
Hier gehen die Superreichen auf die Palme
Vor Dubai bauen die Scheichs das achte Weltwunder. Es sind noch Häuser frei …
Von HARALD W. JÜRGENSONN
Rund 120 Kilometer weißer Sandstrand, davor ein künstliches Riff – das ist „The Palm". Schon das Modell ist beeindruckend riesig.
Die Swimmingpools werden runtergekühlt, damit sie bei 40 Grad im Schatten ein bisschen Erfrischung vorgaukeln. Zu jedem Gartenpflänzchen, und sei das Blümchen noch so klein, führt ein Schlauch – Bewässerung mit entsalztem Meerwasser. Das ist Dubai. Heute schon.
Eine fünf Kilometer lange Palme aus aufgeschüttetem Sand, auf solidem Betonfundament stehen 1800 Villen und über hundert Stadthäuser. Im glasklaren Wasser finden Schnorchler in Strandnähe absichtlich ausgeworfene Goldklümpchen. Auch das ist Dubai. Morgen schon.
„The Palm“, die Palme. Schlichter Name für das achte Weltwunder, das Scheich Mohamed Bin Rashid Al Maktoum, Kronprinz des steinreichen Öl-Emirats am Arabischen Golf, bauen lässt. Die kleinste Hütte, vollautomatisiert (der Gast kann von jedem Punkt der Erde aus Kühlschrankinhalt überprüfen, Klimaanlage einschalten und sein Domizil per Webcam überwachen), kostet eine halbe Million Euro. Nur die Superreichen der Welt gehen hier auf die Palme.
Eine 300 Meter lange Brücke verbindet die 80 Millionen Kubikmeter ins Meer gekippte Inselerde mit dem Festland. Tag und Nacht wird gebaut, 2003 werden die ersten Insulaner einziehen. Entweder ins eigene Haus (fast alle Villen sind schon verkauft) oder in eins der 40 Hotels – in Sichtweite steht übrigens das „Burj Al Arab, teuerste Herberge der Welt, einziges Siebensterne-Haus der Welt. Rekorde-Land Dubai – „The Palm“ ist sogar vom Mond aus zu sehen.
Geschmackvoll? Baustile aus der ganzen Welt werden auf der künstlichen Palmen-Insel stehen.
Bis zu 10.000 Menschen soll die Insel fassen – angeblich wollen auch Bill Clinton und David Beckham hier Grundbesitzer werden. Durch die Palmenform des Eilands hat jede Villa eigenen Strand – und natürlich Platz für eine Jacht-Garage.
Wer hier anlegt, hat’s sich aussuchen können: Hacienda-Stil, chinesischer Pavillon oder Südstaaten-Anwesen. 75 Prozent der Käufer kommen aus arabischen Ländern, der Rest aus den USA und Europa.
In rund zehn Jahren soll der sagenhafte Ölreichtum der Emirate zu Ende gehen. Dubai will vorsorgen – Multimillionärs-Tourismus soll weiterhin die Kassen füllen.
In Dubai werden keine Steuern gezahlt, Strom und Wasser sind kostenlos, ärztliche Behandlung ebenfalls. 80 % der Menschen in Dubai sind Gastarbeiter, Einheimische sind die Chefs und kassieren. Auch auf der Palme.