Was treibt das Öl ? PDF Drucken E-Mail
Von Thomas Göhler
Sonntag, 14. Juni 2009
100 % Steigerung beim Ölpreis in nur 6 Monaten, von 34 auf 72 $/bbl. Das ist ja eine saubere Rendite in der Krise. Da kann man schon zum Spekulanten werden, denken jetzt sicher einige und sehen schon das All Time High des Jahres 2008 von 147 $.
Dazu müsste der Preis noch mal um 100 % zulegen. Sollte man hier nicht dabei sein?
Ja und Nein.
Doch bevor man damit beginnt, sollte man sich zuerst über die unterschiedlichen Faktoren, welche den Preis bestimmen im klaren sein, den Spekulation stammt vom lateinischen: speculari - dem Beobachten von einem höheren Punkt aus, bedeutet immer etwas mehr zu wissen (oder zu ahnen ?) wohin der Preis demnächst wandert.
Welche Faktoren bestimmen also den Rohölpreis ?
1.Produktionskosten.
Der Tiefstpreis von 34 $ erscheint manchem als der reale, frei von Spekulation getriebene Preis zu sein. Das stimmt nicht. Um Gewinne zu machen sowie Investitionen zu tätigen benötigen die Ölförderer eine entsprechende Spanne. In den USA liegen derzeit die Förderkosten bei Schiefergestein in Texas bei 35 $, bei Kalksandstein sind es 25 $/bbl. Bei Sandstein muß man nur 1000 m tief , bei Schiefer bis 3500 m. Spezielle Gebiete zur Förderung von Öl aus Ölschiefer oder Ölsanden benötigen je nach Region Kosten von 50 bis 80 $ um ein Fass zu füllen. Liegen die Preise also darunter wird die Produktion gestoppt, was auch aktuell passierte. Wie dieser Tiefstpreis zudem entstand, verdeutlicht auch der nächste Abschnitt.
2. Lagerdaten
Kennen Sie Cushing in Oklahoma? Dieses 8000 Einwohner zählende langweilige Kaff in der Steppe ist, wegen seiner durch ein Pipelinenetz guten Infrastruktur, seit 1983 das offizielle Auslieferungszentrum für WTI. Bis zu 10 % der US-Ölvorräte lagern dort. Schauen Sie sich das mal mit Google-Earth von oben an.
Da WTI in diesem vom globalen Markt abgelegenem Erfüllungsort der Terminkontrakte gehandelt wird, spiegelt es jedoch nicht die tatsächlichen Weltmarktverhältnisse wieder.
Daher kommen auch die oft sehr widersprüchlichen Aussagen zu aktuellen Lagerbeständen.
Es ist natürlich auch sehr zweifelhaft, den Weltmarktpreis allein nur an den Lagerreserven eines Landes dieser Welt zu interpretieren. So kam es zu dem seltenem Fall im Januar 2009, daß die Öltanks in Cushing kurzfristig überfüllt waren. Die angefahrenen Öl-Trucks pumpten deshalb ihre Ladung zu Dumpingpreisen ab, welche gleichzeitig damit Weltmarktpreise wurden.
Im übrigen liegt der pricing point für Erdgas in Erath, Louisiana. Dieser Pipelineknoten heißt Henry Hub und ist die Referenzsorte für Natural Gas an der NYMEX.
3. Nachfrage
In 2008 verbrauchte die Welt etwa 85,8 Mill. Barrel Öl am Tag. Die Internationale Energieagentur IEA beurteilte den Nachfrageschwund in 2009 am 14.4 .09 um etwa 2,8 %.
Das sind 2,4 Mill. bbl. weniger. Daraufhin verknappte die OPEC die Menge in Etappen um 4,3 Mill. Barrel. Durch einige Undisziplinierte wurden es nur 4 Mill. weniger. Demzufolge entsteht auf dem Weltmarkt eine Lücke von 1,6 Mill. bbl. Temporär überquellende Öltanks in Cushing verursachten über die Referenzmarke WTI dort zunächst kurzfristig extreme Preisabschläge, die süße texanische Marke war gar bis 26% billiger als bitteres Brent aus der Nordsee. Zum Vergleich, die Nachfrage in den USA fiel um ca. 6 %.
