Niemand versucht Wasserstoff zu verdrängen. Du versuchst vielmehr, die wirtschaftlichen Probleme des Wasserstoffs aus der Diskussion zu verdrängen.
Dass Wasserstoff zukünftig in Stahl, Chemie, Düngemitteln, Schifffahrt und möglicherweise bei saisonaler Energiespeicherung gebraucht wird, wurde überhaupt nicht bestritten.
Bestritten wurde deine Behauptung, ohne einen allgemeinen Wasserstoffhochlauf würden Stromnetz und Wirtschaft zusammenbrechen. Auf diese Behauptung gehst du erneut nicht ein. Stattdessen wechselst du das Thema zu Importen, Waldbränden und angeblich goldwerten Aktien.
Dein erster Fehler besteht darin, dass du billige Stromerzeugung mit billigem Wasserstoff beim europäischen Verbraucher gleichsetzt.
Auch in Algerien oder Spanien muss zunächst eine enorme Menge zusätzlicher Solarenergie erzeugt werden. Danach braucht man Elektrolyseure, Wasseraufbereitung, Kompression, Speicher, Leitungen, Verdichterstationen, Finanzierung und Abnehmer, welche die Infrastruktur dauerhaft auslasten.
Erst am Ende dieser Kette entsteht der Preis, den ein europäischer Industriebetrieb tatsächlich bezahlt.
Die Internationale Energieagentur schreibt ausdrücklich, dass Pipelines nur dann eine besonders kostengünstige Transportmöglichkeit darstellen, wenn eine geeignete Route existiert und die Leitung stark ausgelastet wird. Bei anderen Transportwegen können allein Transport und Rückumwandlung mindestens zwei Dollar je Kilogramm Wasserstoff kosten und mehr als 30 Prozent des Energieinhalts verbrauchen.
Billiger Solarstrom in der Wüste ist daher noch lange kein billiger Wasserstoff in Deutschland oder Österreich.
Dass du den Wirkungsgrad für kein Argument hältst, ist besonders aufschlussreich. Der Wirkungsgrad entscheidet unmittelbar darüber, wie viele Solaranlagen, Windkraftanlagen, Elektrolyseure und Leitungen gebaut werden müssen und wie teuer das Endprodukt wird.
Ein schlechter Wirkungsgrad verschwindet nicht dadurch, dass die Solaranlage in Algerien steht. Man verschiebt lediglich die Verluste ins Ausland.
Auch deine Beschreibung der geplanten Pipelines stimmt nicht.
Du vermischst mindestens zwei unterschiedliche europäische Projekte.
H2Med soll Portugal, Spanien, Frankreich und später Deutschland verbinden. Der zentrale Abschnitt BarMar soll als neue Unterwasserleitung zwischen Barcelona und Marseille gebaut werden. Laut aktueller Projektbeschreibung der Europäischen Kommission ist die Inbetriebnahme für Ende 2032 vorgesehen.
Das ist keine teilweise bestehende Wasserstoffleitung von Algerien über Spanien und Frankreich nach Zentraleuropa. Es ist ein geplantes Projekt, dessen zentraler Leitungsabschnitt erst noch gebaut werden muss.
Das zweite Projekt ist der Southern Hydrogen Corridor. Dieser soll Wasserstoff aus Algerien und Tunesien über Italien und Österreich nach Deutschland bringen. Auch hier handelt es sich nicht um deine Route über Spanien und Frankreich. Nach Angaben der Europäischen Kommission laufen derzeit Machbarkeitsstudien und erste Projektentwicklungen.
Du hast also zwei geplante Korridore zu einem bereits vorhandenen Wasserstoffnetz zusammengerührt, das in dieser Form gar nicht existiert.
Noch deutlicher wird es bei deiner Behauptung, man könne Gas und Wasserstoff einfach im Verhältnis 50 zu 50 transportieren.
ACER bezeichnet die Beimischung von Wasserstoff in Erdgas ausdrücklich als letzte Möglichkeit, weil sie ineffizient ist, den wirtschaftlichen Wert des Wasserstoffs vermindert und Probleme bei Leitungen, Verdichtern, Messgeräten, Speichern und Endgeräten verursacht.
Die derzeit von europäischen Fernleitungsnetzbetreibern akzeptierten Wasserstoffanteile liegen laut ACER je nach Land zwischen 0,1 und höchstens 10 Prozent. Verschiedene Gasturbinen, Verdichter, Erdgastanks und Speicher vertragen sogar weniger als 5 Prozent, sofern sie nicht umgerüstet werden.
Deine Beimischung von 50 zu 50 ist daher keine Beschreibung der europäischen Realität, sondern eine frei erfundene Zahl.
Hinzu kommt, dass 50 Prozent Wasserstoff nach Volumen nicht 50 Prozent Wasserstoff nach Energie bedeuten würden. Wasserstoff besitzt je Kubikmeter nur ungefähr 30 Prozent des Energieinhalts von Erdgas.
Bei einer Mischung von 50 Prozent Wasserstoff und 50 Prozent Erdgas nach Volumen würden deshalb nur ungefähr 23 Prozent der enthaltenen Energie aus Wasserstoff stammen. Rund 77 Prozent des Energieinhalts kämen weiterhin aus fossilem Erdgas.
Du würdest also Leitungen, Verdichter, Brenner und Messgeräte erheblich belasten und trotzdem nicht einmal ein Viertel der transportierten Energie dekarbonisieren.
