Dass sich der europäische Solarmarkt derzeit in einer sehr schwierigen Situation/Phase befindet aufgrund reihenweiser negativen politischen Entscheidungen in einigen europäischen Ländern ist ja bekannt und das zeigt auch der von mir ermittelte Q2-Zubau mit nur 2,5 GW sehr eindrücklich. Das ist ein Nachfragerückgang gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 1,3 GW bzw. 34% und ein überraschend hoher Rückgang gegenüber Q1 von 0,6 GW bzw. 19%.
Im Gegensatz zu Q1 gab es in Q2 keinen Überraschungseffekt. Das erklärt dann den deutlichen Rückgang zu Q1, der ja immerhin bei bemerkenswert guten 3,1 GW lag, da in Q1 Griechenland einen völlig überraschend hohen Zubau von 793 MW gemeldet hat. Die griechische Regierung reagierte sofort auf diesen unerwarteten, teuren Solarboom und kürzte die Einpseisevergütungen im März von einem auf den anderen Tag um knapp 50%. Die Auswirkung war, dass in Q2 in Griechenland nur noch 149 MW zugebaut wurden und damit 644 MW bzw. 81% weniger wie in Q1.
Deutschland bleibt nach wie vor der Fels in Brandung im europäischen Solarmarkt mit einem Q2-Zubau von 1,02 GW (Q1: 0,78 GW) und ist damit die absolute Nr. 1 in Europa sehr weit vor Italien, das es in Q2 nur noch auf 390 MW gebracht hat. Global gesehen ist Deutschland in Q2 nach Zubauzahlen die Nr. 4, hinter China (ca. 1,6 GW), Japan (ca. 1,3 GW) und den USA (ca. 1,1 GW).
Der deutsche Q2-Zubau mit 1,02 GW ist zwar gegenüber dem Vorjahreszeitraum um satte 1,09 GW bzw. 52% geringer ausgefallen, aber dieser Q2-Zubau 2012 war aufgrund politischer Sondereinflüsse durch Änderungen im EEG ab Juli massiv positiv beeinflusst worden (Abschaffung der Förderungen für Solarkraftwerke größer 10 MW und deutliche Einspeisevergütungskürzungen für Freiflächenanlagen). So gab es im Juni 2012 alleine einen Zubau von 1,8 GW. Soviel wie im ganzen 1.Halbjahr 2013.
Durch die seit Mitte 2012 eingeführten monatlichen Absenkung der Einspeisetarife scheint sich der Zubau in Deutschland endlich eingependelt zu haben und damit sind auch die riesigen Zubaupeaks hervorgerufen durch „Schlussverkäufe“ und „Jahresendrallyes“ verschwunden. Die deutschen monatlichen Zubauzahlen sind mittlerweile in einer sehr engen Spannbreite (April: 368 MW, Mai: 344 MW, Juni 310 MW).
Ab August gibt es für Solaranlagen bis 10 kW nur noch eine Vergütung von 0,15 €/kWh (vor 12 Monate noch 0,19 €/kWh ++ - 21%), für eine Solaranlage zwischen 10 und 40 kW noch 0,14 €/kWh (0,18 €/kWh ++ - 22%) und für Solarkraftwerke zwischen 1 bis 10 MW noch 0,10 €/kWh (0,13 €/kWh ++ - 23%).
Mit den Q2-Zubauzahlen bzw. den Halbjahreszubauzahlen ist der deutsche Solarmarkt weiterhin auf einem guten Weg die Analystenzubauprognosen für 2013 zwischen 3,8 bis 4,2 GW zu erreichen.
Die Jahresprognosen für die europäische Solarnachfrage lagen im Frühjahr noch zwischen 12 bis 13 GW (2012: 17,5 GW/2011: 22 GW). Was einem Nachfragerückgang gegenüber 2012 von 4,5 bis 5,5 GW bzw. 26 bis 31% entsprechen würde. Nach der schwachen Q2-Nachfrage und einem Halbjahreszubau von nur rd. 5,7 GW scheint ein Jahreszubau von um die 13 GW absolut unmöglich zu sein. Selbst 12 GW scheinen mittlerweile unrealistisch zu sein. Zumal die Diskussionen bzw. Unsicherheiten über die Antidumpingzölle gegen die China-Solaris der europäischen Solarnachfrage nicht gut getan haben. Die Mindestpreise für die China-Solaris mit 0,56 €/W, würden ja in etwa Zölle von 20 bis 24% (!!!) entsprechen, werden die europäischen Nachfrage sicher auch nicht ankurbeln. Vor allem bei den Solarkraftwerken.
