IWF: "Die USA brauchen offenbar Nachhilfe in Sache


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IWF: "Die USA brauchen offenbar Nachhilfe in Sache

 
11.07.02 08:53
IWF: "Die USA brauchen offenbar Nachhilfe in Sachen Kapitalismus"

Der Währungsfonds sieht in den Bilanzskandalen eine Lektion für alle Industriestaaten. Die Rede von Präsident Bush an der Wall Street hat die Märkte und die Analysten nicht beruhigt.




Bush-Rede verpuffte an den Welt-Börsen wirkungslos


NEW YORK (red/ ag). Schon während der Rede des US-Präsidenten George W. Bush zu den Bilanzskandalen haben die Vertreter des "Corporate America" nur verhalten reagiert. Seine Forderung nach Verdoppelung der Haftstrafen für Betrug auf zehn Jahre und der Appell für einen Kapitalismus mit Charakter und Gewissen wurde von den tausend geladenen Managern an der Wall Street nur sparsam mit Applaus bedacht. Und nach der Rede rutschten die Aktienkurse an der Wall Street - wie auch am Mittwoch die in Europa - nach unten. "Die Rede war ein Schritt in die richtige Richtung", sagt Monika Rosen, Bereichsleiterin für Research bei der Asset Management der Bank Austria. "Aber sie reicht noch nicht aus, um die Märkte zu beruhigen."


Nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) brauchen die USA nach den Bilanzfälschungen Nachhilfestunden in Sachen Kapitalismus. "Die Lektion, die derzeit alle Industrienationen erhalten, ist, daß jeder noch Verbesserungsbedarf bei der Bilanzierung hat", sagte der Chef für auswärtige Beziehungen beim IWF, Tom Dawson.


Von der "Presse" befragte österreichische Finanzexperten sehen die Rede von Bush grundsätzlich positiv. "Es ist sehr, sehr ermutigend, daß der Präsident die Probleme ernst nimmt. Die Republikaner wollen etwas ändern, die Demokraten wollen mehr ändern. Das heißt, es wird eine Systemänderung kommen und der Börse helfen", sagt Christoph Kraus, Vorstandsvorsitzender der Kathrein Bank.

"Der Kommentar von Bush war sehr erwünscht", sagt Gustav Dressler, Vorstand der Invesco Bank. "Die Rede hat nämlich gezeigt, daß die Amerikaner die Bedeutung der Probleme erkannt haben." Daß die Börse nach der Rede nicht zu einem Kursfeuerwerk ansetzte, sei kein schlechtes Zeichen. "Nicht jede Message hat Tagesauswirkungen an der Märkten."


Zweifel bleiben

"Langfristig wird die Androhung von Gefängnisstrafen eine abschreckende Wirkung haben", sagt Helge Rechberger, Leiter der Aktienmärkte in der Raiffeisen Zentralbank. "Allerdings muß man Zweifel hegen, inwieweit die Rede von Bush ernst gemeint ist." Es sei unglaubwürdig, daß die Republikaner wirklich umrühren werden, wenn diese viele Freunde und Wahlkampf-Financiers aus dem derzeitigen Topmanagement der großen amerikanischen Unternehmen haben.


"Diese Rede hat dem Markt das Vertrauen noch nicht wieder gegeben", sagt Rosen. Doch dieses neuerliche Vertrauenfassen müsse ihrer Meinung nach auch von den Unternehmen selbst kommen. Das Problem der Bilanzfälschereien und der dadurch entstandenen Unsicherheit sei zu groß, als daß es nur mit einer einzigen Maßnahme in den Griff zu bekommen sei, sagt Ricardo Cruz, Analyst in der Erste Bank. Daher müsse man noch die Details abwarten, denn die Rede von Bush sei wenig konkret gewesen.


Geändert werden müßte etwa das System der Aktienoptionen, sagt Rechberger. Zudem müßte die Transparenz in den Unternehmen erhöht werden, ergänzt Cruz. Dazu gehöre auch, daß Vorstände nicht mehr ihre Aufsichtsräte bestellen und so Seilschaften bilden. Außerdem seien Änderungen im derzeitigen US-Bilanzierungssystem notwendig.


Auch nach Ansicht von Elisabeth Staudner, Geschäftsführerin der Constantia-Kapitalanlagegesellschaft, wäre es nötig, die US-Bilanzierungsvorschriften (US-GAAP) zu ändern, weil diese eine extrem kreative Buchführung ermöglichen. "Davon hat Bush zwar nicht gesprochen, aber diese Diskussion wird in Gang kommen." Daß in Europa mit Ausnahme diverser Skandale am Neuen Markt Frankfurt noch kaum Machinationen aufgeflogen sind, liegt laut Staudner an den unterschiedlichen Bilanzierungsvorschriften: "Die Finanzvorstände in Europa sind mit dem Handelsgesetzbuch aufgewachsen, wo der vorsichtige Kaufmann eine zentrale Rolle spielt."



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