Morphosys: "Die meisten Firmen träumen davon"
Frank Phillipps
Morphosys investiert massiv und bleibt dabei trotzdem profitabel. DER AKTIONÄR sprach mit Vorstandschef Dr. Simon Moroney über die Perspektiven für die deutsche Biotechfirma.
Morphosys befindet sich auf einem Weg der Transformation - weg vom reinen Dienstleister für die Pharma- und Biotechindustrie, hin zum Medikamentenentwickler. 2009 war dahingehend ein richtungweisendes Jahr für die deutsche Biotechfirma. Den Ausbau der firmeneigenen Pipeline trieb das Unternehmen aus Martinsried bei München ordentlich voran. Morphosys gelang dabei der Spagat zwischen deutlich höheren Investitionen in Forschung und Entwicklung auf der einen und anhaltender Profitabilität auf der anderen Seite. DER AKTIONÄR sprach mit Morphosys-Vorstandschef Dr. Simon Moroney über ein bewegtes Jahr 2009 und die Perspektiven für 2010.
DER AKTIONÄR: Herr Moroney, mit den Zahlen für 2009 ist Morphosys leicht hinter den Erwartungen der Analysten zurückgeblieben. Wie beurteilen Sie selbst das Zahlenwerk für das abgelaufene Geschäftsjahr?
Dr. Simon Moroney: Wir haben sehr solide Ergebnisse vorgelegt, die unsere Erwartungen erfüllten. Der wichtigste Aspekt im derzeitigen Entwicklungsstadium der Firma ist, dass wir in der Lage sind, unser firmeneigenes Medikamentenportfolio deutlich auszubauen und voranzutreiben und trotzdem profitabel und damit unabhängig vom Kapitalmarkt zu bleiben. Das ist ziemlich einzigartig auf der deutschen, europäischen, vielleicht sogar weltweiten Biotechnologiebühne.
Schauen wir auf die Zahlen im Detail: Der Umsatz legte zwar um 13 Prozent auf 81 Millionen Euro zu, der operative Gewinn brach jedoch um mehr als 30 Prozent auf 11,4 Millionen Euro ein. Wo liegen die Gründe für den deutlichen Rückgang?
Zunächst einmal sollte man feststellen, dass dies absolut geplant und beabsichtigt war. Genau genommen lag das operative Ergebnis sogar leicht über unserem Prognose-Korridor, den wir zu Jahresanfang anvisiert haben. Wir haben in 2009 rund 19 Millionen Euro und damit 40 Prozent mehr in firmeneigene Programme investiert als im Jahr zuvor. Wir haben als Gegenwert unseren ersten eigenen Antikörper gegen Rheuma in Patientenstudien, einen weiteren Krebsantikörper näher an die klinische Erprobung gebracht und mehrere neue Programme initiiert. Last but not least haben wir binnen eines Jahres eine kompetente Entwicklungsorganisation aufgebaut.
Sie sprechen die Investitionen in Forschung und Entwicklung an. Die hatten Sie ja bereits zum Beginn des Jahres 2009 angekündigt. Insofern kam der Gewinnrückgang ja eigentlich mit Ansage. Können Sie trotzdem die Enttäuschung einiger Analysten nachvollziehen?
Sollte bei dem einen oder anderen tatsächlich Enttäuschung darüber vorliegen, dann nein, nicht wirklich. In der Tat erhalten wir viel positives Feedback, gerade von denjenigen, die verstehen, wie Wertgenerierung in unserer Branche durch firmeneigene Medikamentenkandidaten erzielt wird.
Auch an der Prognose für das laufende Jahr mäkelte mancher Experte herum. Diese sei arg konservativ. Was entgegnen Sie diesen Kritikern?
Ich sehe wenig Konservatives an zweistelligem Umsatzwachstum, einer 40-Prozent-Erhöhung der F&E-Investitionen und konstanter Profitabilität. Die meisten biopharmazeutischen Firmen träumen davon.
Das Geschäftsjahr 2009 hat Morphosys mit einem Cash-Bestand von rund 135 Millionen Euro abgeschlossen. Zukäufe in Sachen Produktkandidaten haben Sie jüngst ausgeschlossen. Dafür könnten die Bereiche Technologie und Antikörper für die Diagnostik verstärkt werden. Wie ist hier der Stand der Dinge?
Wir beginnen die nötigen Vorkehrungen zu treffen und Entscheidungen zu fällen, welche Firmen in Hinblick auf die Technologie oder Diagnostik in Frage kommen. Im Produktbereich könnten wir immer noch einzelne Wirkstoffkandidaten einlizensieren, Firmenzukäufe hierfür schließen wir aber eher aus.
Stichwort Übernahme: Als einer der wenigen verbliebenen unabhängigen Antikörper-Produzenten steht Morphosys immer im Fokus. Haben bei Ihnen bereits Interessenten angeklopft?
Das könnte immer passieren. Unser Ziel ist es aber, unabhängig zu bleiben und den Wert der Firma zu steigern.
Morphosys hat mittlerweile bereits vier Produktkandidaten in der zweiten Phase klinischer Studien. Welche sind die wichtigsten Meilensteine, die hier für das laufende Jahr anstehen?
Ein wichtiges Ereignis wird sein, wenn erste Resultate aus einer Patientenstudie vorliegen. Außerdem sollen weitere Phase-II-Starts hinzukommen, darunter der auf unser Kerntechnologie basierte Alzheimer-Antikörper Gantenerumab, den die Firma Roche entwickelt. Zusätzlich erwarten wir vier bis sechs Phase-1-Starts mit Partnern und die damit verbundenen Meilensteinzahlungen.
Der Bereich AbD Serotec trägt mittlerweile bereits ein Viertel zum Gesamtumsatz von Morphosys bei. Unter dem Strich verbuchte dieses Segment sogar einen operativen Gewinn von einer Million Euro. Wie sehen Ihre internen Prognosen für diesen Bereich für das laufende Jahr aus?
Im laufenden Jahr soll das Segment weiterhin stärker wachsen als der Markt und seine Gewinnmarge steigern - auf fünf bis acht Prozent. Das größte langfristige Potenzial für AbD sehen wir im diagnostischen Bereich, da wir hier mit unserer Technologie einzigartige Lösungen bieten können.
Aus Ertragssicht ist nach wie vor der Bereich Partnered Discovery mit einem Umsatzanteil von zwei Drittel die mit Abstand wichtigste Säule im Geschäftsmodell von Morphosys. Wie sehen hier die konkreten Ziele für 2010 aus? Gibt es bereits Verhandlungen über mögliche neue Partnerschaften? Wenn ja, wann rechnen Sie mit einem Abschluss?
Dieses Segment wird auch mittelfristig unser umsatzstärkstes Standbein bleiben - Garant hierfür ist die umfangreiche Pipeline, die wir mit unseren bestehenden Partnerschaften etabliert haben. Wir sind immer in Gesprächen über neue Kooperationen, zum Beispiel im Bereich der Infektionskrankheiten, aber das Timing eines Abschlusses vorherzusagen ist nahezu unmöglich.
Dr. Moroney, vielen Dank für das Gespräch!
http://www.deraktionaer.de/xist4c/web/...on-_id_43__dId_11652739_.htm "Ich werde nie wieder in meinem Leben ein Bier trinken!"
"Bier, Bier, wer will Bier?"
"Hier, ich, ich ,ich! Ich nehm 10!!"