätigen. Die
Deutsche Börse befinde sich noch immer in der Abstimmung mit
Unternehmen, Banken und Aktionärsschützern: "Das Regelwerk wird
erweitert", sagte Hartmann. Wann und wie sei aber noch offen.
In der vergangenen Woche hatte ein Sprecher der Deutschen Börse ein
schärferes Regelwerk für den Neuen Markt in Aussicht gestellt. Demnach
sollten Unternehmen, die sich in Insolvenz befinden oder deren Aktien unter
einem Euro notieren, vom Kurszettel gestrichen werden. Ein weiteres
Kriterium könne der prozentuale Verlust einer Aktie zum Emissionspreis oder
zum ersten Börsenkurs sein, hieß es weiter. Betroffene Unternehmen hatten
daraufhin Widerstand angekündigt.
Ausschluss kein Allheilmittel
Wolfgang Gerke, Professor des Lehrstuhls für Bank und Börsenwesen der
Universität Erlangen/Nürnberg, sieht im Ausschluss von Niedrigpreis-Aktien
kein Allheilmittel. "Ich glaube nicht, dass sich auf diesem Weg das
angekratzte Image des Neuen Marktes nachhaltig verändern lässt", sagte er
dem "Tagesspiegel". Er warnte zugleich davor, zu formal vorzugehen. "Man
soll nicht nur auf den Preis schauen. Entscheidend ist die Substanz des
Unternehmens."
Nach Einschätzung Gerkes wird es künftig einen Neuen Markt geben, der
seiner ursprünglichen Funktion als Finanzierungsinstrument für Innovatoren
gerecht wird. Dies werde aber ein bis zwei Jahre dauern. Die
Emissionsbanken rief Gerke auf, intensiver zu selektieren und die Risiken
einer Emission für den Anleger transparenter darzustellen.
© 2001 Financial Times Deutschland
Von Thorsten Kramer, Hamburg
Die Deutsche Börse wird am Freitag Einzelheiten über die geplante
Verschärfung des Regelwerks für den Neuen Markt bekannt geben.
Das war am Montag aus Frankfurter Finanzkreisen zu erfahren.
Derweil mehren sich Stimmen gegen zu formale
Ausschlusskriterien.
Das Nachrichtenmagazin "Focus" hatte am Wochenende vorab berichtet, dass
Börsenchef Werner Seifert dem Neuen Markt strengere Regeln auferlegen will
als der US-Technologiebörse Nasdaq, um den Vertrauensverlust der Anleger
zu stoppen. Unter anderem sollen dem Bericht zufolge Aktien, die länger als
30 Tage unter einem Euro gehandelt werden, vom Neuen Markt
ausgeschlossen werden. An der Nasdaq greift eine entsprechende Regel nach
90 Tagen.
Börsensprecher Frank Hartmann wollte dies am Montag nicht bestätigen. Die
Deutsche Börse befinde sich noch immer in der Abstimmung mit
Unternehmen, Banken und Aktionärsschützern: "Das Regelwerk wird
erweitert", sagte Hartmann. Wann und wie sei aber noch offen.
In der vergangenen Woche hatte ein Sprecher der Deutschen Börse ein
schärferes Regelwerk für den Neuen Markt in Aussicht gestellt. Demnach
sollten Unternehmen, die sich in Insolvenz befinden oder deren Aktien unter
einem Euro notieren, vom Kurszettel gestrichen werden. Ein weiteres
Kriterium könne der prozentuale Verlust einer Aktie zum Emissionspreis oder
zum ersten Börsenkurs sein, hieß es weiter. Betroffene Unternehmen hatten
daraufhin Widerstand angekündigt.
Ausschluss kein Allheilmittel
Wolfgang Gerke, Professor des Lehrstuhls für Bank und Börsenwesen der
Universität Erlangen/Nürnberg, sieht im Ausschluss von Niedrigpreis-Aktien
kein Allheilmittel. "Ich glaube nicht, dass sich auf diesem Weg das
angekratzte Image des Neuen Marktes nachhaltig verändern lässt", sagte er
dem "Tagesspiegel". Er warnte zugleich davor, zu formal vorzugehen. "Man
soll nicht nur auf den Preis schauen. Entscheidend ist die Substanz des
Unternehmens."
Nach Einschätzung Gerkes wird es künftig einen Neuen Markt geben, der
seiner ursprünglichen Funktion als Finanzierungsinstrument für Innovatoren
gerecht wird. Dies werde aber ein bis zwei Jahre dauern. Die
Emissionsbanken rief Gerke auf, intensiver zu selektieren und die Risiken
einer Emission für den Anleger transparenter darzustellen.
© 2001 Financial Times Deutschland