Genau deshalb entwickelt Europa langfristig eigene Leitungen für möglichst reinen Wasserstoff, anstatt deine angeblich selbstverständliche Mischung von 50 zu 50 durch das gesamte bestehende Erdgasnetz zu drücken.
Bei den Waldbränden hast du zumindest teilweise ein reales Phänomen beschrieben. Große Brände können sogenannte Pyrocumulonimbuswolken erzeugen. Diese können Blitzschläge, starke Winde und in seltenen Fällen sogar tornadoähnliche Wirbel verursachen. Der Klimawandel erhöht außerdem das Risiko lang andauernder und schwerer Waldbrände.
Nur folgt daraus nicht das Geringste für den Wert einer bestimmten Wasserstoffaktie.
Aus der Aussage, dass der Klimawandel Waldbrände verschärft, folgt zunächst, dass die Treibhausgasemissionen gesenkt werden müssen. Das kann durch erneuerbare Stromerzeugung, Netzausbau, Speicher, direkte Elektrifizierung, Wärmepumpen, Gebäudesanierung, Elektrofahrzeuge, Kernenergie, Biomethan, effizientere Industrie und in geeigneten Bereichen auch durch Wasserstoff geschehen.
Der Klimawandel liefert keinen automatischen Auftrag an nel.
Noch absurder ist dein letzter Satz, Wasserstoffaktien seien deshalb Gold wert.
Eine Technologie kann langfristig wichtig sein, während die Hersteller dieser Technologie gleichzeitig schlechte Investitionen bleiben. Entscheidend sind nicht Waldbrände und politische Absichtserklärungen, sondern Umsätze, Margen, Wettbewerb, Kapitalbedarf, Marktanteile und Gewinne.
nel erzielte im zweiten Quartal 2026 nur 153 Millionen NOK Kundenumsatz. Das waren 12 Prozent weniger als im Vorjahresquartal. Das EBITDA betrug minus 155 Millionen NOK und der Nettoverlust 189 Millionen NOK.
Der Auftragsbestand lag trotz aller angekündigten Wasserstoffkorridore weiterhin 3 Prozent unter dem Vorjahreswert. Der Bargeldbestand sank innerhalb eines Jahres von 1,928 Milliarden NOK auf 1,328 Milliarden NOK.
Das ist kein Gold. Das ist ein Unternehmen, das weiterhin Geld verliert und dessen liquiden Mittel innerhalb eines Jahres um ungefähr 600 Millionen NOK zurückgegangen sind.
Selbst wenn Europa irgendwann zehn Millionen Tonnen Wasserstoff importiert, bedeutet das noch nicht, dass Nel die dafür benötigten Elektrolyseure liefert. Diese Anlagen können ebenso von chinesischen, amerikanischen, deutschen oder anderen internationalen Herstellern stammen. Sie können außerdem direkt in den Erzeugerländern gefertigt werden.
Du lieferst daher erneut keinen wirtschaftlichen Zusammenhang zwischen dem möglichen Wachstum des Wasserstoffmarktes und dem zukünftigen Gewinn je nel Aktie.
Deine Argumentationskette lautet inzwischen ungefähr so.
Es gibt Waldbrände.
Deshalb braucht Europa Wasserstoff.
Deshalb werden Pipelines gebaut.
Deshalb verkauft nel Elektrolyseure.
Deshalb werden nel Aktien Gold wert.
Zwischen jedem einzelnen dieser Sätze fehlt der Beweis.
Und sobald jemand nach Kosten, Wirkungsgrad, Leitungsverträglichkeit, Unternehmensgewinnen oder tatsächlichen Projektständen fragt, erklärst du ihn einfach zum Lobbyisten.
Das ist keine Widerlegung. Das ist der Versuch, eine fehlende Antwort durch persönliche Unterstellungen zu ersetzen.
Wasserstoff wird kommen. Aber nicht überall, nicht unabhängig von Kosten und nicht automatisch von nel.
Wer diesen Unterschied nicht versteht, hat an der Börse nichts verloren.
Quellen/Belege: Europäische Energieagentur ACER zur Beimischung von Wasserstoff, zu technischen Einschränkungen und zu den derzeitigen Beimischungsgrenzen
www.acer.europa.eu/sites/default/files/...y_with_EU_TYNDP.pdf
Europäische Kommission zum geplanten H2Med und BarMar Korridor zwischen Portugal, Spanien, Frankreich und Deutschland
ec.europa.eu/assets/cinea/PCI/files/...4_1st_PCI_PMI_list.pdf
Europäische Kommission zum Southern Hydrogen Corridor über Algerien, Tunesien, Italien, Österreich und Deutschland
international-partnerships.ec.europa.eu/...drogen-corridor_en
Internationale Energieagentur zu Transportkosten und Energieverlusten bei Wasserstoffimporten
www.iea.org/reports/...n-review-2026/trade-and-infrastructure
US Energieministerium zu den unterschiedlichen volumetrischen Energieinhalten von Wasserstoff und Erdgas
www.energy.gov/sites/prod/files/2014/03/f12/module2_final.pdf
Europäische Kommission zu Klimawandel und Waldbrandrisiken
environment.ec.europa.eu/topics/forests/forest-fires_en
NOAA zu durch Großbrände erzeugten Gewittern, Blitzen und Wirbeln
www.nesdis.noaa.gov/news/...it-wildfires-spawn-severe-weather
Nel zu den Geschäftszahlen des zweiten Quartals 2026
nelhydrogen.com/press-release/...rter-2026-financial-results/