Aus der FTD vom 12.2.2003
Bin Laden fordert Iraker zu Terror auf
Von Yvonne Esterhazy, Gerrit Wiesmann und Joachim Zepelin
Die US-Regierung geht davon aus, dass der Chef der Terrororganisation al-Kaida, Osama Bin Laden, die Bevölkerung in Irak in einer neuen Botschaft zum Heiligen Krieg gegen Amerika und zu Selbstmordattentaten aufgefordert hat. CIA und FBI warnten die US-Bevölkerung erneut vor Terroranschlägen.
In dem Dienstagabend vom arabischen Fernsehsender al-Dschasira ausgestrahlten Tonbeitrag bezichtigte eine männliche Stimme, bei der es sich um Bin Laden handeln soll, die USA, in Bagdad eine Marionettenregierung errichten zu wollen. US-Experten bewerteten die Botschaft als authentisch. Sie wäre der erste Auftritt der Terror-Chefs seit der Veröffentlichung eines Tonbands im November.
US-Außenminister Colin Powell, der die Erklärung Bin Ladens bereits kannte, hatte vor der Ausstrahlung eine direkte Verbindung zwischen Irak und Bin Laden hergestellt. "Er spricht zum irakischen Volk und spricht über dessen Kampf und wie er sich als Partner Iraks betrachtet", sagte Powell vor dem Haushaltsausschuss des US-Senats.
Genauer Aufenthaltsort Bin Ladens unbekannt
Seit dem Afghanistan-Krieg herrscht Unsicherheit darüber, ob Bin Laden wirklich noch am Leben ist. Die Bundesregierung geht davon aus, dass der Al-Kaida-Chef den Krieg überlebt hat. Nach Angaben westlicher Geheimdienste soll er seinen Aufenthaltsort laufend zwischen Pakistan und Afghanistan wechseln.
Sicherheitsexperten in Berlin gehen davon aus, dass al-Kaida auch den afghanischen Kriegsherrn Gulbuddin Hekmatjar unterstützt. Er soll Anschläge auf Bundeswehrsoldaten in Kabul geplant haben. Als Verteidigungsminister Peter Struck am Dienstag die Basis der deutschen Soldaten besuchte, schlugen zum zweiten Mal innerhalb eines Monats Raketen nahe dem Gelände ein.
CIA und FBI warnen vor Anschlägen
Powell berichtete am Dienstag im US-Senat, die Äußerungen Bin Ladens verdeutlichten, warum die Welt sich über die Verbindungen Iraks zu Terroristen sorgen müsse. "Diese Verknüpfung von Terroristen und Staaten, die Massenvernichtungswaffen entwickeln, kann nicht länger ignoriert werden."
CIA-Chef George Tenet und FBI-Direktor Robert Mueller warnten im Geheimdienstausschuss des Senats, dass von der Terrororganisation derzeit die größte Gefahr für die USA ausgehe. Es bestehe ein hohes Risiko, dass al-Kaida noch diese Woche einen großen Anschlag mit biologischen, chemischen oder radioaktiven Kampfstoffen plane. Die Regierung rief die Bevölkerung auf, sich mit Notrationen auf Terroranschläge vorzubereiten. Auch in Großbritannien gibt es offensichtlich Hinweise auf Anschläge. Soldaten wurden zu verschiedenen Orten in London beordert. Am Flughafen Heathrow wurden 450 Soldaten mit leichten Panzern stationiert.
© 2003 Financial Times Deutschland