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Köpfen Sie mich nicht


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moya:

Köpfen Sie mich nicht

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05.08.06 17:28

Köpfen Sie mich nicht

von Thomas Firley

Kürzlich erwähnte ich die in den meisten publizierten Analysen "ausgelassene" Seitwärtsphase. Warum ist das so, warum lesen wir meistens entweder von (extrem) postiven oder negativen Erwartungen? Oder kann eine Seitwärtsphase einfach nicht prognostiziert werden? Letzteres wäre Unsinn, denn sonst dürften logischerweise auch keine Auf- und Abwartsphasen "erwartet" werden. Aber warum werden Sie sehr selten den Satz lesen, dass "in den nächsten Monaten von einer Seitwärtsphase auszugehen ist"? Ganz einfach aus folgenden zwei Gründen:

1.) Geht die Börse seitwärts, verdient keiner rechtes Geld (verliert aber auch weniger...). Der springende Punkt ist, dass (Bank-)Analysten schon gar nichts von stagnierenden Kursen wissen wollen, weil dann der Umsatz zurückgeht und somit weniger Geschäft gemacht wird. Trader, Spekulanten und auch noch nicht engagierte Aktienanleger ziehen sich in solchen Phasen aus dem Markt zurück. Damit geht der gesamten Börsen-"Industrie" die Kundschaft verloren - Magazinen, Börsendiensten, Direkt-Banken, Broker-Häusern etc. etc.

Daher gibt es auch keinen Dienst, der sich mit solch einer Phase befasst. Es gibt Bullen-Dienste, die in einer Hausse-Phase eine Aktie nach der anderen empfehlen und es gibt Bärendienste, die in einer Baisse behaupten "es doch schon immer gewusst" zu haben und den Aufbau von Short-Positionen empfehlen. Aber haben Sie jemals von einem "Seitwärtsdienst" gehört?

2.) Die Anleger wollen auch nichts von einer Seitwärtsphase wissen (oder lesen). Texte unter Schlagzeilen wie "Dax steigt über 7.000" oder "Die Börse kurz vor dem Kollaps" werden aufgesogen, während die Meldung "keine Kursbewegung bis Jahresende" wohl kaum Beachtung finden würde.

Nun, die Börse selbst insb. der Dax hat uns in den letzten Jahren eben auch nur mit extremen Phasen verwöhnt oder gefoltert - je nachdem aus welchem Blickwinkel Sie es sehen. Gucken wir uns hierzu noch einmal einen Langfrist-Chart an.

Chart

Seit 1996, dem Jahr als die Telekom an die Börse ging, kennt der Dax nur die extremen Bewegungen. Entweder es ging rapide aufwärts oder pfeilschnell wieder abwärts. Seitwärts ging es zwischen den Extrem-Phasen nur verhältnismäßig kurz in 1999 und 2004. Gucken Sie sich dazu den Dax zwischen Oktober 1993 und Ende 1995 an. Nachdem die 2000er Marke nachhaltig geknackt und ausgiebig gefeiert wurde (damals wurden bei solch markanten All-Time-Highs noch die Champagner-Flaschen geköpft) bewegte sich der Kurs zwei Jahre lang in einer Range von etwa 13%. Noch länger erscheint die "Bewegung" zwischen Anfang 1975 und Anfang 1983. In diesem Zeitraum bewegte sich der Dax in einer Spanne von etwa 20%, 8 Jahre lang. Eigentlich klar, warum damals die Anlage in Aktien als "spekulativ" und "riskant" angesehen wurde, zumal mit Festgeld 7% Rendite jährlich zu holen war.

Hierzu ein kurzer Einschub: Am 23. Juni 1988 wurde der deutsche Aktienindex ins Leben gerufen. Als Kurs-Basis wurde der Index-Stand von 1000 zum Jahresschlusskurs 1987 berechnet. Auf dieser Basis wiederum wurden die Index-Stände bis ins Jahr 1959 zurückberechnet. Die angesprochenen Daten sind also im Chart zurückberechnet, dürften aber an ihrer Aussagekraft nichs einbüßen.

Was sagt uns der Dax in der kürzerfristigen Sicht?

Aktuell läuft eine Korrektur, die formal gesehen noch sehr weit laufen kann. Vor langer Zeit las ich in einem Buch über Chartttechnik folgende zwei nüchterne Sätzen: Ein Haupttrend weist grundsätzlich nach oben oder nach unten und kann eine Dauer von ein oder mehreren Jahren haben. Ein Sekundärtrend (im aktuellen Dax-Fall die Korrektur) dauert einige Wochen bis mehrere Monate und bewegt sich etwa 30% (oder mehr) in die Gegenrichtung des Haupttrends. Für den Deutschen Aktienindex hieße dies, dass ein Abwärtsrutsch bis auf 4.500 Punkte in einer Korrektur nicht ungewöhnlich wäre.

Ich denke, mit diesem Wissen ist eine gesunde Stopp-Strategie einerseits und die intensive Suche nach Chancen bei unentdeckten Perlen aktuell angebrachter denn je. Denn blind auf die Weiterführung der Hausse zu spekulieren ist momentan nicht "drin". Das funktioniert halt nur in einer laufenden Hausse selbst...

Ich möchte den Teufel nicht an die Wand malen. Vielmehr wollte ich darstellen, dass es an der Börse eben drei Richtungen gibt und mit jeder dieser Richtungen zu rechnen ist. Und natürlich werde ich auch wieder ein Fläschchen köpfen, wenn der Dax ein markantes All-Time-High erreicht. Aber das dürfte noch einige Zeit dauern... Hoffentlich köpfen Sie mich für diese Meinung nicht.

Viele Grüße
Ihr Boersen-Narr

Tom Firley

Gruß Moya Köpfen Sie mich nicht 2714211

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