| Neue Länder: Verarbeitendes Gewerbe wird Wachstumsmotor |
VDI nachrichten, 14.2.2003 Gewiss: Die Arbeitslosenquote ist im Osten noch immer mehr als doppelt so hoch wie im Westen, die Gesamtwirtschaft wächst langsamer als in der alten Bundesrepublik. „Doch solche Daten verbergen wichtige Fortschritte“, erläutert Tobias Just von Deutsche Bank Research. Die Wachstumsrate ist nämlich vor allem deshalb so niedrig, weil die ostdeutsche Bauwirtschaft seit Jahren schrumpft und damit die Bilanz verhagelt. Rechnet man die Bautätigkeit heraus, sind die ostdeutschen Wachstumsraten seit Mitte der 90er Jahre mehr als doppelt so hoch wie jene in Westdeutschland. Das ist kein statistischer Trick, sondern auf Grund der Verzerrung durch den direkt nach der Wende mittels Subventionen völlig überdimensionierten Bausektor gerechtfertigt. Auf das verarbeitende Gewerbe in Ostdeutschland entfällt bisher nur 15,2 % der Bruttowertschöpfung, gemessen an der westdeuten (22,7 %) ist die industrielle Basis mithin – noch – schmal. Auch deshalb schlagen die Erfolge der Industrieunternehmen noch nicht voll auf die gesamte Ostwirtschaft durch. Nach der Wende zunächst rapide geschrumpft, trat seit 1993 eine Industriebranche nach der anderen zum – oft pro Jahr zweistelligen – Wachstumsmarsch an. Der besonders gebeutelte Maschinenbau fasste als letzte Branche Tritt. Seit dem Tiefststand 1999 wird wieder eingestellt: Die Beschäftigung im Maschinenbau stieg bis 2002 um 5,2 % auf rund 91 000, so Siegfried Beer vom Institut für Wirtschaftsforschung (IWH) in Halle. Das IWH und die Deutsche Bank Research bescheinigen den ostdeutschen Industrieunternehmen, dass sie durch Investitionen und Innovationen ihre Wettbewerbsfähigkeit enorm gesteigert haben, was sich in stark zunehmenden Exporten zeigt – schon 22 % aller Güter verkaufen sie auf dem Weltmarkt. Natürlich sind auch die Ostbetriebe durch die Konjunkturflaute verunsichert. Doch nach der jüngsten Umfrage des IWH beurteilen fast zwei Drittel der Firmen ihre aktuelle Geschäftslage weiter als „gut“ oder „eher gut“. Und: Die Ostbetriebe blicken optimistisch ins neue Jahr: 65 % erwarten bessere Geschäfte. Wieder einmal gilt das nicht für die Baufirmen. Deren Lage ist so schlecht, dass selbst die Großaufträge zur Beseitigung der Flutschäden den Abwärtstrend (Bauinvestitionen -10 %) nicht aufhalten konnten. Es ist zu befürchten, dass der weitere Niedergang des Bausektors die Erfolge der Industrie auch 2003 verdecken wird. Seite 5 THILO GROSSER |