Nicht ohne Zweifel
Von Tim Bartz, Frankfurt
So kann man sich also täuschen. Unvermeidlich drängt sich in diesen stürmischen Börsenzeiten der Eindruck auf, dass der Markt von Gewinnwarnungen regelrecht überflutet wird.
Ein Unternehmen nach dem anderen muss seine einmal gesteckten Prognosen für den Ertrag kleinlaut nach unten revidieren. Bei hinreichender Bedeutung für die jeweilige Branche oder sogar den Gesamtmarkt lösen die Hiobsbotschaften Kursgewitter aus.
Und nun dies. Die DG Bank hat nach Auswertung von 49 Quartalsberichten der im Nemax-50 vertretenen Neue-Markt-Schwergewichte festgestellt, dass sich erstmals seit mehreren Quartalen negative und positive Überraschungen wieder die Waage halten. Während 17 von 49 Firmen die Prognosen verfehlten, übertrafen immerhin 16 Unternehmen die Schätzungen. Nur Schmuddelkind EM.TV war den Quartalsbericht schuldig geblieben. Leider präzisiert die DG Bank nicht, ob als Basis womöglich bereits drastisch nach unten korrigierte Prognosen gedient haben.
Mehr profitable Firmen
Und noch etwas erstaunt: Der Anteil jener Neuer-Markt-Firmen, die in diesem Jahr profitabel arbeiten, wird sich im Vergleich zum Vorjahr erhöhen. So erwirtschaften der DG Bank zufolge immerhin 60,0 Prozent (Vorjahr: 54,0 Prozent) der Nemax-50-Unternehmen und 64,7 Prozent (47,7 Prozent) der Nemax-All-Share-Firmen derzeit Gewinne. Die Anteile sollen im kommenden Jahr auf 74,0 Prozent und 77,1 Prozent steigen.
Trotz dieser auf den ersten Blick viel versprechenden Zahlen sollten die Anleger nicht davon ausgehen, dass alles wieder in Butter ist. Gewinne in diesem oder dem nächsten Jahr reichen nicht zwingend aus, um dauerhaft überleben zu können. Zudem müssen die Prognosen der notorisch zuversichtlichen DG Bank noch den Nachweis der Validität erbringen.
Und das ein solides Geschäftsmodell und stabile Erträge nicht vor Kursverlusten schützen, zeigt das Beispiel Aixtron. Ohne über neue Unternehmensdaten zu verfügen, stufte Julius Bär die Aktie am Montag herab und sorgte für einen Kurseinbruch von 19,8 Prozent.