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Frankfurt (Reuters) - Spekulationen auf ein unmittelbares Eingreifen der Europäischen Zentralbank (EZB) im Kampf gegen Deflation haben am Freitag einen Dämpfer erhalten.
Zwar fiel die Teuerungsrate in der Euro-Zone im August erneut - der Rückgang auf 0,3 Prozent war von Börsianern allerdings erwartet worden. Der Dax verließ seinen am Morgen eingeschlagenen Erholungskurs und verlor 0,2 Prozent auf 9448 Punkte, nachdem er zuvor bis zu 0,6 Prozent zugelegt hatte. Der Euro erhielt hingegen vorübergehend Auftrieb.
"Einige Anleger hatten noch Schlimmeres befürchtet, das ist nun nicht eingetreten", sagte ein Händler mit Blick auf die Inflationszahlen. Spekulationen, dass die Zentralbank bereits kommende Woche wegen der sich häufenden schlechten Konjunktursignale massive Wertpapierkäufe (Quantitative Easing) ins Auge fassen könnte, ebbten nun wieder ab. Die Fantasie auf weitergehende EZB-Maßnahmen bleibe aber grundsätzlich erhalten, kommentierte Ralf Umlauf von der Helaba.
Die derzeit niedrige Teuerung nährt die Furcht vor einer deflationären Spirale aus fallenden Preisen und sinkenden Löhnen, die als Gift für die Konjunktur gilt, da sie Konsum und Investitionen auf Dauer hemmt. Die EZB peilt eine Inflationsrate von knapp zwei Prozent an. Bei diesem Wert spricht sie von stabilen Preisen.
EURO BLEIBT UNTER DRUCK - EONIA ZUM ERSTEN MAL NEGATIV
Der EuroStoxx verringerte seine Kursgewinne und notierte 0,1 Prozent höher bei 3166 Punkten. Die US-Börsen starteten mit leichten Kursgewinnen. Der Euro machte seine Kursverluste zeitweise wett und kletterte bis auf 1,3195 Dollar. Am Nachmittag bröckelte er aber wieder auf 1,3185 Dollar ab. "Grundsätzlich bleibt der Euro unter Druck, denn die Geldpolitik in Europa und USA driftet weiter auseinander", sagte Commerzbank-Devisenexpertin Antje Praefcke.
Gegenwind für die Gemeinschaftswährung kam auch vom europäischen Geldmarkt: Wegen der lockeren Geldpolitik der EZB ist der Interbanken-Zinssatz Eonia erstmals in den negativen Bereich gerutscht. Das für kurzfristige Geschäfte zwischen Banken wichtige Barometer notierte am Donnerstagabend mit minus 0,004 Prozent so niedrig wie noch nie. Das bedeutet, dass europäische Banken, die Geld übrig haben und es anderen Instituten auf dem Geldmarkt zur Verfügung stellen wollen, dafür nun bezahlen müssen. "Das ist tendenziell negativ, Euro-Investoren treten bei solchen Nachrichten eher den Rückzug an", sagte Praefcke.
de.reuters.com/article/marketsNews/idDEKBN0GT1LW20140829