Nicht reif für den Euro ?

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Nicht reif für den Euro ? Nassie
Nassie:

Nicht reif für den Euro ?

 
08.06.03 14:42
#1
Der britische Finanzminister Gordon Brown hat sich «im Prinzip» für die Einführung des Euro ausgesprochen. Experten rechnen aber nicht mit einer Entscheidung vor den nächsten Wahlen.


Am Montag wird sich der britische Finanzminister Gordon Brodon zu einem für die Briten heiklen Thema äußern: der Euro-Einführung. Im Vorfeld gab Brown schon zu verstehen, dass Großbritannien erst in ein paar Jahren bereit ist, das Pfund gegen den Euro zu tauschen: «Im Prinzip möchte ich, dass wir uns der gemeinsamen Währung anschließen», sagte Brown am Sonntag dem Rundfunksender BBC. «Aber in der Praxis müssen wir sicher stellen, dass die Bedingungen dafür da sind.»
Brown will am Montag dem Unterhaus bekannt geben, wie die Regierung die wirtschaftlichen Voraussetzungen zu einer möglichen Einführung des Euros einschätzt. Es wird allgemein erwartet, dass er zu dem Schluss gelangt, dass die fünf 1997 von ihm aufgestellten Kriterien für eine Übernahme der Gemeinschaftswährung noch nicht erfüllt sind.



Euro ist Großbrianniens Schicksal

Von den 15 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union haben sich nur drei gegen die Einführung des Euro ausgesprochen: Großbritannien, Dänemark und Schweden. Großbritannien soll nach dem Willen des britischen Premierministers Tony Blair der Euro-Zone langfristig beitreten.

Blair bezeichnte die Einführung des Euro jüngst als «Großbritanniens Schicksal». Es wäre eine Schade, mit Großbritanniens größten Handelspartnern nicht eine gemeinschaftliche Währung zu teilen. Ohne die gemeinsame Währung wird Großbritannien nach Meinung Blairs innerhalb der EU an Einfluss verlieren.

Umfragen zufolge sind aber immer noch rund zwei Drittel der Briten gegen die Einführung der Gemeinschaftswährung. Experten gehen deshalb davon aus, dass die Regierung die Entscheidung bis zur nächsten Wahl verschieben wird. (nz)



Nicht reif für den Euro ? Nassie
Nassie:

God save the Pound

 
08.06.03 19:56
#2
Gibt Blair nach?  

Großbritanniens Premierminister Tony Blair und Schatzkanzler Gordon Brown haben sich offenbar auf eine gemeinsame Linie in der Euro-Politik verständigt. Beobachter erwarten, dass die britische Regierung mit ihrer für Montag erwarteten Erklärung auf Zeit spielt.

"Die Politik in Bezug auf den Euro ist bei der Kabinettssitzung am Donnerstag abgestimmt worden", erklärte ein Regierungssprecher am Samstag. Es wird erwartet, dass Brown am Montag feststellen wird, dass Großbritannien die 1997 gesteckten wirtschaftlichen Ziele für einen Beitritt zur Euro-Zone noch nicht erfüllt hat. Blair, bislang vehementer Euro-Befürworter, würde damit Öl in die Flammen der Kritiker gießen, die ihm vorwerfen, es ginge ihm um den Erhalt der eigenen Macht. Die Mehrheit der britischen Bevölkerung steht dem Euro-Beitritt derzeit ablehnend gegenüber.

Bereits vor einigen Wochen hatten entsprechende Andeutungen für Diskussionsstoff gesorgt. "Der Premierminister hat akzeptiert, dass die Wirtschaftslage von höchster Bedeutung ist und die ist nach wie vor schlecht", erklärte BBC-Politkorrespondent Andrew Marr im Mai. Die Labour-Partei hielt sich mit Kommentaren zurück. Die Opposition erklärte daraufhin, dem Premier ginge es darum, seinen Kopf zu retten.

Die fünf Punkte, die das Finanzministerium prüfen musste, sind

· Konvergenz mit der Eurozone

· Flexibilität bei der Adaption

· Einfluss auf den Arbeitsmarkt

· Einfluss auf den Finanzsektor

· Einfluss auf ausländische Investitionen

Erst im März hatte sich mit Sir Edward George, dem Chef der Bank of England (BoE), der wohl einflussreichste britische Euro-Gegner, für eine Teilnahme an der europäischen Gemeinschaftswährung ausgesprochen. Er halte einen Euro-Beitritt Großbritanniens nur dann für möglich, wenn der Wechselkurs des Pfundes gegenüber dem Euro deutlich nachgibt, hatte George zuvor stets erklärt.

