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FOKUS: Continental-Management gerät zunehmend unter Druck
Von Christoph Rauwald
DOW JONES NEWSWIRES
FRANKFURT (Dow Jones)--Das Management des Hannoveraner Continental AG kommt im Zuge der Übernahme des Automobilzulieferers durch die Schaeffler-Gruppe zunehmend unter Druck. Beobachter halten den Rückzug noch weiterer Spitzenmanager für denkbar, nachdem bereits Finanzvorstand Alan Hippe nach Berichten deutscher Medien vor dem Absprung steht.
Der Aufsichtsrat des Unternehmens wird am Samstag tagen, um die Schaeffler-Forderung nach einem Rücktritt des Aufsichtsratsvorsitzenden Hubertus von Grünberg zu erörtern. Was die Zukunft von CFO Hippe betrifft, verweigerten sowohl Continental als auch die für einen Wechsel kolportierten Unternehmen ThyssenKrupp und Deutsche Post eine Aussage.
Bei Continental kehrt keine Ruhe ein, seit die Schaeffler-Gruppe sich im vergangenen Jahr in das Unternehmen einkaufte und seither die Komplettübernahme anstrebt. Die Kommanditgesellschaft mit Sitz im fränkischen Herzogenaurach hat mit einer Reihe von Konzessionen versucht, das Continental-Management für sich einzunehmen. Hierzu zählte auch eine Garantie, die Mehrheit nicht vor 2012 zu übernehmen. Derzeit beträgt der Anteil von Schaeffler an Continental 49,9%. Zusätzlich erworbene Aktien wurden wie vereinbart Banken angedient.
Der zunehmende Druck von Schaeffler auf Continental führte im vergangenen August bereits zum Rücktritt von Manfred Wennemer als Vorstandsvorsitzender. Die Benennung von Karl-Thomas Neumann als Nachfolger löste Spekulationen aus, der dabei übergangene, angesehene Finanzvorstand Alan Hippe könnte dem Unternehmen den Rücken kehren. Alle drei Manager hatten in den vergangenen Jahren für den Aufschwung bei Continental gesorgt.
Wennemer war im September 2001 an die Spitze gerückt, zu einem Zeitpunkt, da die Hannoveraner Verluste schrieben und hohe Schulden angehäuft hatten. Er schaffte die Wende und verwandelte Continental für Jahre in einen der profitabelsten deutschen Blue-Chips-Konzerne.
Jetzt jedoch wurde das Unternehmen vom drastischen Konjunkturabschwung in der Automobilindustrie schwer getroffen. Belastend wirkt dabei die kostspielige Übernahme der VDO-Sparte der Siemens AG im Dezember 2007. Der Kaufpreis von 11 Mrd EUR ließ sich nur mit einer höheren Verschuldung finanzieren.
Das überraschende Gebot der Schaeffler-Gruppe für den deutlich größeren Wettbewerber Continental kam dann zu einem Zeitpunkt, als die Kreditklemme sich verschärfte und die weltweite Automobilnachfrage einbrach. Die Rolle des Continental-Aufsichtsratsvorsitzenden Hubertus von Grünberg bei dem sich hinziehenden Deal wurde beargwöhnt, weil dieser zuvor als Berater für die Schaeffler-Gruppe tätig gewesen war.
Die anhaltenden Konflikte zwischen der Schaeffler-Gruppe und Continental haben bei Anlegern die Sorge wachsen lassen, ob ein Zusammenschluss überhaupt Früchte tragen wird. Als kritischen Punkt werten Beobachter vor allem die unterschiedliche Unternehmenskultur - hier die in Familienbesitz befindliche Schaeffler-Gruppe, dort das börsennotierte Großunternehmen Continental.
Vor Tagen hat Schaeffler nun angekündigt, eine außerplanmäßige Aktionärsversammlung einzuberufen zu wollen, sollte von Grünberg sein Amt nicht selbst niederlegen. Alle Vertreter der Aktionäre im Aufsichtsrat sollten ausgetauscht werden. Schaeffler wirft von Grünberg vor, eine einvernehmliche Lösung zwischen den beiden Unternehmen zu sabotieren und eigene Interessen zu verfolgen. Hierdurch werde Vertrauen zerstört.
Beobachter weisen auf die ungewöhnlich scharfe Form der Kritik hin. Kenner der verfahrenen Situation erwarten, dass der Aufsichtsrat seinem Vorsitzenden von Grünberg am Samstag Rückendeckung geben wird. Dieser selbst war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.
Vorsorglich hat Schaeffler bereits die Auffassung zurückgewiesen, ein kompletter Austausch des Continental-Aufsichtsrates sei mit der zwischen den beiden Unternehmen getroffenen Vereinbarung nicht zu vereinbaren. Sie sehe vor, dass Schaeffler bis zu vier Vertreter in das Gremium entsenden könne.
Einem Schaeffler-Sprecher zufolge steht der Gruppe das Recht zu, alle zehn Aufsichtsratssitze neu zu besetzen, unter der Voraussetzung, dass die Gruppe eben nicht mehr als jene ihr zustehenden vier Vertreter benenne.
Webseite: www.conti-online.com/
-Von Christoph Rauwald, Dow Jones Newswires; +49 (0)69 - 29725 512, christoph.rauwald@dowjones.com DJG/DJN/bst/rio Besuchen Sie unsere neue Webseite www.dowjones.de
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January 23, 2009 06:03 ET (11:03 GMT)
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