Pharmazie
Medizin für Mutige
Von Dyrk Scherff
23. April 2009 Die Pharma- und die Biotechbranche sind ein bisschen wie Mutter und Tochter: Während die Pharmazeuten mit den Mitteln der Chemie Medikamente produzieren und damit traditionell sind, setzen die Biotechnologen auf Proteine aus Zellkulturen, aus denen sie dann die Präparate herstellen - sie setzen auf die Biologie. Und während die junge Biotechbranche dynamisch wächst, aber manchmal auch genauso schnell wieder abstürzt, ist Mütterchen Pharma ein ebenso reifes wie träges Geschäftsmodell mit stabilen, durchschnittlichen Wachstumsraten.
Beide hängen kaum von der Konjunktur ab. Das macht sie in der aktuellen Krise so interessant. Allerdings werden viele kleine Biotechfirmen wohl Finanzierungsschwierigkeiten bekommen, denn sie schreiben noch Verluste. Das lässt Banken derzeit zögern, ihnen neue Kredite zu geben. Viele nicht börsennotierte Biotechfirmen könnten daher in Zahlungsschwierigkeiten geraten. „Für viele, kleine börsennotierte Biotechfirmen reicht das Bargeld hingegen im Schnitt noch für ein Jahr“, sagt Cornelia Thomas, Biotechanalystin der West LB.
Fehlschläge sind oft tatsächlich Pleiten
Zudem hängt das Gedeihen der Biotechfirmen oft nur an ein oder zwei Medikamenten, die sich in der Entwicklung befinden. Scheitert sie, gehen die Firmen oft pleite. Misslingt dagegen die Einführung eines Präparats bei einem Pharmaunternehmen, leiden zwar die Umsätze, es hat aber meist noch andere Produkte am Markt. Gelingt den Biotechfirmen die Zulassung eines Biotechmedikaments hingegen, steigen Umsätze und Börsenkurse sehr kräftig. Biotechaktien sind also aussichtsreicher, aber auch riskanter als Pharmawerte. Zunehmend wachsen die beiden Branchen aber auch zusammen - zu einer Familie.
Die Pharmafirmen verwenden verstärkt biotechnologische Verfahren oder vergeben Forschungsaufträge an Biotechfirmen. Oder Pfizer & Co. kaufen einfach ein Biotechunternehmen, weil es ein aussichtsreiches Präparat hat. Interessant sind vor allem Biotechfirmen, die mehrere Medikamente in einer späten klinischen Testphase haben. Hier ist das Risiko des Scheiterns nicht so groß wie zu Beginn des Prozesses. Genentech konnte damit glänzen und wurde von Roche gekauft. In Deutschland übernahm Bayer Jerini. Für die Biotechfirmen ist eine Übernahme gut, denn ihnen fehlt oft die Vertriebskraft, um ihre Medikamente nach der Zulassung weltweit zu verkaufen.
Medigene und Morphosys
In Deutschland wird aktuell Medigene als Übernahmekandidat gehandelt. „Ihr Krebsmittel Endotag könnte ein Blockbuster werden“, sagt Daniel Wendorff, Analyst der Commerzbank. Wahrscheinlicher ist, dass das Präparat gemeinsam mit einem Partner aus der Pharmabranche verkauft wird und eine Übernahme noch ausbleibt. Einer der Analysten-Favoriten ist die Aktie von Morphosys.
Sie profitiert bis 2017 von der Partnerschaft mit Novartis, die auch die Lieferung von Antikörpern umfasst. Dafür kassieren die Münchner jährlich 600 Millionen Euro - ein stabiler Geldstrom in Zeiten unsicherer Finanzierung und Einnahmen.Text: F.A.S.
Bildmaterial: ddp
http://www.faz.net/s/...A5B8834A6A8435F993~ATpl~Ecommon~Scontent.htmlDie Journalisten haben tatsächlich keinerlei GEfühl für Relationen. 600 mio€ jährlich........