Als dies eintrat, gab er seinen Widerstand auf. Allerdings hatte George ebenso oft verkündet, dass ein starker Euro zugleich das Risiko einer importierten Inflation erhöhen würde. Die heimische Wirtschaft würde destabilisiert und die Wettbewerbsfähigkeit eingeschränkt.

Sollte das Finanzministerium überraschend doch zu der Erkenntnis gelangen, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen einen Euro-Beitritt rechtfertigen, würde ein Referendum eingeleitet, in dem die Bevölkerung darüber abstimmt.
Nicht reif für den Euro ? Nassie
Nassie:

Regierung lehnt Beitritt ab

 
09.06.03 18:11
#3
Großbritannien wird dem Euro zunächst nicht beitreten. In einer von Beobachtern als historisch bezeichneten Erklärung im Namen der Regierung sagte Schatzkanzler Gordon Brown am Montag im Londoner Unterhaus, es gebe noch erhebliche Hindernisse für die Übernahme der europäischen Gemeinschaftswährung. "Wir haben die Kriterien noch nicht erfüllt", sagte er. Dies sei jedoch nur eine Frage der Zeit. Eine Mitgliedschaft sei letztlich im britischen Interesse. Die Bundesregierung in Berlin zeigte Verständnis für die Entscheidung.

Erfüllung der Beitrittskriterien
Brown bestand auf einer "klaren und unzweideutigen Erfüllung" der von ihm 1997 aufgestellten fünf Beitrittskriterien. Die Hauptbedingung einer größeren Konvergenz zwischen den Volkswirtschaften Großbritanniens und der Eurozone sah er als "nicht erfüllt" an, dies gelte auch für das Kriterium der wirtschaftlichen Flexibilität. Er kündigte weitere wirtschaftliche Reformen an, um das Vereinigte Königreich schließlich "Euro-fähig" zu machen. Die Einschätzung Browns fußte auf 18 Studien, die er dem Parlament präsentierte.

Brown zeigte sich überzeugt davon, das die britische Wirtschaft und die Bevölkerung von einer "erfolgreichen Gemeinschaftswährung" profitieren würden. Der Warenaustausch mit der Eurozone könnte nach den von ihm vorgelegten Berechnungen theoretischen Berechnungen über einen Zeitraum von 30 Jahren sogar um "bis zu 50 Prozent" wachsen. Es gebe aber "wenig Anzeichen" für eine allgemeine Konvergenz der wirtschaftlichen Voraussetzungen in der Eurozone. Unter anderem wegen des wichtigen Immobilienmarktes, eine der Triebkräfte der britischen Wirtschaft, sei Großbritannien "besonders anfällig" für Zinsveränderungen.

Keinen präzisen Fahrplan

Einen präzisen Fahrplan für den möglichen Beitritt Großbritanniens nannte der Schatzkanzler nicht. Unklar blieb auch, ob die Möglichkeit eines britischen Euro-Referendums noch in dieser Legislaturperiode in Aussicht gestellt wird. Das würde Premierminister Tony Blair und der Mehrheit der Kabinettsmitglieder entgegen kommen, die für einen baldigen Euro-Beitritt sind.

Die liberale Zeitung "The Independent" warf der Labour-Regierung am Montag vor, mit der erneuten Verschiebung einer Entscheidung einen "historischen Fehler" zu begehen. Der Wirtschaftskorrespondent der BBC sprach von dem "größten Antiklimax" der Labour-Regierung. Die oppositionellen britischen Liberaldemokraten warfen Labour vor, nur aus "Angst" vor der öffentlichen Meinung vor einem positiven Urteil zurückzuschrecken. Die Mehrheit der Bevölkerung ist gegen einen Euro- Beitritt.

Regierung in Berlin zeigte Verständnis
Ein Sprecher der Regierung in Berlin zeigte Verständnis für die britische Entscheidung, zum jetzigen Zeitpunkt kein Referendum durchzuführen. Der Euro-Beitritt in Großbritannien müsse sorgfältig vorbereitet und die Bevölkerung "mitgenommen" werden. Die Bundesregierung hoffe, dass die von der britischen Regierung ins Auge gefassten Reformen dazu beitragen würden, dass die ökonomischen Tests im kommenden Jahr für einem Euro-Beitritt positiv ausfallen würden und damit der Weg für ein Referendum frei werde. Langfristig werde ein britischer Euro-Beitritt für die gemeinsame Währung und Großbritannien wirtschaftlich und politisch von Vorteil sein.

