Neubau-Strohfeuer erwartet


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Neubau-Strohfeuer erwartet

 
16.07.03 20:52
Bausparkassen erwarten ein Neubau-Strohfeuer
Erst der Boom, dann der Absturz auf Nachkriegstief durch Abschaffung der Eigenheimzulage - Positive Geschäftsentwicklung
Berlin -  Von der geplanten Streichung der Eigenheimzulage befürchten die privaten Bausparkassen nach einem kurzen Strohfeuer einen drastischen Einbruch des Wohnungsneubaus bis auf ein Nachkriegstief und als Folge eine Viertelmillion Arbeitslose mehr. Sie wandten sich am Mittwoch in Berlin nachdrücklich gegen eine gänzliche Abschaffung der Wohneigentumsförderung. Viele Familien könnten sich ohne staatliche Hilfe die eigenen vier Wände nicht mehr leisten, warnte der Verband.


Angesichts der Sparzwänge zeigte er sich bereit, Einschränkungen hinzunehmen unter der Bedingung, dass gleichermaßen auch beim Mietwohnungsbau gekürzt werde. Über Änderungen, "die die Förderung nicht völlig auf Null reduzieren und den Eigenheimbau kaputt machen", könne man sprechen, sagte Verbandsgeschäftsführer Andreas Zehnder. Er hob hervor, dass Deutschland mit einer Wohneigentumsquote von 41 Prozent das Schlusslicht in Europa sei. Gleichzeitig wollten 85 Prozent der Bundesbürger in den eigenen vier Wänden wohnen, und 64 Prozent betrachteten die Immobilie als ideale Altersvorsorge.


Durch die Diskussion um die Eigenheimzulage sei als Vorzieheffekt ein Bauboom bei Eigenheimen zu erwarten, der sich in der zweiten Jahreshälfte und im nächsten Jahr auch in der Bauwirtschaft bemerkbar machen werde, sagte Zehnder. Würden die Pläne der Bundesregierung verwirklicht, folge allerdings ein umso stärkerer Absturz, warnte er.


Der Verband rechne damit, dass die Baugenehmigungen für Ein- und Zweifamilienhäuser bis Jahresende deutlich über 200 000 stiegen, die Gesamtzahl der genehmigten Wohnungen auf 300 000. Für 2004 sagte er dann allerdings einen Einbruch der Neubaugenehmigungen voraus, der bis hinunter zum Minusrekord nach dem Krieg allein in Westdeutschland von 191 000 Wohnungen im Jahr 1987 reichen könnte.


"Was das für die Bauwirtschaft bedeutet, kann sich jeder ausmalen", erklärte Zehnder. Der Verband macht in diesem Zusammenhang die Rechnung auf, dass der Bau von 10 000 Eigenheimen mit der Beschäftigung von etwa 44 000 Personen (in der Bauwirtschaft und in vor- und nachgelagerten Bereichen) verbunden sei. Ein Absturz des Ein- und Zweifamilienhausbaus um möglicherweise 60 000 Wohnungen oder mehr, wie dies mittelfristig zu erwarten sei, sei daher gleichbedeutend mit einem Anstieg der Zahl der Arbeitslosen um etwa eine Viertelmillion. Zehnder: "Vor diesem Hintergrund, der nichts mit dem wiedervereinigungsbedingten Boom zu tun hat, von einem notwendigen Gesundschrumpfen der Baubranche zu sprechen, ist schon bemerkenswert."


Für die eigene Geschäftsentwicklung zogen die privaten Bausparkassen eine positive Halbjahresbilanz. Die Auszahlungen stiegen von Januar bis Juni 2003 um 6,3 Prozent auf 12,9 Mrd. Euro; die Neuzusagen von Baugeld nahmen noch stärker um 13 Prozent zu. Die Summe aller ausstehenden Bauspardarlehen erhöhte sich um 4,8 Prozent auf 77,5 Mrd. Euro.


Das Bausparen profitierte danach auch von den negativen Erfahrungen der Leute mit Aktienanlagen; die Sparer setzen offenkundig zunehmend auf Sicherheit. So nahm der Spargeldeingang der privaten Bausparkassen in Deutschland im ersten Halbjahr um 15,5 Prozent auf 8,8 Mrd. Euro zu, der gesamte Geldeingang um 9,5 Prozent auf 13,9 Mrd. Euro. "Die Leute haben die Nase voll von riskanten Anlageformen", sagte Zehnder.


Auch die vergleichsweise noch hohen Zinsen spielten eine Rolle. So gibt es in der Regel Sparzinsen von drei Prozent in Standardtarifen bis zu über vier Prozent bei Sonderregelungen. Allerdings sind auch die Darlehenszinsen mit fünf bis über sechs Prozent zurzeit nicht so günstig wie manche Angebote der Banken. Niedrigzinstarife seien beantragt und sollten in Kürze auf den Markt kommen, kündigte Zehnder an.  AP


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