Continental - Schaeffler: Platzt der Deal?
Montag, 19. Januar 2009
Wirtschaftsministerium dementiert staatlichen Hilfen für Schaeffler. Unternehmen braucht offenbar dringend Kredit. Hat sich Schaeffler verhoben?
Im Bundeswirtschaftsministerium sind keine staatlichen Hilfen für den wegen der Continental-Übernahme hoch verschuldeten Autozulieferer Schaeffler im Gespräch. Das sei kein Thema, sagte ein Ministeriumssprecher. Er wies damit Informationen des Magazins "Spiegel" zurück.
Fakt scheint jedoch zu sein, dass Schaeffler dringend Geld braucht, so munkelt man an der Börse. Kreditlinien, die früher von Banken zugesagt wurden, sollen angeblich zur Diskussion stehen. Ausserdem scheine es Probleme mit der Royal Bank of Scotland zu geben, einer der Hauptkreditliferanten für den Conti Deal. RBS aber ist derzeit mit ABN Amro und deren Verbindlichkeiten offenbar schon überlastet. Dem Kredithaus steht nach Medienberichten die Totalverstaatlichung bevor. Wenn aber RBS abspringt, dann gibt es ein Problem, so ist gerüchteweise zu hören.
Nun hört man aus Branchenkreisen, dass der Deal zunehmend ausser Kontrolle gerät. Im Nachhinein hat Schaeffler viel zu viel für Conti bezahlt – das sei offensichtlich eine grobe Fehleinschätzung der hausinternen Strategen bei Schaeffler gewesen. Erschwerdend kommt bei beiden Unternehmen die dramatische weltweite Absatzkrise der Autobauer hinzu.
Schaeffler zahlte für die Conti-Aktien je 75 Euro oder insgesamt gut acht Milliarden Euro. Ein Großteil der gerade erworbenen Conti-Aktien musste Schaeffler allerdings gleich an Banken weitergeben. Kein guter Deal: Denn die Conti Aktien werden von Analysten derzeit höchstens in den 20igern taxiert, Tendenz fallend. (Citigroup Kursziel 26). Sprich: Das Underlying für den Megakredit hat sich gerade mal gedrittelt.
Vor diesem Hintergrund werden die Banken immer zurückhaltendender – so ist aus mit der Sache vertrauten Kreisen zu hören. Hinzu kommt, dass Continental selbst hoch verschuldet ist durch die Übernahme von VDO. In diesem Fall kommt es also zu einer Situation, in der Schulden mit Schulden bezhalt werden, so ein Insider.
Schaeffler hat ein Bankenkonsortium an seiner Seite, das aus einer Handvoll Instituten besteht, darunter RBS, UBS und Dresdner Bank. Letztere zählt pikanterweise zu Contis Hausbanken. Die Banken haben Schaeffler anfangs Kreditlinien von in insgesamt zweistelliger Milliardenhöhe zur Verfügung gestellt. Doch die Aussichten, dieses Geld zurückzubekommen schmelzen mit jedem Tag. Insofern soll die Auszahlung einiger, zunächst zugesagten Kredit-Tranchen nun ins Stocken geraten sein, so ist gerüchteweise zu hören.
Es mehren sich somit die Hinweise, dass der Deal insgesamt platzt mit verheerenden Folgen für alle Beteiligten. Conti war zum Zeitpunkt der Übernahme fast dreimal so groß wie die Schaeffler Gruppe. Schaeffler brauche mehr Eigenkapital, die Kreditverträge mit den Banken drohen sonst wegen zu hoher Verschuldung zu brechen, so heisst es.
Es könnte sein, dass sich Schaeffler dieses Mal „verhoben“ hat. Und das könnte sich zu einer Katastrophe für alle Beteiligten entwickeln – so ein Insider.