sieht nicht so günstig aus. Aber lieber lässt Ackermännchen sein Unternehmen
Pleite gehen, als dass er staatliche Hilfe beanspruchte. Denn das bedeutete
gewaltigen Gehaltsverzicht, nämlich Hartz 4 für Bank-Manager (500 000 €).
Da lässt er lieber ein paar Mitarbeiter mehr entlassen. Aber ist die Deutsche
Bank ohne Staatsbeteiligung konkurrenzfähig? Wir werdens sehen: Eintritt
frei.
Deutsche Bank hat zu wenig Eigenkapital
Die Deutsche Bank steht nach Recherchen von Capital keineswegs so blendend da, wie es ihr Chef Josef Ackermann glauben machen will.
Laut Capital (Ausgabe 14/2008) ist im vergangenen Krisenjahr die Bilanzsumme des Instituts, also das gesamte Geschäftsvolumen, dramatisch gestiegen, ohne dass ihr Eigenkapitalpuffer entsprechend erhöht wurde. Das Institut bewegt dadurch wesentlich mehr Masse, der aber nahezu gleichbleibend viel Eigenkapital als Sicherheit gegenübersteht. Diese Relation vom Eigenkapital zur Bilanzsumme lag zuletzt bei mageren 1,6 Prozent. Damit landete die Deutsche Bank bei einem Bilanzvergleich unter den 50 führenden Banken der Welt (Tabelle) im Schlussfeld.
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Die als gesund geltende britische Großbank HSBC kommt bei der Verhältniszahl, die den Sicherheitspuffer der Bank ausdrückt, auf fast fünf Prozent und die Bank of America sogar auf mehr als acht Prozent.
Dennoch erklärte Josef Ackermann am Wochenende: "Wir sind eine der stärksten und am besten kapitalisierten Banken der Welt." Ackermann verwies wieder einmal auf die hohe "Kernkapitalquote" der Bank. Er will diese Kennziffer, die nach den Regeln des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht verlangt wird, von 9,3 Prozent auf rund zehn Prozent erhöhen, sagte Ackermann. Zudem will er die Quote durch eine bilanzielle Umschichtung verbessern.
Hoher Verschuldungsgrad: Die Tabelle zeigt das Verhältnis des Eigenkapitals zur Bilanzsumme in Prozent bei 25 internationalen Großbanken, deren Zahlen vom 30. Juni 2008 verglichen wurden. Diese Verhältniszahl drückt den Sicherheitspuffer einer Bank aus. Sie zeigt, wie viel Masse mit dem Eigenkapital bewegt wird. Dabei steht die Deutsche Bank auf dem vorletzten Platz. Nur die belgische Dexia lag schlechter, sie musste mit Staatshilfe gestützt werden. Und dass selbst ein Vielfaches bei einigen nicht gereicht hat, zeigen die Beispiele der amerikanischen Krisenbanken Wachovia und Washington Mutual. Bei einem Vergleich der Bilanzzahlen vom 30. Dezember 2007 unter den 50 größten Geldhäusern der Welt landete die Deutsche Bank sogar auf dem letzten Platz.
Quellen: Bloomberg, SNB; Stand: 30. Juni 2008.
Renommierte Risikospezialisten halten die Fixierung auf die Kernkapitalquote für gefährlich. Der Züricher Banken-Professor Hans Geiger, ein Freund und Weggefährte von Josef Ackermann, nennt die Kennziffer ein "Schönwetterprodukt", das den Krisentest nicht bestanden habe. So kam auch die Hypo Real Estate auf 9,3 Prozent Kernkapitalquote, bevor sie Probleme bekam. Die Kernkapitalquote wird nach sehr komplizierten Regeln erstellt, wobei die Kredite und Vermögenswerte der Bank mit Risikogewichten beurteilt werden. Die Berechnungen sind selbst für Fachleute kaum zu durchschauen. Der Clou bei der Sache: Wer seine faulen Kredite mit Kreditversicherungen abdeckt, schneidet bei der Risikogewichtung blendend ab. Aber gerade die Geschäfte mit diesen Kreditversicherungen sind jetzt ins Zentrum der Finanzkrise geraten, weil die Versicherungsgeber ausfallen können.
Daher wollen sich Aufsichtsbehörden im Ausland künftig nicht mehr auf die Kernkapitalquote verlassen. In der Schweiz zum Beispiel verlangt die Notenbank stattdessen eine höhere Eigenkapitalbasis im Verhältnis zur Bilanzsumme und somit eine absolute Verschuldungsgrenze. Die deutsche Bankenaufsicht Bafin blieb bislang untätig.
Risikoexperten beunruhigt unter anderem, dass die Deutsche Bank sehr hohe Vermögenspositionen hält, deren Wert derzeit gar nicht genau beziffert werden kann, sondern nur geschätzt wird. In dieser Kategorie wies die Bank im Sommer 86 Milliarden Euro aus – mehr als doppelt so viel wie das Eigenkapital der Bank, das nur 33,6 Milliarden Euro betrug.
von Leo Müller
capital.de, 08:43 Uhr
www.capital.de/unternehmen/100015841.html
Pleite gehen, als dass er staatliche Hilfe beanspruchte. Denn das bedeutete
gewaltigen Gehaltsverzicht, nämlich Hartz 4 für Bank-Manager (500 000 €).
