Lassen Sie uns über die Banken reden. Manche sind in den vergangenen Jahren unheimlich stark gewachsen. Sind sie nicht viel zu groß geworden?
Ein großes Problem ist ihre Verschuldung. Sie ist viel zu hoch. Ich weiß, dass die Europäer gerne den Hedge-Fonds die Schuld für die Krise in die Schuhe schieben. Hedge-Fonds jedoch haben im Durchschnitt ein Verhältnis von Fremd- zu Eigenkapital von 3:1. Bei Lehman Brothers lag das Verhältnis etwa 70:1 und bei Bear Stearns 50:1. Hedge-Fondsmanager arbeiten stark mit eigenem Geld. Viele Bankmanager dagegen legten ihr eigenes Vermögen lieber wo anders an und nicht in die Hände des eigenen Instituts. Diese Investmentbanken, mit ihren Eigenhandels- und sonstigen Spekulationsgeschäften, sollten drastisch verkleinert werden. Wir brauchen andere Banken, die primär an der langfristigen Finanzierung von Investitionen und von industriellen Innovationen interessiert sind.
Ist es realistisch, dass die Banken so rekalibiert werden können?
Ich bezweifle, ob die jetzigen Bankmanager die Expertise haben, dieses Anliegen umzusetzen. Man sollte sie eigentlich alle herauskehren und ersetzen.
Was wird passieren mit Banken wie der Citigroup oder der Banc of America?
Ich bin nicht sicher, ob sie in dieser Form noch lange existieren werden. Ich denke, sie werden letztlich entweder geschlossen werden oder sie werden aufgetrennt in kleinere Teile. Sie sind kaum noch kontrollierbar. Niemand weiß genug über die obskuren Aktivitäten in den verschiedensten Abteilungen, um ihren Zustand beurteilen zu können.
Haben Sie den Eindruck, Finanzminister Geithner und Co. untenehmen die richtigen Schritte, um die Transformation des Bankensektors in die richtige Richtung zu bringen?
Ich bin nicht sicher. Alle zwei Wochen wird irgendein neuer Plan diskutiert und dann gibt es noch die riesigen Garantieprogramme mit so esoterischen Namen wie TALF, über die niemand spricht ...
Hat überhaupt jemand den Überblick?
Ich fürchte, die Bankvorstände wissen letztlich selbst nicht, wie ihre Unternehmen dastehen. Nun hat die Regierung begonnen, ihre Bücher zu untersuchen. Ich weiß nicht, wie lange dieser Prozess dauern und welche Informationen er liefern wird. Ich denke, sollten einige der großen Banken sich als hoch insolvent herausstellen, werden sie übernommen im Sinne von verstaatlicht werden, da sie zu groß sind für die FDIC (Einlagesicherungsfonds).
Das heißt, Aktionäre und Anleihegläubiger würden sich die Finger verbrennen?
Ja.
Wie geht es weiter mit der amerikanischen Wirtschaft?
Ich blicke ziemlich bedrückt nach vorne. Wie ich zu Anfang schon sagte, mache ich mir unabhängig von der aktuellen Krise schon längere Zeit Sorgen über das enttäuschende Investitionsverhalten der amerikanischen Unternehmen. Es wird zu wenig ausgegeben für neue Produktionsanlagen, für die Erschließung neuer Märkte, für die Weiterbildung der Arbeitskräfte und so weiter. Dazu kommt ein demografisches Problem: In zehn Jahren wird ein großer Teil der jetzt noch Erwerbstätigen in den Ruhestand treten. Das führt zu hohen Zahlungsansprüchen und steigenden Abgaben. Diese Mixtur wird die Vermögenspreise unter Druck halten und das Land zwingen, mehr als bisher zu exportieren, um diese Lasten schultern zu können.
www.faz.net/s/...D58B67F1E418B35CF0~ATpl~Ecommon~Sspezial.html