City of London ist ein britischer Investment Trust, also eine börsennotierte Beteiligungsgesellschaft mit geschlossenem Kapital. Man kauft hier also kein einzelnes Geschäftsmodell, sondern ein aktiv gemanagtes Portfolio aus vor allem britischen Standardwerten. Die Wurzeln reichen bis 1860 als Brauereiunternehmen zurück; 1932 wurde daraus ein Investment Trust, 1968 verschwand das restliche Brauereigeschäft, und seit 1997 firmiert das Vehikel unter dem heutigen Namen. Gemanagt wird es seit 1991 von Job Curtis, seit 2021 unterstützt von David Smith.
Das Anlageziel ist klar und unspektakulär: langfristiges Wachstum von Einkommen und Kapital, hauptsächlich über an der London Stock Exchange notierte Aktien. Genau deshalb ist City of London für mich kein Titel für spektakuläre Kursfantasien, sondern ein klassischer Einkommens- und Qualitätsbaustein. Das Portfolio ist stark auf Großbritannien fokussiert, aber nicht rein von der britischen Binnenkonjunktur abhängig, weil ein großer Teil der Beteiligungen seine Umsätze international verdient. Ende Februar 2026 lagen die zehn größten Positionen unter anderem in HSBC, Shell, British American Tobacco, BAE Systems, Unilever, NatWest, AstraZeneca, Lloyds, Imperial Brands und Tesco. Sektorseitig dominieren Finanzwerte mit 33,8 Prozent und Consumer Staples mit 19,2 Prozent; dazu kommen Gesundheitswerte, Industrie, Energie, Immobilien und Versorger. Das ist defensiv, cashflow-orientiert und klar auf Ausschüttungsstärke gebaut.
Fundamental wirkt der Trust solide. Im Geschäftsjahr bis 30. Juni 2025 lag der NAV-Gesamtertrag bei 16,8 Prozent und damit über dem FTSE All-Share mit 11,2 Prozent. Die Einnahmen deckten die Dividende: Der Gewinn auf Revenue-Basis lag bei 21,6 Pence je Aktie, die Dividende bei 21,3 Pence. Die Revenue Reserve stieg auf 9,9 Pence je Aktie, das laufende Kostenverhältnis lag bei sehr niedrigen 0,36 Prozent und das Gearing zum Geschäftsjahresende bei moderaten 5,3 Prozent. Das sind für einen Income-Trust genau die Kennzahlen, die ich sehen will: niedrige Kosten, vernünftige Hebelung, Dividenden aus laufenden Erträgen statt aus der Substanz.
Der eigentliche Kern der Investmentstory ist die Dividende. City of London hat seine Ausschüttung seit 1966 jedes Jahr erhöht und hatte im Annual Report 2025 damit 59 aufeinanderfolgende Erhöhungen erreicht, die längste Serie unter Investment Trusts. Im Halbjahresbericht per 31. Dezember 2025 meldete der Trust zwei bereits erklärte Zwischenausschüttungen von zusammen 10,8 Pence und sprach ausdrücklich davon, dass Portfolio, Cashflow und Revenue Reserve genug Zuversicht gäben, die Gesamtjahresdividende zum 60. Mal in Folge anzuheben. Per 10. April 2026 war bereits die nächste Quartalsdividende von 5,65 Pence mit Ex-Tag 23. April und Zahlung 29. Mai 2026 ausgewiesen. Das ist keine Nebensache, sondern die eigentliche Identität dieses Trusts.