Nicht reif für den Euro ? big lebowsky
big lebowsky:

Wie kann man eigentlich einer Währung

 
09.06.03 18:16
#4
"beitreten".Ich dachte,die führt man ein? Aber ist "Einführen" und "Beitreten"dasselbe?

Na die Briten werden es schon wissen.
Nicht reif für den Euro ? mob1

Beitreten

 
#5
kann man z.B. einer Währungsgemeinschaft. ;-)

Das Referendum war keine Überraschung, ich hätte nur eine eindeutigere
Aussage betr. wir werden das innerhalb von 3, 4, 5 ... Jahren machen ..
blabla erwartet.
Immerhin gewinnt der Euro heute über 1 % , für einen Tag ganz ordentlich.

Hier nochmal die Kriterien :

KONJUNKTURZYKLEN UND WIRTSCHAFTSSTRUKTUREN

1. Sind die Konjunkturzyklen und die Wirtschaftsstrukturen so kompatibel, dass Großbritannien und die derzeitige Eurozone permanent mit der gleichen Zinshöhe leben können?

Gegner: Die Gegner einer Einführung der Organisation "No Campaign" betonen, dass die britische Wirtschaft sich nicht der Eurozone angenähert habe. Der Großteil des Handels werde immer noch mit den Ländern außerhalb der EU betrieben. Zudem gebe es immer noch große Unterschiede zwischen dem britischen und dem Arbeitsmarkt der Eurozone. Die Löhne und die Arbeitskosten seien in Großbritannien flexibler.

Befürworter: Die Befürworter der Organisation "Britain in Europe" betonen hingegen, dass die langfristigen Zinsen fast identisch seien und die kurzfristigen Zinsen sich auch kaum unterschieden.

FLEXIBILITÄT

2. Gibt es genügend Flexibilität, falls Probleme auftreten?

Gegner: Die britische Wirtschaft wird nach Einschätzung der Gegner bei einem Beitritt an Flexibilität verlieren. Großbritannien verliere die Kontrolle über die Geldpolitik und könne nur noch mit der Fiskalpolitik reagieren. Diese sei aber weniger vorhersehbar.

Befürworter: Nach Einschätzung der Befürworter ist die britische Wirtschaft ausreichend flexibel und könne auf Grund von einer hohen Flexibilität bei Löhnen und Preisen ausreichend auf mögliche externe Schocks reagieren.

INVESTITIONSBEDINGUNGEN

3. Würde ein Beitritt zur Eurozone bessere Bedingungen schaffen, damit Unternehmen sich für langfristige Investitionen in Großbritannien entscheiden?

Gegner: Die britische Haushaltspolitik begünstigt nach Einschätzung der Euro-Gegner Investitionen. In der Eurozone führe der Stabilitätspakt zu einer Verminderung von Investionen.

Befürworter: Das bisherige Fernbleiben von der Eurozone hat nach Einschätzung der Euro-Befürworter zu einem Rückgang der Investitionen aus dem Ausland geführt. Im Jahr 1998 habe der Anteil ausländischer Investitionen in Großbritannien bei 28 Prozent gelegen. Der Anteil sei bis heute auf 5 Prozent gesunken.

WETTBEWERBSPOSITION

4. Welchen Einfluss würde der Beitritt auf die Wettbewerbsposition der britischen Finanzdienstleistungsbranche - und insbesondere für die in London angesiedelten Unternehmen - haben?

Gegner: Entgegen der weit verbreiteten Befürchtung hat die Einführung der Gemeinschaftswährung in der Eurozone dem britischen Finanzsektor nach Einschätzung der Euro-Gegner nicht geschadet. Die britischen Banken nähmen aktiv an der Entwicklung des europäischen Zahlungssystems teil.

Befürworter: Der Finanzsektor habe einen Zugang auf einen größeren Markt. Die Banken hätten bereits angekündigt auch bei einem möglichen Euro-Beitritt in London zu bleiben.

WACHSTUM, STABILITÄT UND BESCHÄFTIGUNG

5. Führt ein Beitritt zu höherem Wachstum, Stabiltätsgewinn und einem dauerhaften Anstieg der Beschäftigung?

Gegner: Die britische Wirtschaft läuft nach Einschätzung der Euro-Gegner auch außerhalb der Eurozone sehr gut. Das Land erlebe seine längste Wachstumsphase seit 50 Jahren.

Befürworter: Die Befürworter weisen jedoch darauf hin, dass seit der Einführung des Euro der Handel zwischen den Mitgliedsstaaten der Eurozone zugenommen habe. Die Einführung des Euro begünstige in der Eurozone damit die Schaffung von Arbeitsplätzen und den Anstieg der Produktivität./


Gruesse
MOB


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