Gruß
EXPRO
BROADVISION
Meldung über Kooperation beflügelt
Broadvision ist einer der Hauptkurrenten von Intershop, der auch sowohl an der Nasdaq als auch am Neuen Markt gelistet ist. Die Analysten der NordLB gehen davon aus, dass Broadvision nach leichten Gewinnen in 1999 (18,8 Mill. $) im Jahr 2000 deutlich in die Verlustzone geraten ist. Parallel stieg aber der Umsatz im Vergleich der ersten neun Monate von 71,8 Mill. $ um 335 % auf 277 Mill. $ . Die Ergebnisse für das vierte Quartal werden am 26. Januar erwartet. Trotz eines starken Kursverfalls überwiegen auch für Broadvision optimistische Analysten-Stimmen: 38 Meinungen sind bei der Nachrichtenagentur Bloomberg zu Broadvision erfasst, 33 raten zum Kauf, 5 zum Halten und ein Experte rät zum Verkauf. Am Freitag hatte noch Analyst Michael Sheldon von Spencer Clarke seine "strong buy"-Empfehlung wiederholt. Als Kursziel auf Sicht von 12 bis 18 Monaten nannte Clarke 72 $. Hintergrund ist die Bekanntgabe vom Donnerstag über eine erweiterte Zusammenarbeit mit der weltweit tätigen Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse-Coopers im Bereich der elektronischen Geschäftsabwicklung.
HANDELSBLATT, Dienstag, 09. Januar 2001
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INTERSHOP
Einstiges Vorzeigeunternehmen hat Probleme in den USA
Die Gewinnwarnung von Intershop hat in der vergangenen Woche Anleger und Analysten wie ein Blitz getroffen. Im vierten Quartal fuhr das Unternehmen einen Verlust von 30 bis 32 Mill. Euro ein. Der Umsatz lag bei 28 bis 30 Mill. Euro – anstatt wie geplant bei 40 bis 50 Mill. Euro. Daraufhin sackte der Aktienkurs bis auf 7,16 Euro ab.
Damit ist nach EM.TV ein weiterer Star am Neuen Markt gestürzt. Viele Banken reagierten prompt mit Herabstufungen. So sieht die Deutsche Bank Intershop nur noch als „Underperformer“, der Wert wird sich demnach also schlechter entwickeln als der Markt. ABN Amro und Sal. Oppenheim raten zu „reduzieren“. Die große Mehrheit der Analysten empfiehlt jedoch, den Wert zu „halten“.
Die Probleme liegen nach Ansicht von Experten vor allem in den USA. Das Unternehmen aus Jena habe Schwierigkeiten, dort seine E-Commerce-Plattform „Enfinity“ zu vertreiben und sich gegen die amerikanische Konkurrenz durchzusetzen. Hinzu komme jetzt ein Abflauen der Konjunktur. Ob es für Intershop in diesem Jahr besser läuft, gilt daher als fraglich.
HANDELSBLATT, Dienstag, 09. Januar 2001
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Software-Branche in der Bringschuld
Nach den schlechten Zahlen von Intershop herrscht große Unsicherheit über die Perspektiven von den E-Commerce-Softwarehäusern. Für Neu-Engagements ist es noch zu früh, sagen Experten.
H. ALICH, S. WILKE
HANDELSBLATT, 9.1.2001
DÜSSELDORF. Nach den guten SAP-Zahlen schöpften Investoren für die Software-Branche gestern neuen Mut. Die erfreuliche Nachricht konnte der Sektor gebrauchen, denn nach den sehr schlechten Zahlen von E-Commerce-Softwareanbieter Intershop warfen Anleger nicht nur die Aktien des Vorzeige-Unternehmens aus dem Depot, sondern verstießen auch die Wettbewerber.
Intershop konnten sich am Montag im Windschatten von SAP leicht erholen. Etwas Wirbel gab es um die Meldung, das Bundesaufsichtsamt für Wertpapierhandel ermittele gegen Intershop. Wie das Amt aber am Abend erklärte, sei die Umsatz- und Gewinnwarnung von Intershop routinemäßig geprüft worden, Hinweise auf eine Pflichtverletzung hätten sich dabei nicht ergeben.
