Microsoft und Linux ringen um Sitz im Bundestag


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mothy:

Microsoft und Linux ringen um Sitz im Bundestag

 
12.10.01 07:56
Aus der FTD vom 12.10.2001 www.ftd.de/microsoft
Microsoft und Linux ringen um Sitz im Bundestag
Von Stefan Krempl, Berlin

Hinter den Kulissen des Bundestages ist eine Lobbyschlacht zwischen den vom Informationstechnologie-Riesen IBM gestützten Verfechtern freier Software und dem Marktführer Microsoft ausgebrochen.

Es geht um die zukünftige Ausrüstung der PC der Bundestagsabgeordneten, ihrer Mitarbeiter und der Bundestagsverwaltung. Bislang laufen die rund 5000 Rechner mit dem fünf Jahre alten Windows NT 4, das von Microsoft allmählich aus dem Programm genommen wird.

Der zuständige Ältestenrat im Bundestag denkt seit über einem halben Jahr über eine Umstellung nach - die Anzeichen sprechen nun dafür, dass Microsoft in der prestigeträchtigen Auseinandersetzung den Kürzeren ziehen könnte.


Im Konkurrenzkampf setzt IBM auf seine eigene Servicemannschaft und frei verfügbare Software wie Linux. Bei einer ersten Präsentation Anfang April hatte sich IBM mit der Nürnberger Linux-Firma Suse zusammengetan, um die Vorzüge der frei verfügbaren Open-Source-Software vor Augen zu führen, die durch Kooperation zahlreicher Programmierer weltweit ständig verbessert wird. Ein paar Hundert dieser Programmierer stehen auch auf der Gehaltsliste von IBM. Der IT-Gigant hat die kostenlose Software zu einem Eckpfeiler seiner Unternehmensstrategie gemacht - der fehlende Umsatz aus dem Verkauf von Programmen soll durch Aufträge im Wartungsbereich ausgeglichen werden.



Hemmschwellen abbauen


"Es ging bei der Präsentation vor allem darum, Hemmschwellen abzubauen", erinnert sich Markus Tesmer, der für Suse die Kunden Regierung und Institutionen betreut. Die Geschäfts- und Lobbying-Praktiken von Microsoft lösen im Bundestag dagegen Widerstand aus. Besorgt erkundigte sich der Ältestenrat im Frühjahr nach dem Zwang zur Registrierung, mit dem Microsoft die neuen Softwareversionen ausgestattet hat. Die Aktivierung erfolge anonym, beeilten sich Firmenvertreter zu erklären, der Bundestag zähle zudem zu den Großkunden, bei denen die Programme fertig aktiviert ausgeliefert werden. Beim Essen mit Fraktionssprechern und einem bunten Abend für Abgeordnete suchte Microsoft die Zweifel weiter zu zerstreuen.



Eklat in Microsoft-Zentrale


Zu einem Eklat kam es bei einer Reise des SPD-Abgeordneten Hubertus Heil, der im Sommer die Microsoft-Zentrale in den USA besucht hatte. Die Konzernspitze stellte dem Mitglied des Ältestenrats zwei Gesandte an die Seite. Ähnlich wie jüngst der Deutschland-Chef von Microsoft, Kurt Sibold, äußerten sie sich befremdet darüber, dass sich deutsche Politiker und die Regierung offen für Linux einsetzen und somit "in wirtschaftliche Angelegenheiten eingreifen". Heil, den die Geschichte bis heute ärgert, verbat sich die Einflüsterungen. Entnervt funkten die Lobbyisten an die Konzernzentrale, der Bundestag sei verloren.


Doch die öffentliche Hand, die Sibold wiederholt als wichtigen Großkunden bezeichnete, lässt sich Microsoft nicht kampflos entgehen. "Informationen über die konkrete Lobbyarbeit" will Andrea Huber, für Regulierungsfragen des Konzerns in Berlin zuständig, "nicht nach außen tragen". Auch die PR-Agentur Hunzinger, die vor einigen Wochen einen Millionen-Etat für die strategische Lobbyarbeit für Microsoft in Berlin gewonnen hat, wollte sich zur konkreten Arbeit nicht äußern.



Mit günstigen Preisen locken


Beobachter gehen auch davon aus, dass der für flexible Großkundenrabatte bekannte Konzern Zugeständnisse beim Preis machen wird - wie jüngst beim Vertrag mit dem Bundesinnenministerium.


Dass sich diese Entscheidung auf den Bundestag auswirkt, ist allerdings unwahrscheinlich. Fast alle Fraktionen haben ihre Vorliebe für die freie Software bekundet. Erst jüngst machten sich die rot-grünen Abgeordneten in einem Antrag für Open-Source-Software stark. Dass sich "80 Prozent der Viren über Software von Microsoft verbreiten", sei Besorgnis erregend, begründet die SPD-Abgeordnete Monika Griefahn ihre Haltung. Fraktionskollege Jörg Tauss spricht gar davon, den Bundestag zur "Microsoft-freien Zone" zu erklären. Ein Pilotprojekt mit entsprechenden Rechnern hat seine Fraktion bereits gestartet.


Rückendeckung erhalten die Abgeordneten von der Koordinierungs- und Beratungsstelle der Bundesregierung für Informationstechnik: Kostenersparnisse für den Staatshaushalt - beim Bund etwa 125 Mio. Euro - sowie eine höhere Sicherheit sprächen für die vermehrte Verwendung von freier Software auf den PCs im Bundestag.

Antworten
DeathBull:

Hand aufs Herz - Wo wird mit Linux-Clients gearbei

 
12.10.01 08:13
tet?
Hab noch keine Firma gesehen, die Linux-Clients einsetzt.
Mail- und ProxyServer hat ja jeder auf LinuxPlattform. Aber Arbeitsülätze? Hab ich nie gesehen.
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