Im 1.Halbjahr gab es in Europa einen Zubau von rd. 5,7 GW nach meinen Zahlen (Q1: ca. 3,16 GW; Q2: ca. 2,53 GW). Das ist ein Nachfragerückgang gegenüber dem 1. Hj. 2012 von 3,9 GW bzw. 40% (1.Hj. 2012: 9,6 GW/2.Hj 2012: 7,9 GW).
Dieser kräftige Rückgang ist das Resultat poltischer Entscheidungen in den letzten 9 Monaten wie deutlich gesenkter Einspeisevergütungen bzw. Subventionsstopp für große Freiflächenanlagen (z.B. Deutschland, Italien), rückwirkende Senkung der Einspeisevergütung (z.B. Griechenland, Bulgarien), Einführung von Steuern für Solaranlagenbetreiber (z.B. Spanien, Bulgarien, Flandern), Einführung von Modulrecyclinggebühren (Tschechien) oder Einführung von Netzgebühren für Solaranlagenbetreiber (Wallonien). Man sieht an dieser kleinen Aufstellung wie einfallsreich und kreativ die Politik ist um an Zusatzeinnahmen zu kommen.
Die größten Nachfragerückgänge im 1.Halbjahr 2013 gegenüber dem 1.Halbjahr 2012 mussten folgende Länder verzeichnen:
- Deutschland (- 2,6 GW gg. 1.Hj. 2012 ++ - 59%)
- Italien (- 0,8 GW gg. 1.Hj. 2012 ++ - 44%)
- Frankreich (- 0,5 GW gg. 1.Hj. 2012 ++ - 71%)
- Bulgarien (- 0,5 GW gg. 1.Hj. 2012 ++ - 99%)
- Belgien (- 0,3 GW gg. 1.Hj. 2012 ++ - 87%)
Die Top 10 Solarländer Europas nach Zubau im 1.Halbjahr 2013:
1. Deutschland 1.797 MW (Q1: 775 MW ++ 1.022 MW)
2. Italien 962 MW (Q: 572 MW ++ 390 MW)
3. Griechenland 942 MW (Q1: 793 MW ++ Q2: 149 MW)
4. Großbritannien rd. 840 MW (Q1: 520 MW ++ Q2: rd. 320 MW)
5. Frankreich 213 MW (Q1: 100 MW ++ Q2: 113 MW)
6. Rumänien 176 MW (Q1: 68 MW ++ Q2: 108 MW)
7. Ukraine 168 MW (Q1: 128 MW ++ Q2: 40 MW)
8. Dänemark 160 MW (Q1: ca. 80 MW ++ Q2: ca. 80 MW)
9. Spanien rd. 110 MW (Q1: rd. 50 MW ++ Q2: rd. 60 MW)
10. Schweiz 80 MW (Q1: 10 MW ++ Q2: 70 MW)
Rest 240 MW (Q1: ca. 60 MW; Q2: ca. 180 MW)
Summe:
1.Hj.: 5,69 GW (Q1: 3,16 GW/2,53 GW)
Dass es in Europa in diesem Jahr zu deinem deutlichen Nachfragerückgang kommen wird, ist schon seit Herbst letzten Jahres klar, aber durch die schwachen Q2-Daten wird wohl der Nachfragerückgang noch heftiger ausfallen als vor Monaten erwartet wurde. Zumal man davon ausgehen kann, dass Q3 bei der Nachfrage nicht viel besser ausfallen wird wie das schwache Q2 mit 2,5 GW, da die Unsicherheiten über die China-Zölle belastet haben und Urlaubszeit ist halt mal auch in Q3. Darüber hinaus werden die festgelegten Mindestpreise für China-Module mit 0,56 €/W die Nachfrage ganz sicher nicht großartig antreiben können. Vor allem gilt das für Solarkraftwerke, denn in diesem Bereich macht sich der Mindestpreis von 0,56 €/W am stärksten bemerkbar. Genau darum laufen die Briten Sturm gegen den festgelegten Mindestpreis, denn in Großbritannien boomt das Solarkraftwerksgeschäft in diesem Jahr.
IHS iSuppli geht in ihrer aktuellen Analyse von einem europäischen Solarzubau in 2013 von 11,7 GW aus. Solarbuzz von 12 GW.
Meiner Einschätzung nach wird es in Europa in diesem Jahr bestenfalls zu einem Zubau von um die 11 GW kommen. Das wäre ein Rückgang von um die 6,5 GW bzw. 37% gg. 2012. Außer die kleineren europäischen Solarländer wie die Schweiz, Niederlande, Österreich, Slowenien, Portugal oder die Türkei werden in der 2. Jahreshälfte richtig durchstarten wie es im 2.Halbjahr 2012 großteils der Fall war und der französische Markt springt endlich wieder signifikant an.