Über die Fördermengenquote kann man natürlich ganz klar fundamental den Preis beeinflussen und das aktuelle Niveau um die 70 $ spiegelt somit auch ein marktkonformes Level im Verhältnis zum derzeitigen Verbrauch und Angebot wieder.
Diese Seite wird maßgeblich gesteuert durch die OPEC und deren Konferenzen. Dort werden Preise verteidigt.
Konjunkturerwartungen, berechtigt oder unberechtigt, stützen natürlich ebenso die Erwartungshaltung der Marktteilnehmer.
Die Ölnachfrage bleibt also trotz der Krise weiter auf erstaunlich hohem Niveau. Gerade Asien bleibt weiterhin der Hauptabnehmer. Würden allein nur 10 % der Chinesen vom Fahrrad auf ein Mofa steigen, gäbe es drastische Lieferprobleme beim Öl.
4.Prognosen und Charttechnik
Das ist das Hauptgeschäft von allerlei Börsenbriefen, Chefanalysten von Banken und Internetseiten. Nicht nur diese sondern gar auch die Global Player liegen aber regelmäßig daneben. Dennoch leiten viele chartgläubige Spekulanten ihr Engagement von diesen Kurven und Aussagen ab, was gelegentlich auch für Trader erfolgreich ist. Cui Bono?
Goldman Sachs prognostizierte im Abwärtstrend noch Ende Januar 2009 das Preisziel auf 30 $. Als jene im Frühjahr 2008 von 200 $ sprachen sank der Preis einige Monate auf 34 $. Bewusste psychologische Marktbeeinflussung ist nicht auszuschließen, aber auch den derzeitigen Anstieg hatte GS nicht erwartet, auch kein Gott eben. Dennoch wagt man sich wieder an Prognosen. The Show must go on.
Überhaupt keine verlässlichen Aussagen bekommt man von Chartanalysten. Da solle man lieber Lotto spielen. Wären deren Einschätzungen zuverlässig, müssten jene ja selbst durch den Glaube an die eigene Prognose investiert und damit mehr als vermögend sein. Wie viele derartige Leute kennen Sie ?
5.Öl-Dollar-Standard
Nach Aufgabe des Goldstandards 1971 trat spätestens 1973 mit der durch die Bilderberger geplanten Ölkrise das Rohöl aus Texas in die Fußstapfen des Edelmetalles. Das Öl saugte über den extremen Preisanstieg den inflationierenden Dollar stützend auf bei gleichzeitiger Verpflichtung der Welt, Öl nur in dieser Währung zu kaufen und damit gezwungenermaßen das Zahlungsmittel umfangreich nachzufragen.
Durch diese Koppelung ist der Ölpreis langfristig ein gespiegeltes Abbild der Inflation der noch bestehenden Weltreservewährung. Dieser Effekt wird sich auch bei einem geplanten Währungskorb anderer FIAT- Währungen so auf den Preis mit abbilden. Abzuwarten bleiben die Auswirkungen der ab 2010 geplanten Goldwährung im Nahen Osten. Tendenziell wird es dazu führen, dass künftig die Länder auch wieder Gold benötigen, sollte das Metall partiell in die diskutierte Korbwährung des Rohöls einfließen.
6.Machtinteressen der Poli
Öl ist Macht und wer die Kontrolle über das Öl besitzt, kontrolliert ganze Länder.
Die USA besitzen nicht nur die Referenzwährung Dollar sondern auch die Referenzsorte WTI für die Kontrolle des Ölpreises. Diese wird an der NYMEX gehandelt, dem Konkurrenten der Intercontinental Exchance (ICE), wo Brent den Besitzer wechselt. Beide kämpfen um die Vorherrschaft im Handel mit Ölkontrakten. WTI jedoch bleibt Trendsetter.
