Goldpreis steigt kurz über 300 Dollar
Notiz erreicht höchsten Stand seit zwei Jahren. Edelmetall profitiert von der Angst vor Pleiten
Von Annette C. Müller
Berlin - Der Goldpreis ist derzeit nicht zu stoppen. Die Notierung für die Feinunze Gold ist seit Januar um sieben Prozent gestiegen und hat gestern die 300 Dollar-Marke geknackt. Die Feinunze notierte im Handelsverlauf bei 306 Dollar - das ist der höchste Stand seit Januar 2000. Von dieser Entwicklung profitieren auch die Aktien von Goldminenbetreibern. Der ASX Gold Index, der 21 australische Goldaktien zusammenfasst, kletterte gestern auf das höchste Niveau seit fünf Jahren.
"Hinter diesem Preisanstieg steckt hauptsächlich Angst - und zwar vor weiteren Kursverlusten an den Aktienmärkten", sagt Ulf Moritzen, Fondsmanager bei Nordinvest. Nach der spektakulären Pleite des Energieriesen Enron in den USA, gepaart mit abenteuerlichen Bilanzfälschungen, flüchteten Anleger wieder in sichere Häfen wie den Goldmarkt. Und da Investoren weitere Pleiten und Ungereimtheiten in Bilanzen befürchteten, gerieten die Aktienmärkte seit Tagen unter Druck. "Diese Gemengelage führt dazu, dass Anleger ihr Geld in Gold parken", erklärt Karlheinz Jockel, Edelmetallhändler bei Dresdner Kleinwort Wasserstein.
Anleger gehen wieder auf Nummer sicher. Denn gleichzeitig mehren sich nach Äußerungen von US-Präsident George W. Bush die Anzeichen, dass die Amerikaner bei ihrem Kampf gegen die Terroristen den Irak als nächstes Angriffsziel ins Visier nehmen könnten. "Dieser Konflikt schwebt über den Märkten, und wenn es zu einer Attacke kommen sollte, würde der Goldpreis weiter steigen", sagt Michael Blumenroth, Edelmetallhändler bei der Deutschen Bank. Dies war bereits mehrere Wochen während des Afghanistan-Krieges der Fall. Da der Krieg schneller als erwartet zu Ende ging, flaute das Interesse an dem glänzenden Metall aber schnell wieder ab.
Experten gehen davon aus, dass der Goldpreis diesmal länger durchhalten wird. Der Goldpreis wird nach Schätzungen von Blumenroth auf 320 Dollar bis 340 Dollar je Feinunze im laufenden Jahr steigen. Die Goldproduzenten haben für den Preisauftrieb mittlerweile die Weichen gestellt: Die beiden führenden Goldminenbetreiber Anglo Gold und Normandy haben in den vergangenen Tagen ihre Terminverkäufe reduziert. Bislang haben die Branchenriesen ihre Produktion mit sogenannten Hedgegeschäften für zwei bis drei Jahre im voraus verkauft, um so ihre hohen Investitionskosten zu decken. Anglo Gold, Südafrikas größter Goldminenbetreiber, hat zum Beispiel die Menge an kurgesichertem Gold von 16 Millionen auf zehn Millionen Feinunzen reduziert. Jockel: "Wenn nun Vorverkäufe wegfallen, sinkt das Goldangebot, und die Preise steigen." Die Stimmung am Markt habe deswegen ins Positive gedreht.
Allerdings ist die Preisentwicklung auch davon abhängig, wie stark einige Staaten noch ihre Goldreserven abschmelzen. Die britische Notenbank wird nach Angaben von Analysten im März 20 Tonnen Gold auf den Markt bringen. Auch die Schweiz will sich von Reserven trennen. Dies dürften aber vorerst die letzten größeren Goldverkäufe der Notenbanken sein.
Langfristig wird sich Gold weiter verknappen, wie die Übernahmewelle in der stark fragmentierten Goldminenbranche zeigt. Der US-Riese Newmont will die australische Goldminengesellschaft Normandy schlucken und setzt zum Sprung an die Weltspitze an. Im Sommer vergangenen Jahres waren bereits die US-Konzerne Barrick und Homestake zum zweitgrößten Goldproduzenten verschmolzen. Die Gesellschaften haben bereits angekündigt, weniger profitable Minen zu schließen.
"Mit dieser fortschreitenden Konzentrationsbewegung wird sich ein Oligopol bilden", prognostiziert Händler Blumenroth. Diese wenigen Anbieter gewinnen damit an Macht, steigende Preise durchzusetzen. Anleger, die in Gold oder die spekulativeren Goldminenaktien investieren, können nur davon profitieren.