Da lässt er lieber ein paar Mitarbeiter mehr entlassen. Aber ist die Deutsche
Bank ohne Staatsbeteiligung konkurrenzfähig? Wir werdens sehen: Eintritt
frei.
Deutsche Bank hat zu wenig Eigenkapital
Die Deutsche Bank steht nach Recherchen von Capital keineswegs so blendend da, wie es ihr Chef Josef Ackermann glauben machen will.
Laut Capital (Ausgabe 14/2008) ist im vergangenen Krisenjahr die Bilanzsumme des Instituts, also das gesamte Geschäftsvolumen, dramatisch gestiegen, ohne dass ihr Eigenkapitalpuffer entsprechend erhöht wurde. Das Institut bewegt dadurch wesentlich mehr Masse, der aber nahezu gleichbleibend viel Eigenkapital als Sicherheit gegenübersteht. Diese Relation vom Eigenkapital zur Bilanzsumme lag zuletzt bei mageren 1,6 Prozent. Damit landete die Deutsche Bank bei einem Bilanzvergleich unter den 50 führenden Banken der Welt (Tabelle) im Schlussfeld.
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Die als gesund geltende britische Großbank HSBC kommt bei der Verhältniszahl, die den Sicherheitspuffer der Bank ausdrückt, auf fast fünf Prozent und die Bank of America sogar auf mehr als acht Prozent.
Dennoch erklärte Josef Ackermann am Wochenende: "Wir sind eine der stärksten und am besten kapitalisierten Banken der Welt." Ackermann verwies wieder einmal auf die hohe "Kernkapitalquote" der Bank. Er will diese Kennziffer, die nach den Regeln des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht verlangt wird, von 9,3 Prozent auf rund zehn Prozent erhöhen, sagte Ackermann. Zudem will er die Quote durch eine bilanzielle Umschichtung verbessern.
Hoher Verschuldungsgrad: Die Tabelle zeigt das Verhältnis des Eigenkapitals zur Bilanzsumme in Prozent bei 25 internationalen Großbanken, deren Zahlen vom 30. Juni 2008 verglichen wurden. Diese Verhältniszahl drückt den Sicherheitspuffer einer Bank aus. Sie zeigt, wie viel Masse mit dem Eigenkapital bewegt wird. Dabei steht die Deutsche Bank auf dem vorletzten Platz. Nur die belgische Dexia lag schlechter, sie musste mit Staatshilfe gestützt werden. Und dass selbst ein Vielfaches bei einigen nicht gereicht hat, zeigen die Beispiele der amerikanischen Krisenbanken Wachovia und Washington Mutual. Bei einem Vergleich der Bilanzzahlen vom 30. Dezember 2007 unter den 50 größten Geldhäusern der Welt landete die Deutsche Bank sogar auf dem letzten Platz.
Quellen: Bloomberg, SNB; Stand: 30. Juni 2008.
Renommierte Risikospezialisten halten die Fixierung auf die Kernkapitalquote für gefährlich. Der Züricher Banken-Professor Hans Geiger, ein Freund und Weggefährte von Josef Ackermann, nennt die Kennziffer ein "Schönwetterprodukt", das den Krisentest nicht bestanden habe. So kam auch die Hypo Real Estate auf 9,3 Prozent Kernkapitalquote, bevor sie Probleme bekam. Die Kernkapitalquote wird nach sehr komplizierten Regeln erstellt, wobei die Kredite und Vermögenswerte der Bank mit Risikogewichten beurteilt werden. Die Berechnungen sind selbst für Fachleute kaum zu durchschauen. Der Clou bei der Sache: Wer seine faulen Kredite mit Kreditversicherungen abdeckt, schneidet bei der Risikogewichtung blendend ab. Aber gerade die Geschäfte mit diesen Kreditversicherungen sind jetzt ins Zentrum der Finanzkrise geraten, weil die Versicherungsgeber ausfallen können.
Daher wollen sich Aufsichtsbehörden im Ausland künftig nicht mehr auf die Kernkapitalquote verlassen. In der Schweiz zum Beispiel verlangt die Notenbank stattdessen eine höhere Eigenkapitalbasis im Verhältnis zur Bilanzsumme und somit eine absolute Verschuldungsgrenze. Die deutsche Bankenaufsicht Bafin blieb bislang untätig.
Risikoexperten beunruhigt unter anderem, dass die Deutsche Bank sehr hohe Vermögenspositionen hält, deren Wert derzeit gar nicht genau beziffert werden kann, sondern nur geschätzt wird. In dieser Kategorie wies die Bank im Sommer 86 Milliarden Euro aus – mehr als doppelt so viel wie das Eigenkapital der Bank, das nur 33,6 Milliarden Euro betrug.
von Leo Müller
capital.de, 08:43 Uhr
www.capital.de/unternehmen/100015841.html