Leicht rauf ging es ebenso für Art Technology; nicht profitieren konnte dagegen die Aktie von Broadvision. Fondsmanager und Analysten warnen: Es ist noch zu früh, sich schon wieder den tief gefallenen Aktien von Software-Anbieter zuzuwenden, die Systeme für den Verkauf von Produkten im Internet programmieren. „Investoren sollten zunächst die nächsten Quartalszahlen abwarten“, meint Oliver Graf Wrangel von Merck Finck & Co. Auch Michael Fraikin, Fondsmanager des Invesco Neue Märkte, sieht Intershop, Broadvision und Co. noch in der Beweispflicht, dass die Unternehmen nachhaltiges Wachstum generieren können.
„Die Quartalszahlen der Wettbewerber werden zeigen, ob nur Intershop in den USA Schwierigkeiten hat oder ob es auch die anderen trifft“, sagt Fraikin. „Technologie-Investoren sollten SAP bevorzugen, um die nächsten Stürme abzuwarten“, rät daher Merijn Nederveen von ABN Amro. Die kleineren Software-Anbieter seien derzeit zu riskant im Verhältnis zu den Gewinnchancen, da noch zu viel Unsicherheit vorherrsche über die IT-Ausgaben, vor allem in den USA. Bei einem großem Wert seien Anleger in dieser Lage besser aufgehoben.
Uwe Barth, IT-Analyst bei der Landesbank Baden Württemberg, glaubt, dass die Probleme von Intershop „unternehmensspezifisch“ und die Wettbewerber weniger betroffen seien. Intershop habe vor allem Schwierigkeiten, den Vertrieb in den USA aufzubauen. So musste Intershop-Finanzvorstand Wilfried Beeck in der vergangenen Woche eingestehen, dass der Umsatz in den USA im letzten Quartal um rund 80 % hinter den Erwartungen zurück geblieben sei.
„Die US-Unternehmen Broadvision und ATG sind aggressiver im Vertrieb“, analysiert er. „Intershop tut sich dagegen schwer bei den großen amerikanischen Unternehmen.“ Auch Karl-Heinz Gödeckemeyer von Hornblower Fischer kritisiert, dass es Intershop bisher nicht gelungen sei, einen Markennamen in den USA aufzubauen.
Unsicherheit über das weitere Wachstum
Da sieht Barth Wettbewerber Broadvision im Vorteil, zumal Broadvision seine Produkte selbst bei den Kunden implentiere. „Das bringt mehr Kundennähe“, sagt Barth. Intershop müsse sich dagegen auf zwischengeschaltete Integratoren verlassen. Doch auch bei Broadvision ist der Analyst von der Baden-Württembergischen Landesbank kritisch: „Das Unternehmen macht zwar Gewinn, aber die Gewinndynamik lässt nach.“ Der Aktienkurs von Broadvision ist schon vor der Gewinnwarnung von Intershop deutlich nach unten gegangen. Barth begründet den Kursrutsch damit, dass die US-Investmentbank Goldman Sachs den Wert von ihrer Empfehlungsliste genommen habe. Langfristig ist der Analyst aber für die gesamte Branche optimistisch: „Der Prozess ist noch nicht abgeschlossen. Es gibt viele Unternehmen, die noch eine Internetlösung brauchen.“
Das sieht auch Fondsmanager Michael Fraikin von Invesco so, der noch Bestände an Intershop und Broadvision in seinem Fonds hält. Er verweist darauf, dass die Umsatzentwicklung von Intershop in Europa den Erwartungen entsprochen habe. „Aber Intershop muss auch eine starke Stellung in den USA erobern“, sagt er. Oliver Graf Wrangel von Merck Finck & Co. spricht zwar auch den E-Business-Softwarehäusern noch Wachstumschancen zu. Aber angesichts der nervösen Lage in den USA kann sich der Aktienexperte noch die eine oder andere Gewinnwarnung aus der Branche vorstellen. Anleger sollten auf der Hut bleiben.
