In Amerika läuft angeblich Kampagne gegen den Euro
Ablenkung von den eigenen Problemen?
FRANKFURT - Eugen Keller gehört zu den seriösen und hochgeschätzten Marktbeobachtern am Finanzplatz Frankfurt. Der Devisenstratege vom Bankhaus Metzler sorgt sich um die Euro-Schwäche und sagt doch für das zweite Halbjahr wieder eine Stärkung der Einheitswährung voraus. Denn dann würden die noch viel größeren Verschuldungsprobleme der USA auf den Dollar zurückschlagen.
Kaum hatte er dies vor wenigen Tagen gegenüber einer Wirtschaftszeitung geäußert, erhielt er Reaktionen von befreundeten Analysten aus den USA, die genau dies bestätigten. Und noch mehr: Jenseits des großen Teichs werde seit Monaten eine gezielte Kampagne gegen den Euro gefahren, um von den eigenen Problemen abzulenken und um China als größten Gläubiger der USA bei Laune zu halten. Medien und Rating-Agenturen seien in diese Kampagne eingespannt.
Hohe Staatsverschuldung
Keller selbst hängt zwar solchen Verschwörungstheorien nicht unbedingt an und verweist auf die Versäumnisse im Euroraum. »Aber die Einbahnstraße an den Devisenmärkten verwundert schon.« Die USA würden sehr geschickt von den eigenen Problemen ablenken. Das jedoch werde nicht mehr lange gutgehen. Sein Argument: Die USA sind zu fragil, als dass sie einen starken Dollar gebrauchen könnten. So gebe es Zweifel an der Erholung der US-Wirtschaft, die Sparquote sei zu gering und bei der Eindämmung der Staatsverschuldung gebe es keine Fortschritte. Dazu drohten Belastungen durch die Öl-Katastrophe im Golf von Mexiko.
Doch ob dies in den USA auch so gesehen wird? Keller hegt Zweifel nach den Reaktionen auf sein Interview, die unter anderem von einem langjährigen Weggefährten aus Amerika kommen. »Die US-Medien, die in den Händen weniger liegen, haben eine Maschinerie am Laufen, den Euro herunterzureden,« heißt es. In den USA spricht man von »Trash Currency«. Das alles sei gesteuert.
Alles kein Zufall
Herabstufungen von Euro-Ländern durch Rating-Agenturen in besonders kritischen Phasen seien sicherlich kein Zufall, sagt der Kenner der US-Szene. Politisch wichtig: Mit der angezettelten Euro-Schwäche schwindet die Chance, den Euro in China und anderen Schwellenländern als Alternative zum Dollar zu etablieren. Die Folge: In China, dem größten Gläubiger der USA, steige der Wert der Investments und China sei weiter bereit, US-Staatsanleihen zu kaufen und damit dem Land Geld zu pumpen.
»China und die USA sind wie siamesische Zwillinge«, bekommt Keller von seinem US-Kollegen zu hören. Amerika bleibe so führende Finanzmacht und diktiere die Regeln. Letzter Punkt: Die Hedge-Fonds-Manager, die auf die Euro-Schwäche setzen, pflegen enge Beziehungen zu den Rating-Agenturen.
Wie lange dieses Spiel gegen Euro noch geht, ist offen. Andererseits: Warum sollten sich die Amerikaner verstärkt um Ungleichgewichte zwischen den USA und Europa kümmern? Wichtiger erscheint ihnen offenbar ein möglichst ungetrübtes Verhältnis zu ihrem größten Gläubiger - zu China.
Rolf Obertreis
12.6.2010
www.altmuehl-bote.de/...l.asp?art=1241059&kat=5&man=10
Ablenkung von den eigenen Problemen?
FRANKFURT - Eugen Keller gehört zu den seriösen und hochgeschätzten Marktbeobachtern am Finanzplatz Frankfurt. Der Devisenstratege vom Bankhaus Metzler sorgt sich um die Euro-Schwäche und sagt doch für das zweite Halbjahr wieder eine Stärkung der Einheitswährung voraus. Denn dann würden die noch viel größeren Verschuldungsprobleme der USA auf den Dollar zurückschlagen.
Kaum hatte er dies vor wenigen Tagen gegenüber einer Wirtschaftszeitung geäußert, erhielt er Reaktionen von befreundeten Analysten aus den USA, die genau dies bestätigten. Und noch mehr: Jenseits des großen Teichs werde seit Monaten eine gezielte Kampagne gegen den Euro gefahren, um von den eigenen Problemen abzulenken und um China als größten Gläubiger der USA bei Laune zu halten. Medien und Rating-Agenturen seien in diese Kampagne eingespannt.
Hohe Staatsverschuldung
Keller selbst hängt zwar solchen Verschwörungstheorien nicht unbedingt an und verweist auf die Versäumnisse im Euroraum. »Aber die Einbahnstraße an den Devisenmärkten verwundert schon.« Die USA würden sehr geschickt von den eigenen Problemen ablenken. Das jedoch werde nicht mehr lange gutgehen. Sein Argument: Die USA sind zu fragil, als dass sie einen starken Dollar gebrauchen könnten. So gebe es Zweifel an der Erholung der US-Wirtschaft, die Sparquote sei zu gering und bei der Eindämmung der Staatsverschuldung gebe es keine Fortschritte. Dazu drohten Belastungen durch die Öl-Katastrophe im Golf von Mexiko.
Doch ob dies in den USA auch so gesehen wird? Keller hegt Zweifel nach den Reaktionen auf sein Interview, die unter anderem von einem langjährigen Weggefährten aus Amerika kommen. »Die US-Medien, die in den Händen weniger liegen, haben eine Maschinerie am Laufen, den Euro herunterzureden,« heißt es. In den USA spricht man von »Trash Currency«. Das alles sei gesteuert.
Alles kein Zufall
Herabstufungen von Euro-Ländern durch Rating-Agenturen in besonders kritischen Phasen seien sicherlich kein Zufall, sagt der Kenner der US-Szene. Politisch wichtig: Mit der angezettelten Euro-Schwäche schwindet die Chance, den Euro in China und anderen Schwellenländern als Alternative zum Dollar zu etablieren. Die Folge: In China, dem größten Gläubiger der USA, steige der Wert der Investments und China sei weiter bereit, US-Staatsanleihen zu kaufen und damit dem Land Geld zu pumpen.
»China und die USA sind wie siamesische Zwillinge«, bekommt Keller von seinem US-Kollegen zu hören. Amerika bleibe so führende Finanzmacht und diktiere die Regeln. Letzter Punkt: Die Hedge-Fonds-Manager, die auf die Euro-Schwäche setzen, pflegen enge Beziehungen zu den Rating-Agenturen.
Wie lange dieses Spiel gegen Euro noch geht, ist offen. Andererseits: Warum sollten sich die Amerikaner verstärkt um Ungleichgewichte zwischen den USA und Europa kümmern? Wichtiger erscheint ihnen offenbar ein möglichst ungetrübtes Verhältnis zu ihrem größten Gläubiger - zu China.
Rolf Obertreis
12.6.2010
www.altmuehl-bote.de/...l.asp?art=1241059&kat=5&man=10
