Die konkrete namentliche Bieterstruktur für die US-Kunststofftochter Centor Inc. ist aktuell nicht öffentlich bekannt, da der Prozess unter strikter Vertraulichkeit geführt wird.
Es wurden jedoch offizielle Rahmendaten zum Kreis der Interessenten und dem Ablauf kommuniziert
Zweistellige Anzahl an Interessenten: Nach Angaben der Gerresheimer AG ist das Verfahren im Frühjahr mit mehr als zehn potenziellen Käufern in die erste Phase gestartet.
Art der Bieter: In Finanzkreisen wird davon ausgegangen, dass sich die Struktur primär aus Private-Equity-Investoren (Finanzinvestoren) und strategischen Wettbewerbern aus der Verpackungs- und Pharmabezugsbranche zusammensetzt.
Prozessführung: Die Federführung und Organisation des Bieterverfahrens liegt bei der beauftragten Investmentbank Morgan Stanley & Co. International plc.
Zeitfenster für den Deal: Damit ist der rechtliche Druck vorerst genommen. Gerresheimer strebt operativ an, den Centor-Verkauf noch im Laufe des Jahres 2026 vollständig zu vollziehen, um die Bilanz rechtzeitig nachhaltig zu entlasten.
Finanzielle Ziele und erwarteter Erlös
Da Centor als Perle im Portfolio gilt und hochprofitabel Verpackungssysteme für verschreibungspflichtige Medikamente in den USA vertreibt, hängen die Hoffnungen des Marktes fast vollständig an dieser Transaktion:
Ziel des Erlöses: Der Verkaufserlös soll primär dazu verwendet werden, die massiven Nettofinanzschulden von gut 2 Milliarden Euro drastisch zu senken und die zukünftige Refinanzierung des Konzerns zu sichern.
Erwartete Bewertung: Obwohl das Management aus taktischen Gründen im laufenden Bieterverfahren keine konkrete Summe nennt, schätzen Finanzanalysten den Wert von Centor im aktuellen Marktumfeld auf einen hohen dreistelligen Millionen- bis hin zu einem niedrigen Milliardenbetrag. (Zur Einordnung: Gerresheimer selbst hatte Centor im Jahr 2015 für rund 725 Millionen US-Dollar erworben).
Dringlichkeit durch Cashflow-Druck: Die Erlöse werden dringend benötigt, da Gerresheimer für das Gesamtjahr 2026 wegen operativer Verzögerungen bei neuen Produktionsanlagen einen negativen Free Cashflow zwischen minus 50 und minus 100 Millionen Euro prognostiziert.
Die finanzielle Erholung der Gerresheimer AG hängt massiv vom Hebel des Verschuldungsgrads (Net Debt / EBITDA) ab. Nach der Bereinigung des Konzernabschlusses für das Geschäftsjahr 2025 lag dieser Wert bei kritischen 4,95x.
Die folgende Übersicht verdeutlicht anhand von Finanzdaten und Analystenschätzungen, wie drastisch sich das Verhältnis nach dem angestrebten Verkauf von Centor Inc. entspannen könnte.
Status Quo vor dem Verkauf (Geschäftsjahr 2025)
Nettofinanzschulden: ca. 2,03 bis 2,07 Milliarden Euro
Bereinigtes EBITDA 2025: 384,0 Millionen Euro (nach Abzug von Bilanzkorrekturen)
Verschuldungsgrad (Leverage): 4,95x (Kreditinstitute fordern üblicherweise Werte deutlich unter 3,0x).
Simulation: Der Effekt des Centor-Verkaufs
Da das Management für das laufende Geschäftsjahr 2026 von einem leichten Umsatzwachstum (2,3 bis 2,4 Mrd. Euro) bei einer EBITDA-Marge von 17 bis 18 % ausgeht, beläuft sich das prognostizierte operative Basis-EBITDA für 2026 (ohne Centor-Abgang) auf schätzungsweise 390 bis 430 Millionen Euro.
Je nach tatsächlich erzieltem Verkaufserlös für Centor verschieben sich die Kennzahlen wie folgt: Siehe Anhang
Fazit & Ausblick
Der Entlastungseffekt: Ein Verkauf im Bereich der Markterwartungen (~900 Mio. Euro) drückt den Verschuldungsgrad sofort von knapp 5,0x auf fast 3,2x.
Zielmarke: Damit würde sich das Unternehmen den historisch gewohnten Zielkorridoren (Net Debt/EBITDA von ca. 2,5x bis 3,0x) rasch wieder annähern und den akuten Druck bei der für Herbst geplanten Gesamtrefinanzierung komplett herausnehmen.
(Verkleinert auf 76%)