EXPRO
BROADVISION
Meldung über Kooperation beflügelt
Broadvision ist einer der Hauptkurrenten von Intershop, der auch sowohl an der Nasdaq als auch am Neuen Markt gelistet ist. Die Analysten der NordLB gehen davon aus, dass Broadvision nach leichten Gewinnen in 1999 (18,8 Mill. $) im Jahr 2000 deutlich in die Verlustzone geraten ist. Parallel stieg aber der Umsatz im Vergleich der ersten neun Monate von 71,8 Mill. $ um 335 % auf 277 Mill. $ . Die Ergebnisse für das vierte Quartal werden am 26. Januar erwartet. Trotz eines starken Kursverfalls überwiegen auch für Broadvision optimistische Analysten-Stimmen: 38 Meinungen sind bei der Nachrichtenagentur Bloomberg zu Broadvision erfasst, 33 raten zum Kauf, 5 zum Halten und ein Experte rät zum Verkauf. Am Freitag hatte noch Analyst Michael Sheldon von Spencer Clarke seine "strong buy"-Empfehlung wiederholt. Als Kursziel auf Sicht von 12 bis 18 Monaten nannte Clarke 72 $. Hintergrund ist die Bekanntgabe vom Donnerstag über eine erweiterte Zusammenarbeit mit der weltweit tätigen Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse-Coopers im Bereich der elektronischen Geschäftsabwicklung.
HANDELSBLATT, Dienstag, 09. Januar 2001
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INTERSHOP
Einstiges Vorzeigeunternehmen hat Probleme in den USA
Die Gewinnwarnung von Intershop hat in der vergangenen Woche Anleger und Analysten wie ein Blitz getroffen. Im vierten Quartal fuhr das Unternehmen einen Verlust von 30 bis 32 Mill. Euro ein. Der Umsatz lag bei 28 bis 30 Mill. Euro – anstatt wie geplant bei 40 bis 50 Mill. Euro. Daraufhin sackte der Aktienkurs bis auf 7,16 Euro ab.
Damit ist nach EM.TV ein weiterer Star am Neuen Markt gestürzt. Viele Banken reagierten prompt mit Herabstufungen. So sieht die Deutsche Bank Intershop nur noch als „Underperformer“, der Wert wird sich demnach also schlechter entwickeln als der Markt. ABN Amro und Sal. Oppenheim raten zu „reduzieren“. Die große Mehrheit der Analysten empfiehlt jedoch, den Wert zu „halten“.
Die Probleme liegen nach Ansicht von Experten vor allem in den USA. Das Unternehmen aus Jena habe Schwierigkeiten, dort seine E-Commerce-Plattform „Enfinity“ zu vertreiben und sich gegen die amerikanische Konkurrenz durchzusetzen. Hinzu komme jetzt ein Abflauen der Konjunktur. Ob es für Intershop in diesem Jahr besser läuft, gilt daher als fraglich.
HANDELSBLATT, Dienstag, 09. Januar 2001
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Software-Branche in der Bringschuld
Nach den schlechten Zahlen von Intershop herrscht große Unsicherheit über die Perspektiven von den E-Commerce-Softwarehäusern. Für Neu-Engagements ist es noch zu früh, sagen Experten.
H. ALICH, S. WILKE
HANDELSBLATT, 9.1.2001
DÜSSELDORF. Nach den guten SAP-Zahlen schöpften Investoren für die Software-Branche gestern neuen Mut. Die erfreuliche Nachricht konnte der Sektor gebrauchen, denn nach den sehr schlechten Zahlen von E-Commerce-Softwareanbieter Intershop warfen Anleger nicht nur die Aktien des Vorzeige-Unternehmens aus dem Depot, sondern verstießen auch die Wettbewerber.
Intershop konnten sich am Montag im Windschatten von SAP leicht erholen. Etwas Wirbel gab es um die Meldung, das Bundesaufsichtsamt für Wertpapierhandel ermittele gegen Intershop. Wie das Amt aber am Abend erklärte, sei die Umsatz- und Gewinnwarnung von Intershop routinemäßig geprüft worden, Hinweise auf eine Pflichtverletzung hätten sich dabei nicht ergeben.