So wie in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts der Ölpreis durch eine inszenierte Krise zur Stützung des Dollars benutzt wurde, so setzten einflussreiche Politiker in eigenen Interessen den Preis im Vorjahr zur Veränderung von gesetzlichen Bestimmungen durch. So galt seit 1982 an den Ost-und Westküsten der USA aus Umweltschutzgründen ein Verbot nach Öl oder Gas zu bohren.
Dort lagern ca. 16 Mrd. Barrel, welche bei Förderkosten von 40 $ und Marktpreisen von 100 $ einen Gewinn von 1 Billion versprechen. Da sollten doch lästige Umweltbestimmungen nicht im Wege stehen. Obama war gegen die Aufgabe der Gesetze und die Amtszeit des texanischen Öl-Cowboy George W. ging dem Ende entgegen. Was lag also näher als vorher noch den Ölpreis über die Futuremärkte in die Höhe zu treiben. Das tat man und provozierte erfolgreiche Aufstände an den Zapfsäulen der SUV-Fahrer. Bush hatte nun die Lösung des Problems, Obama knickte ein, der Kongress gab nach und hob am 28. 9.08 das Bohrverbot an den Küsten auf. Stunden später brach der Preis des Öls um 10 % ein und fand seinen Boden im Januar bei 34 Dollar. Deren Nutzen erläuterte ich im Artikel „Ölpreismanipulationen?“
An der Stelle sei nochmals an die Goldmann Sachs Prognose „ Öl auf 200 $“ erinnert. Wo arbeitete gleich noch mal Hank Paulson bevor er Finanzminister wurde?
7. Manipulationsmöglichkeiten
Zur Durchsetzung von wirtschaftlichen und geopolitischen Interessen haben also die USA die wichtigsten Instrumente in der Hand, Referenzsorte, Marke, Handelsort, Medienmacht für Gerüchte. Bedarf es nur noch geeigneter Broker zur Feinsteuerung. Da bietet sich der United States Oil Fund (USO) an. Dieser im Mai 2005 als Ltd. im Steuerparadies Delaware gegründeter ETF hält ca. ¼ aller WTI-Kontrakte des nächsten Monats. Einige sprechen darüber schon von einem „Krebsgeschwür des Ölmarktes“ und die Terminbörsenaufsicht
CFTC beabsichtigt dort genauer hin zu sehen – beabsichtig ! Für die Steuerung des Preises braucht dieser Fond aufgrund seiner Dominanz lediglich einige Kauf-oder Verkaufstrends in kurzer Folge zu setzen und die restlichen Marktteilnehmer springen an.
Auch das Streuen von Gerüchten, zielgerichtet über die eigen kontrollierten Medien platziert, helfen über die Spekulation Preise zu beeinflussen.
8.Peak Öl ?
Fakt ist, es gibt genügend Öl und Gas unter der Erde. In meinem Artikel „Der Erdölschwindel“ (zu finden im Blog von www.erdoelquelle.com ) habe ich augenscheinliche Zweifel an der westlichen Fossiltheorie zusammengefasst. Fakt ist auch, es gibt mittlerweile zu wenig Öl und Gas in leicht zugänglichen Regionen und Tiefen. Klar ist weiter, daß die preisstabilisierende fossile Knappheitstheorie politisch bewusst benutzt wird, indem große erschließbare Lagerstätten bedeckt gehalten werden. Diese Variable hat sicher keinen kurzfristigen Einfluss auf die Preise, gibt dafür aber den langfristigen Aufwärtstrend vor.
Uganda hat so viele Ölreserven, wie die Saudis. Im Mai 2009 wurde intern bekannt, dass zusammen mit den Funden in Texas, Arkansas und Pensylvania die Versorgung der USA für weitere 100 Jahre sicher gestellt werden kann. Auch am Nordpol sowie Alaska oder vor Brasilien sind große Vorkommen bekannt. Allerdings benötigt die Erschließung mindestens ein Jahrzehnt und zur Deckung der hohen Explorations- und Förderkosten Preise über 100 $/bbl.
Aber hier gerade schränken sich viele (nicht alle !!) Öl- Unternehmen derzeit zunächst ein. Zu tief sitzt der Schock des rasanten Preisverfalls des letzten Jahres. Damit vergrößert sich die technische Vorlaufzeit, was bei wieder steigender Nachfrage tatsächlich im kommendem Jahrzehnt das verfügbare Ölangebot verknappen kann.
