Betafaktor.de sieht das mit der Kuju-Übernahme so:
"Catalis ist die günstigere Version von 10tacle
Obwohl sich der Mediendienstleister Catalis N.V. aktuell erheblich größer
und wesentlich besser diversifiziert aufstellt ist als in den Vorjahren,
will der Kurs nicht so recht vom Fleck kommen. Das kann auch Vorstand
Dr. Michael Hasenstab nicht so recht nachvollziehen: »Die heutige Catalis verfügt über ein wesentlich besseres Risikoprofil und bietet deutlich
mehr kreative Chancen als der reine DVD-Testdienstleister, der wir früher
waren.«
Im Gespräch mit BetaFaktor.de erläutert Hasenstab die neue Struktur
des Konzerns. Besonders die jüngste Akquisition Kuju aus Großbritannien
hat es ihm angetan. Dabei handelt es sich um einen Spieleentwickler,
der im Wesentlichen mit der deutschen 10tacle Studios AG (DE000-
TACL107; 14,50 EUR) vergleichbar ist.
Kuju ist nicht direkt abhängig von dem Erfolg der Spiele, sondern spielt
weitgehend fixe Erlöse für die erbrachten Entwicklungsleistungen ein.
Die Briten unterhalten für jedes wichtige Genre ein eigenes Studio. Ein
besonders erfolgreicher Titel ist vielleicht vielen von Ihnen bekannt, der
Welthit »Singstar« wurde von Kujo für Sony entwickelt.
Wenn Sie 10tacle und Kuju vergleichen, werden Sie feststellen, dass
beide im Prinzip sehr ähnlich aufgestellt sind. 10tacle ist aber um einiges
größer (Umsatz in 2006 ca. 30 Mio. EUR, ca. 2,9 Mio. EUR Gewinn nach
Minderheiten, 2007 wohl ca. 45 Mio. EUR Umsatz und 5 Mio. EUR Gewinn,
nach Schätzung von SES Research) als die Briten, die offiziell als
Plan für dieses Jahr 17 Mio. EUR Umsatz und einen Vorsteuergewinn
von gut 1 Mio. EUR in Aussicht gestellt haben.
Allerdings dürfte letzterer viel zu konservativ sein, u.a. bedingt durch ein
inzwischen abgetretenes Entwicklungsprojekt namens Rail-Simulator.
Gegen eine Abschlagszahlung und eine relativ komplexe Beteiligungskonstruktion
an möglicherweise doch noch auftretenden Gewinnen wurde
der chronische Verlustbringer an einen Fonds abgetreten. Die nötigen
Rückstellungen wurden aber noch komplett in 2006 gepackt.
Daher ist es sehr viel wahrscheinlicher, dass Kuju statt der offiziellen 1
Mio. EUR um die 2,5 Mio. EUR Gewinn in diesem Jahr erzielen wird.
Dazu müssen Sie auch wissen, dass das Kuju-Management allergrößtes
Eigeninteresse hat.
Bei der Übernahme durch Catalis erhielt dieses nämlich für seinen 40%-
Anteil Cash plus die Option auf 2,3 Mio. Catalis-Aktien. Bedingung für die
Zuteilung der erfolgsabhängigen Komponente: in 2007 rund 2,2 Mio.
EUR Vorsteuergewinn, und in 2008 mindestens 2,5 Mio. EUR. Die neuen
Aktien sind dann übrigens drei Jahre gelockt – es war Hasenstab wichtig,
das Management ans Unternehmen zu binden.
Zurück zu 10tacle: Der (noch) wesentliche Unterschied zu Kuju: 10tacle-
Chef Michel Pes hat es geschafft, mit Fonds in Asien immense Gelder
einzusammeln (>50 Mio. EUR). Diese beauftragen exklusiv 10tacle mit
der Entwicklung von Spielen. In diesem Verbund ist das Herangehen an
die größten Publisher natürlich wesentlich einfacher, da sie weniger Risi-
ko tragen müssen. Die Fantasie im Markt ist nun, dass auch Kuju diesen
Weg gehen wird und Fonds als weitere Finanzierungsquelle platziert
werden – ein Gerücht, dass Hasenstab nicht kommentieren wollte: »Das
ist sicherlich denkbar, aber zu diesem Zeitpunkt will ich dazu nichts
sagen.«
Aber selbst wenn man diesen Aspekt völlig außer Acht lässt: Catalis
plant im Gesamtkonzern dieses Jahr mehr als 30 Mio. EUR Umsatz und
rund 4 Mio. EUR Vorsteuergewinn. Wir gehen aber davon aus, dass die
Planung sogar angehoben wird, u.a. wegen oben geschilderter Thematik.
Wir rechnen mit 4,5 Mio. EUR Gewinn nach Steuern. Das wäre voll
verwässert ein KGV von nur ca. 8!
Hasenstabs mittelfristige Vision bleibt unverändert: Mehr als 100 Mio.
EUR Umsatz in 2010 bei 15 Mio. EUR Gewinn. Die Aktienzahl soll dabei
akquisitionsbedingt maximal bis auf 45 Mio. Stück steigen (aktuell 27).
Für etwas Irritation sorge eine kürzlich erfolgte Aktien-Umplatzierung
des bisherigen Vorstands Hoffmann an Hasenstab und dessen Vorstandskollegen
Robert Käß zu knapp unter 1 EUR. Das Rätsel ist aber
ganz einfach gelöst: Der Preis resultiert aus einer bilateralen Vereinbarung,
der Grund für den Verkauf ist simpel: Hoffmann geht in den Ruhestand.
Also absolut kein Grund zur Aufregung. Catalis ist ein klarer Kauf.
Vor allem wenn Sie bedenken, dass 10tacle 80 Mio. EUR wiegt, Catalis
dagegen nur 35 Mio. EUR. Das alte, hochprofitable Kerngeschäft der Catalis
gibt’s quasi kostenlos obendrauf. "