Quelle: www.geldanlage-report.de
Hochtief - Krise am Bau? Von wegen!
Auf dem Aktienmarkt sollten antizyklisch orientierte Anleger Bauaktien ins Visier nehmen. Viele Werte aus dem Sektor verfügen momentan über extrem niedrige Bewertungen. Aktien des Dämmstoff-Spezialisten Sto notieren bei einem 2007er und 2008er-KGV von rund acht. Den Zementhersteller Dyckerhoff gibt es sogar zum Siebenfachen des für 2008 erwarteten Nettogewinns.
Beide Unternehmen konnten mit den letzten Quartalszahlen übrigens durchaus überzeugen und übertrafen die Erwartungen der wenigen Analysten, die sich mit den beiden Papieren derzeit beschäftigen.
Gleich tat es Ihnen die Hochtief AG, die von der Größe allerdings in einer anderen Klasse spielt. 2008 wird ein Umsatz von über 17 Milliarden Euro angepeilt. Der MDAX-Konzern ist internationaler ausgerichtet und expandiert über seine australische Tochtergesellschaft Leighton im asiatisch-pazifischen Raum und in der Golfregion.
Die 54-Prozent-Beteiligung an den Australiern macht derzeit 90 Prozent der Marktkapitalisierung von Hochtief aus. Leighton ist auf den Bereich Bergbau spezialisiert und hier bestehen durch den aktuellen Rohstoff-Boom glänzende Entwicklungsmöglichkeiten. Mithin wachsen die Essener wesentlich schneller als die oben genannten Unternehmen.
Zudem lässt sich mit dem Spezialgebiet von Hochtief, das sich als Systemführer bei komplexen baunahen Projekten definiert, wesentlich höhere Gewinnmargen erzielen. Konkret kann man sich darunter große Infrastrukturprojekte wie Flughäfen vorstellen. Mit den vier Modulen Entwicklung, Bau, Dienstleistungen sowie Konzessionen und Betrieb deckt man laut eigenen Angaben den gesamten Lebenszyklus von Infrastrukturprojekten ab.
Ein weiterer Grund dafür, warum die Aktie mit einem 2008er-KGV von 33 auf den ersten Blick sehr ambitioniert bewertet erscheint, sind aber die stillen Reserven aus dem Immobilienbesitz. Diese erweiterte man im Sommer letzten Jahres durch den Kauf der Deutsche Bahn-Immobilientochter Aurelius.
*Immobilienkrise in den USA spielt nur geringe Rolle
Letztlich hängt der Kurs von Hochtief also maßgeblich an der operativen Entwicklung bei Leighton. Und die war im ersten Quartal glänzend: Der Vorsteuergewinn erhöhte sich um satte 67,5 Prozent auf 83 Millionen Euro. Hauptaufgabe für Hochtief ist es damit, die Verluste im europäischen Geschäft einzudämmen.
Auch das gelang im ersten Quartal besser als erwartet. Mit minus 9,4 Millionen Euro gegenüber 25,2 Millionen Euro im Vorjahresquartal gelang eine Verbesserung um etwa zwei Drittel. Es werden in Deutschland keine Aufträge mehr angenommen, die Preisrisiken beinhalten. Besonders beeindruckt zeigten sich die Analysten vom starken Auftragseingang, der auch für die künftigen Quartale auf eine sehr gute Entwicklung hinweist.
Im Vorfeld waren die Auswirkungen der Immobilienkrise auf die US-Tochtergesellschaft des Unternehmens offenbar überschätzt worden. Nun hat die Aktie deutliches Nachholpotenzial.
Die Kursziele wurden von Seiten der Analysten durchweg erhöht. Trotzdem bleiben die Einschätzungen geteilt.
Sociéte Générale rät sogar zum Verkauf der Aktie mit Kursziel 59 Euro. Die Chancen stehen gut, dass die Franzosen erneut falsch liegen werden. Nicht nur, dass die Aussichten für Leighton glänzend sind, auch in Deutschland zeichnet sich - nicht zuletzt durch die restriktive Vorgehensweise bei der Auftragsgewinnung - der Turnaround ab.
MEIN FAZIT:
- Die Aktie von Hochtief leidet zu unrecht unter dem hohen Pessimismus für Bauaktien.
- Die Kombination aus starkem Wachstum bei Leighton und einem möglichen Turnaround im europäischen Geschäft ergibt ein explosives Gemisch, das die Aktie in alte Höhen katapultieren könnte.
- Zudem verfügt das Unternehmen möglicherweise über hohe stille Reserven durch den Immobilienbesitz.
--> Auf dem aktuellen Niveau ist die Aktie ein Kauf!