Wechselkursfreigabe
von Henrik Voigt
der entscheidende Auslöser der gestrigen sprunghaften Aufwärtsbewegung an den internationalen Aktienmärkten soll die Entscheidung der chinesischen Zentralbank gewesen sein, den im Sommer 2008 unterbrochenen Prozess der schrittweisen Wechselkursfreigabe der chinesischen Währung wieder aufzunehmen. Mit anderen Worten: der feste Wechselkurs zwischen Yuan und US-Dollar soll schrittweise gelockert werden. Insbesondere exportorientierte Nationen wie die USA oder Deutschland erhoffen sich durch die damit verbundene Aufwertung der unterbewerteten chinesichen Währung eine starke Ankurbelung ihrer Ausfuhren nach China. Wertet der Yuan nämlich auf, verbilligen sich die Preise für importierte Waren auf dem chinesischen Absatzmarkt und deren Nachfrage dürfte dann anziehen. So war es auch kein Wunder, das insbesondere die exportorientierten Titel wie Auto,- Stahl- oder Chemiewerte deutlich anzogen.
So weit klingt das ja alles ganz logisch, aber angesichts des äußerst geringen chinesischen Lohnniveaus kann ich mir nicht vorstellen, dass jetzt plötzlich deutlich mehr BMW`s in China abgesetzt werden als vorher. Außerdem war nie von einer völligen Wechselkursfreigabe die Rede, sondern lediglich von einer Anpassung von maximal 1,9 Prozent gegenüber dem US-Dollar in diesem Jahr. Berge werden damit nicht versetzt. Ich weiß nicht, wieviele Jahrzehnte der chinesische Durchschnittsverdiener für einen BMW arbeiten müsste, aber sicher fällt ein derart geringer Preisabschlag da nicht in Gewicht. Desweiteren sollten Sie nicht vergessen, das China nur dem Wohl eines einzigen Landes verpflichtet ist: nämlich China. Oder glauben Sie, dass China konkurrierenden Exportnationen aus lauter Mitgefühl Geschenke macht? Das Land werde seine Währung auf einem vernünftigen und grundsätzlich stabilen Niveau halten, relativierte die Notenbank dann auch am vergangenen Sonntag ihre Äußerungen bezüglich der Aufwertung. Ich gehe davon aus, dass wir es hier mit einem typischen Börsenthema für das Sommerloch zu tun haben. Man sollte meinen, dass der Aktienmarkt mit wichtigeren Themen zu kämpfen hat als mit einer geringfügigen Yuan-Aufwertung (Stichwort: Staatsanleihenkrise).
Und so hielt die Jubelstimmung an den Aktienmärkten auch nicht sehr lange an. Immerhin konnte ein Teil der anfänglichen Kursgewinne zumindest am deutschen Markt bis zum Handelsschluss gehalten werden. Ob dennoch mit weiter steigenden Kursen zu rechnen ist, erfahren Sie in meinem zweiten Beitrag unten.
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