"Nicht nervös werden"


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"Nicht nervös werden"

 
18.10.00 14:39
stern-Interview mit Telekom-Chef Ron Sommer über den Absturz an der Börse und die Zukunft des Unternehmens

Hamburg (ots) - Den Rückgang der Kurse von Telekom und von T-Online führt Telekom-Chef Ron Sommer auf die Schwäche der gesamten Branche und die Überhitzung des Telekom-Kurses im Frühjahr zurück: "Es war klar, dass dieser Übertreibung nach oben eine Übertreibung nach unten folgen musste." "Der Aktienkurs tut uns allen weh, mir besonders", sagte Sommer in einem Interview mit dem Hamburger Magazin stern, das in der kommenden Ausgabe veröffentlicht wird.

"Wir haben uns bei der Deutschen Telekom keine Fehler vorzuwerfen", sagte Sommer weiter. Sein Rat an die Aktionäre: "Nicht nervös werden." Zum Kurspotenzial zitierte Sommer, der als Vorstandsvorsitzender zum Kurs keine Aussagen machen darf, Analysen, die die Telekom bei etwa 70 Euro sehen. Den Vorwurf, dass die Globalisierungsstrategie nicht schnell genug vorankomme, wies Sommer zurück. In nächster Zeit plane die Deutsche Telekom (Frankfurt: 555750.F - Nachrichten) keine weitere Übernahme. Mit dem Kauf des US-Mobilfunkunternehmens Voicestream sei das Unternehmen im Mobilfunkbereich "sehr komfortabel positioniert". Es gebe keinen Druck, jetzt weitere Firmen zu kaufen: "Wir verdauen." Befürchtungen, dass die Telekom selbst zum Übernahmekandidat werden könnte, seien, so Sommer, kein Thema, "das uns bewegt": "So gut wie wir ist sonst niemand aufgestellt."

T-Online - "das größte und erfolgreichste Internetunternehmen Europas" - soll weiter ausgebaut und alle Inhalte-Bereiche der Telekom sollen dort zusammengefasst werden, "um unsere verschiedenen Angebote besser vernetzen zu können", kündigte Sommer an. "Wir werden sicher kein klassisches Medienunternehmen kaufen, wie das AOL (Frankfurt: 886631.F - Nachrichten) mit Time Warner getan hat", sagte Sommer. Überlegt werde derzeit, "gemeinsam mit einer TV-Sendeanstalt im Bereich Nachrichten und Information ein sehr konkretes Internetangebot über T-Online aufzubauen". Bei dem Mobilfunk strebe die Telekom bis zum Jahr 2004 in Deutschland 25 Millionen Kunden an. Im Jahr 2010, so Sommer weiter, würden alle Kunden UMTS-Nutzer sein und im Schnitt 120 Mark im Monat Umsatz machen.

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Voicestream-Übernahme nahezu sicher

 
20.10.00 00:23
Chancen für VoiceStream-Kauf durch Telekom offenbar gestiegen

Washington, 19. Okt (Reuters) - Die Chancen für die Übernahme des US-Mobilfunkunternehmens VoiceStream durch die Deutsche Telekom (Frankfurt: 555750.F - Nachrichten) haben sich offenbar erhöht. Nach Worten des republikanischen Mehrheitsführers im US-Senat, Trent Lott, am Mittwochabend in Washington wurde eine Initiative aus den zur Abstimmung anstehenden Haushaltsvorlagen gestrichen, die die Übernahme faktisch für mindestens zwölf Monate verhindert hätte. Lott sagte, nach seinem Verständnis sei die Initiative des demokratischen Senators Ernest Hollings nicht mehr in den Budgetplänen enthalten.
Hollings wollte verhindern, dass die Deutsche Telekom als mehrheitlich noch im Staatsbesitz befindliches Unternehmen den US-Mobilfunker VoiceStream übernehmen darf. Dazu hatte Hollings in die Haushaltsvorlagen eine Bestimmung eingefügt, die der Wettbewerbsbehörde FCC (Federal Communications Commission) eine Ausnahmegenehmigung der Übernahme verboten hätte. US-Telekomunternehmen dürfen von ausländischen Konzerne mit mehr als 25 Prozent Staatsbesitz nur dann übernommen werden, wenn dies im öffentlichen Interesse liegt. Diese Ausnahmemöglichkeit wollte Hollings streichen lassen. Der deutsche Staat hält direkt und indirekt noch 58 Prozent an der Telekom.

Die Telekom will VoiceStream nach derzeitigen Kursen für 28 Milliarden Dollar kaufen und dadurch den Sprung auf den US-Markt schaffen. VoiceStream selbst will zudem den Konkurrenten Powertel übernehmen und in die Fusion einbringen. Das US-Justizministerium billigte den geplanten Zukauf der Telekom bereits. Die Übernahme unterliegt jedoch noch der Genehmigung durch die US-Wettbewerbsbehörde FCC, durch den Ausschuss für Auslandsinvestitionen (CFIUS) und der mehrheitlichen Zustimmung durch die VoiceStream-Aktionäre. Auch die europäischen Kartellbehörden müssen das Geschäft noch absegnen.

Gegen die Hollings-Initiative, die den als strategisch wichtig eingeschätzten Markteintritt der Telekom in den USA zumindest deutlich verzögert hätte, hatte es breiten Widerstand gegeben. Neben dem US-Präsidialamt hatten sich auch Vertreter der Wettbewerbsbehörde FCC, des Justizministeriums und des Büros für Handelsangelegenheiten in Anhörungen gegen die Initiative ausgesprochen. Einzelne Parlamentarier hatten bei Annahme der Initiative neue Beschränkungen des Welthandels befürchtet. Die EU hatte bereits entsprechende Konsequenzen angedroht. Auch VoiceStream-Vorstandschef John Stanton hatte sich ausdrücklich gegen die Hollings-Initiative gewandt.

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