Zur Bewertung am 11. April 2026: Hier liegt der Knackpunkt. Der Trust ist nicht offenkundig billig. Auf der Janus-Henderson-Seite lag der Kurs am 9. April bei 566,0 Pence, der geschätzte NAV bei 560,28 Pence und der Trust damit leicht über NAV. Am 10. April wurde die Aktie um 570 Pence gehandelt; die angezeigte Premium-Bewertung lag je nach Quelle bei rund 1,0 bis 1,6 Prozent. Das heißt klar: Wer hier auf eine tiefe Unterbewertung oder einen fetten Discount spekuliert, liegt falsch. Man kauft Qualität, Verlässlichkeit und Historie, aber aktuell keinen offensichtlichen Schnäppcheneinstieg. (GWP)
Die jüngere Performance ist ordentlich. Zum Halbjahr per 31. Dezember 2025 lag der NAV-Total-Return über ein Jahr bei 27,2 Prozent und der Share-Price-Total-Return bei 28,1 Prozent. Auf Sicht von zehn Jahren wies der Trust per Halbjahresbericht 121,0 Prozent NAV-Gesamtertrag und 117,6 Prozent Kursgesamtertrag aus. Per AIC-Daten lagen die NAV-Gesamterträge per 9. April 2026 bei 41,3 Prozent auf ein Jahr, 58,0 Prozent auf drei Jahre, 86,8 Prozent auf fünf Jahre und 138,9 Prozent auf zehn Jahre. Das zeigt zwei Dinge: Erstens liefert City of London langfristig sehr brauchbare Ergebnisse. Zweitens ist das kein Wunderwerk, sondern solides Compounding aus Dividenden, Disziplin und relativ konservativer Titelauswahl. (documents.janushenderson.com)
Für die nächsten 5 bis 15 Jahre halte ich City of London für einen guten, aber nicht aufregenden Kernwert für einkommensorientierte Anleger. Die Chancen liegen auf der Hand: niedrige Kosten, lange Managementkontinuität, Ausschüttungsfokus, überwiegend große und liquide Beteiligungen, dazu die Möglichkeit, dass britische Aktien über Jahre eine Bewertungsaufholung erleben. Der Chairman hat Ende Februar 2026 ausdrücklich darauf hingewiesen, dass UK-Aktien aus Sicht des Boards weiter attraktiv bewertet seien und im Vergleich zu anderen Märkten attraktive Dividendenrenditen böten. Das passt zur Grundthese. Das Risiko liegt aber ebenso offen auf dem Tisch: Der Trust ist kein Wachstumsmonster, er ist stark in Banken, Versicherungen, defensiven Konsumwerten und klassischen Dividendenzahlern investiert. Wenn die großen US-Wachstumswerte das Marktgeschehen wieder dominieren oder wenn britische Value-Titel strukturell billig bleiben, kann City of London lange nur ordentlich, aber nicht überragend abschneiden. (documents.janushenderson.com)
Meine Einschätzung ist deshalb ziemlich klar: Als Einkommensinvestment finde ich City of London stark. Als Kursrakete finde ich den Titel unattraktiv. Für einen konservativen Anleger mit 5 bis 15 Jahren Horizont ist das eher ein Depotanker als ein Renditeturbo. Im Basisszenario halte ich auf Sicht von 12 bis 24 Monaten Kurse von etwa 600 bis 630 Pence für plausibel, also grob getragen von leicht steigendem NAV, einer weiter wachsenden Dividende und einer Bewertung um NAV bis leicht darüber. Im optimistischen Szenario, falls UK-Aktien stärker aufgewertet werden, sehe ich 660 bis 700 Pence. Im negativen Szenario, bei schwächerem UK-Markt und Rückkehr zu einem kleinen Discount, halte ich 500 bis 530 Pence für möglich. Über 5 bis 15 Jahre traue ich dem Trust eher eine durchschnittliche jährliche Gesamtrendite im hohen einstelligen Bereich zu als spektakuläre Kursgewinne. Der Charme liegt hier im Mix aus Ausschüttung, Stabilität und Disziplin.
Unterm Strich ist City of London Investment Trust für mich ein guter Langfristtitel für Anleger, die verlässliches Dividendeneinkommen und solide Gesamtperformance suchen. Wer dagegen maximale Wachstumsdynamik oder eine glasklare Unterbewertung sucht, ist hier falsch. Ich würde den Trust daher als hochwertigen Income-Compounder einstufen, aber nicht als offensiven Kauf zu jedem Preis. Gerade weil die Aktie leicht über NAV notiert, ist das eher ein Wert für disziplinierte Einstiege als für Euphorie.
Autor: ChatGPT