9. Währungskurse und Inflation
Noch wird das Öl in hauptsächlich in Dollar fakturiert (teilweise in Euro). Das beeinflusst zusätzlich die Chart-Kurve. Erfahrungsgemäß bildet auch der Ölpreis in einem stabilen Trend den Wertverlust des Greenback (auch des Euro) wieder. Bei sinkendem Dollar gegenüber dem Euro wird diese Kursdifferenz oftmals auch über einen gestiegenen Ölpreis kompensiert. Um den Ölpreisanstieg zu bewerten, muß jener also auch in anderen Währungen erkennbar sein. Im Umkehrschluß wirken aber auch fallende Dollarnotierungen durch Inflation zu charttechnischen Aufwärtsimpulsen welche als Trendsignal dienen und den Preisanstieg zusätzlich verstärken. Diesen Effekt erleben wir gerade in den letzten Monaten.
Gerade eben weil wir einen Öl-Dollar-Standard haben, wird bei zunehmender Inflation diese nicht nur bei Gold sondern vor allem beim Ölpreis abgebildet. Hinzu kommt die damit einsetzende Flucht in Sachwerte, welche daneben noch regelmäßige Einkünfte in egal welchem künftigen Währungskorb generieren. Hier erwarte ich den stärksten Preisschub nach oben in den nächsten Jahren aufgrund der Weltwirtschaftskrise.
10. Umwelteinflüsse
Gelegentlich sorgen gerade in Amerika jahreszeitliche Wirbelstürme samt Überschwemmungen für Zerstörungen an Förderanlagen, ob im Golf von Mexico oder an Land. Diese Naturereignisse bestimmen saisonal wie auch zufällig den Preis. Einerseits nutzt man diese Ereignisse um damit andere Preisbeeinflussungen zu kaschieren, andererseits können starke Zerstörungen die Förderkapazitäten tatsächlich über einen längeren Zeitpunkt senken. Eine klare Unbekannte also für unsere Trendprognose.
11. Geopolitische Risiken
Als Beispiel seien hier kriegerische Szenarien genannt. Man spricht bei Rohstoffen vom Kriegsaufschlag. Dabei muß der Konflikt noch gar nicht statt finden, selbst die sich nicht erfüllende Erwartung kann den Preis mittels der Spekulanten schnell verdoppeln. Allerdings sorgen echte militärische Zerstörungen von Fördergebieten für einen starken Preissprung. Man erinnere sich an die wiederholt brennenden Ölfelder im Irak. Hier wird die Kapazität fundamental schnell verringert, was den Preis treibt. Leider sagen uns die Militärs selten genau , wann sie mit einer Blitzkriegsaktion ein Land bombardieren. Daher sind solche Einflüsse ebenso nicht kalkulierbar. Der erwartete Angriff auf den Iran ist dagegen ebenso ausgeblieben. Andernfalls würde ein asymmetrischer Krieg durch ein erzeugtes Ölembargo, auch mit Hilfe solidarisierender Förderländer, im Westen zu einer echten Ölkrise wie 1973 führen. Die USA planen derartiges ein. Nicht umsonst macht man sich in letzter Zeit zunehmend Gedanken um eine autarke Ölversorgung. Bei fast 50% Importöl sicher höchste Zeit.
12.Spekulationen
Was passiert, wenn die Spekies auf den Trend springen sahen wir überdeutlich im Vorjahr. Von Gier und Angst getrieben schossen sie den Preis zunächst an die Konkursgrenze der Fluggesellschaften um danach – auch wegen fälligen Margin Calls und Liquiditätsproblemen- die Ölindustrie an die Rentabilitätsgrenze zu treiben.
Im wesentlichen sind sie wieder Erwarten eine zuverlässige Spezies- oder besser- Herde Schafe. Man gebe ihnen eine Richtung aus den oberen 11 Punkten durch das Leittier vor und alle machen mit.
www.mmnews.de/index.php/200906143114/...Was-treibt-das-Ol.html