Leicht rauf ging es ebenso für Art Technology; nicht profitieren konnte dagegen die Aktie von Broadvision. Fondsmanager und Analysten warnen: Es ist noch zu früh, sich schon wieder den tief gefallenen Aktien von Software-Anbieter zuzuwenden, die Systeme für den Verkauf von Produkten im Internet programmieren. „Investoren sollten zunächst die nächsten Quartalszahlen abwarten“, meint Oliver Graf Wrangel von Merck Finck & Co. Auch Michael Fraikin, Fondsmanager des Invesco Neue Märkte, sieht Intershop, Broadvision und Co. noch in der Beweispflicht, dass die Unternehmen nachhaltiges Wachstum generieren können.
„Die Quartalszahlen der Wettbewerber werden zeigen, ob nur Intershop in den USA Schwierigkeiten hat oder ob es auch die anderen trifft“, sagt Fraikin. „Technologie-Investoren sollten SAP bevorzugen, um die nächsten Stürme abzuwarten“, rät daher Merijn Nederveen von ABN Amro. Die kleineren Software-Anbieter seien derzeit zu riskant im Verhältnis zu den Gewinnchancen, da noch zu viel Unsicherheit vorherrsche über die IT-Ausgaben, vor allem in den USA. Bei einem großem Wert seien Anleger in dieser Lage besser aufgehoben.
Uwe Barth, IT-Analyst bei der Landesbank Baden Württemberg, glaubt, dass die Probleme von Intershop „unternehmensspezifisch“ und die Wettbewerber weniger betroffen seien. Intershop habe vor allem Schwierigkeiten, den Vertrieb in den USA aufzubauen. So musste Intershop-Finanzvorstand Wilfried Beeck in der vergangenen Woche eingestehen, dass der Umsatz in den USA im letzten Quartal um rund 80 % hinter den Erwartungen zurück geblieben sei.
„Die US-Unternehmen Broadvision und ATG sind aggressiver im Vertrieb“, analysiert er. „Intershop tut sich dagegen schwer bei den großen amerikanischen Unternehmen.“ Auch Karl-Heinz Gödeckemeyer von Hornblower Fischer kritisiert, dass es Intershop bisher nicht gelungen sei, einen Markennamen in den USA aufzubauen.
Unsicherheit über das weitere Wachstum
Da sieht Barth Wettbewerber Broadvision im Vorteil, zumal Broadvision seine Produkte selbst bei den Kunden implentiere. „Das bringt mehr Kundennähe“, sagt Barth. Intershop müsse sich dagegen auf zwischengeschaltete Integratoren verlassen. Doch auch bei Broadvision ist der Analyst von der Baden-Württembergischen Landesbank kritisch: „Das Unternehmen macht zwar Gewinn, aber die Gewinndynamik lässt nach.“ Der Aktienkurs von Broadvision ist schon vor der Gewinnwarnung von Intershop deutlich nach unten gegangen. Barth begründet den Kursrutsch damit, dass die US-Investmentbank Goldman Sachs den Wert von ihrer Empfehlungsliste genommen habe. Langfristig ist der Analyst aber für die gesamte Branche optimistisch: „Der Prozess ist noch nicht abgeschlossen. Es gibt viele Unternehmen, die noch eine Internetlösung brauchen.“
Das sieht auch Fondsmanager Michael Fraikin von Invesco so, der noch Bestände an Intershop und Broadvision in seinem Fonds hält. Er verweist darauf, dass die Umsatzentwicklung von Intershop in Europa den Erwartungen entsprochen habe. „Aber Intershop muss auch eine starke Stellung in den USA erobern“, sagt er. Oliver Graf Wrangel von Merck Finck & Co. spricht zwar auch den E-Business-Softwarehäusern noch Wachstumschancen zu. Aber angesichts der nervösen Lage in den USA kann sich der Aktienexperte noch die eine oder andere Gewinnwarnung aus der Branche vorstellen. Anleger sollten auf der Hut bleiben.