Notiz erreicht höchsten Stand seit zwei Jahren. Edelmetall profitiert von der Angst vor Pleiten
Von Annette C. Müller
Berlin - Der Goldpreis ist derzeit nicht zu stoppen. Die Notierung für die Feinunze Gold ist seit Januar um sieben Prozent gestiegen und hat gestern die 300 Dollar-Marke geknackt. Die Feinunze notierte im Handelsverlauf bei 306 Dollar - das ist der höchste Stand seit Januar 2000. Von dieser Entwicklung profitieren auch die Aktien von Goldminenbetreibern. Der ASX Gold Index, der 21 australische Goldaktien zusammenfasst, kletterte gestern auf das höchste Niveau seit fünf Jahren.
"Hinter diesem Preisanstieg steckt hauptsächlich Angst - und zwar vor weiteren Kursverlusten an den Aktienmärkten", sagt Ulf Moritzen, Fondsmanager bei Nordinvest. Nach der spektakulären Pleite des Energieriesen Enron in den USA, gepaart mit abenteuerlichen Bilanzfälschungen, flüchteten Anleger wieder in sichere Häfen wie den Goldmarkt. Und da Investoren weitere Pleiten und Ungereimtheiten in Bilanzen befürchteten, gerieten die Aktienmärkte seit Tagen unter Druck. "Diese Gemengelage führt dazu, dass Anleger ihr Geld in Gold parken", erklärt Karlheinz Jockel, Edelmetallhändler bei Dresdner Kleinwort Wasserstein.
Anleger gehen wieder auf Nummer sicher. Denn gleichzeitig mehren sich nach Äußerungen von US-Präsident George W. Bush die Anzeichen, dass die Amerikaner bei ihrem Kampf gegen die Terroristen den Irak als nächstes Angriffsziel ins Visier nehmen könnten. "Dieser Konflikt schwebt über den Märkten, und wenn es zu einer Attacke kommen sollte, würde der Goldpreis weiter steigen", sagt Michael Blumenroth, Edelmetallhändler bei der Deutschen Bank. Dies war bereits mehrere Wochen während des Afghanistan-Krieges der Fall. Da der Krieg schneller als erwartet zu Ende ging, flaute das Interesse an dem glänzenden Metall aber schnell wieder ab.
Experten gehen davon aus, dass der Goldpreis diesmal länger durchhalten wird. Der Goldpreis wird nach Schätzungen von Blumenroth auf 320 Dollar bis 340 Dollar je Feinunze im laufenden Jahr steigen. Die Goldproduzenten haben für den Preisauftrieb mittlerweile die Weichen gestellt: Die beiden führenden Goldminenbetreiber Anglo Gold und Normandy haben in den vergangenen Tagen ihre Terminverkäufe reduziert. Bislang haben die Branchenriesen ihre Produktion mit sogenannten Hedgegeschäften für zwei bis drei Jahre im voraus verkauft, um so ihre hohen Investitionskosten zu decken. Anglo Gold, Südafrikas größter Goldminenbetreiber, hat zum Beispiel die Menge an kurgesichertem Gold von 16 Millionen auf zehn Millionen Feinunzen reduziert. Jockel: "Wenn nun Vorverkäufe wegfallen, sinkt das Goldangebot, und die Preise steigen." Die Stimmung am Markt habe deswegen ins Positive gedreht.
Allerdings ist die Preisentwicklung auch davon abhängig, wie stark einige Staaten noch ihre Goldreserven abschmelzen. Die britische Notenbank wird nach Angaben von Analysten im März 20 Tonnen Gold auf den Markt bringen. Auch die Schweiz will sich von Reserven trennen. Dies dürften aber vorerst die letzten größeren Goldverkäufe der Notenbanken sein.
Langfristig wird sich Gold weiter verknappen, wie die Übernahmewelle in der stark fragmentierten Goldminenbranche zeigt. Der US-Riese Newmont will die australische Goldminengesellschaft Normandy schlucken und setzt zum Sprung an die Weltspitze an. Im Sommer vergangenen Jahres waren bereits die US-Konzerne Barrick und Homestake zum zweitgrößten Goldproduzenten verschmolzen. Die Gesellschaften haben bereits angekündigt, weniger profitable Minen zu schließen.
"Mit dieser fortschreitenden Konzentrationsbewegung wird sich ein Oligopol bilden", prognostiziert Händler Blumenroth. Diese wenigen Anbieter gewinnen damit an Macht, steigende Preise durchzusetzen. Anleger, die in Gold oder die spekulativeren Goldminenaktien investieren, können nur davon profitieren.
