"18-01-2007 Russischer Pressespiegel von RIA
Pressespiegel aus Russland 18.01.2007
„Kommersant“: TNK-BP droht Lizenzentzug für Kowykta - Gasprom will einsteigen
Die russische Regierungsbehörde für Kontrolle über Naturnutzung (Rosprirodnadsor) hat am Mittwoch eine Prüfung des Lizenzabkommens über die Erschließung des Vorkommens Kowykta initiiert. Momentan wird das Vorkommen vom Ölunternehmen TNK-BP kontrolliert.
Die Prüfung soll bis zum 26. Januar abgeschlossen werden. Bis dahin wird das Unternehmen die vom Abkommen vorgesehene Jahresförderung von neun Milliarden Kubikmeter Gas nicht gewährleisten können, insofern droht ihm ein Lizenzentzug, schreibt die Tageszeitung „Kommersant“ am Donnerstag.
Branchenexperten sind der Ansicht, dass sich in Kowykta dasselbe Szenario abspielt, wie es bereits beim Projekt Sachalin-2 verwirklicht wurde: Die Beanstandungen der Naturschutzbehörden werden zurückgenommen, sobald der Konzern Gasprom ins Projekt einsteigt.
Die Lizenz für den Abbau des Vorkommens Kowykta, dessen Vorräte auf 2,1 Billionen Kubikmeter Gas geschätzt werden, gehört dem Unternehmen Russia Petroleum, in dem TNK-BP 62,4 Prozent gehören.
TNK-BP ist nicht berechtigt, Gas zu exportieren, weil dem Konzern Gasprom das Monopolrecht für den Export aus Russland gehört. Gegenwärtig verhandeln Gasprom und TNK-BP über ein Einstieg des Gasmonopolisten ins Projekt. Gasprom-Vorstandsmitglied Alexander Medwedew erklärte in einer Pressekonferenz am Mittwoch: „Es gibt Bedingungen eines Lizenzabkommens, die deren Inhaber erfüllen muss. Es gibt auch eine Einigung mit TNK-BP, dass die Erschließung des Vorkommens ein Teil des gesamten Programms über Ostsibirien und den Fernen Osten sein muss.“ Das Programm wird von Gasprom konzipiert. Der Monopolist besteht darauf, dass Kowykta nicht vor 2015 erschlossen werden soll.
„Die Situation kann die Russia-Petroleum-Aktionäre zwingen, den von Gasprom vorgeschlagenen Bedingungen zuzustimmen“, meint Alexander Blochin, Analyst des Unternehmens Ak Bars Finans. Nach Ansicht des MDM-Bank-Analysten Andrej Gromadin könnte TNK-BP den Lizenzentzug eventuell verhindern, wenn das Unternehmen einen Teil seiner Russia-Petroleum-Aktien an Gasprom abtritt.
Für Verhandlungen mit Gasprom stehen TNK-BP noch einige Monate zur Verfügung, die die Behörden der Gesellschaft Russia Petroleum zur Beseitigung der bei der Prüfung festgestellten Mängel bereitstellen müssen. Das Prozedere des Lizenzentzugs kann erst nach einer wiederholten Prüfung beginnen.
„Wedomosti“: Importzölle für ausländische Flugzeuge in Russland herabgesetzt
Die Einfuhrzölle für zivile Maschinen, die in Russland nicht gebaut werden können, sollen von 20 auf acht bis zehn Prozent herabgesetzt werden, berichtet die Tageszeitung „Wedomosti“ am Donnerstag.
Russische Fluggesellschaften hatten seit langem um eine Herabsetzung der Zölle gebeten, weil sie beim Kauf von Maschinen zusätzlich eine 18-prozentige Mehrwertsteuer zahlen müssen. Das Ministerium für Wirtschaftsentwicklung und Handel hatte im Frühjahr 2006 zwar vorgeschlagen, diese Steuer für die Fluggesellschaften abzuschaffen, doch das Finanzministerium stimmte dagegen. Das Ministerium für Verkehrswesen schlug nach mehreren Flugzeugunglücken vor, den Zoll abzuschaffen.
Am Mittwoch beschloss die behördenübergreifende Kommission für Marktschutzmaßnahmen, den Zoll für die Maschinen, die in Russland nicht gebaut werden können, auf acht Prozent herabzusetzen. Diese Maßnahme gilt allerdings nur für Flugzeuge, die maximal 50 Fluggäste befördern können. Für die Maschinen, die für 115 bis 160 Passagiere bestimmt sind, soll der Zoll zehn Prozent betragen. Der Zoll soll außerdem nur für die Maschinen herabgesetzt werden, die zu Leasing-Bedingungen eingeführt werden, wo die Zahlungsdauer maximal drei Jahre beträgt.
Lew Koschljakow, Vizegeneraldirektor der Fluggesellschaft Aeroflot, bewertete diesen Schritt als eine „Halbmaßnahme“. „Dort, wo es keine russischen Analogien gibt, hätte man den Zoll überhaupt abschaffen sollen“, sagte er. „Die Einschränkung der Leasingdauer auf drei Jahre verringert die wirtschaftliche Attraktivität: Danach wird man einen neuen Vertrag schließen müssen, was zusätzliche Ausgaben bedeutet.“
Die Gesellschaft Sky Express, die derzeit gerade Passagiermaschinen kauft, wird von der neuesten Entscheidung überhaupt nicht profitieren können, stellt ihre Generaldirektorin Marina Bukalowa fest. Die Fluggesellschaft setzt größere Maschinen vom Typ Boeing-737 ein, die für mindestens fünf Jahre geleast werden.
„Gazeta.Ru“: Ist russische OAK heißer Konkurrent im Kampf zwischen Boeing und Airbus?
Schon bald könne sich die russische Vereinigte Flugzeugbaugesellschaft OAK dem globalen Konkurrenzkampf der Giganten Boeing und Airbus anschließen, schreibt die Internetzeitung „Gazeta.Ru“.
Nach Ansicht des Analysten Gairat Salimow von der Investmentgesellschaft Troika-Dialog kann es zwei Varianten der weiteren Entwicklung geben: Entweder werden sich die beiden Giganten auf den Kampf gegen den Newcomer konzentrieren und diesen vom Markt verdrängen, oder Airbus wird sich mit dem neuen Spieler im Kampf gegen den alten Konkurrenten zusammenschließen.
„Jetzt, wo der Konzern Airbus seine Spitzenposition verloren hat, wird es immer wahrscheinlicher, dass gerade dieses Unternehmen mit OAK kooperieren wird“, meint Salimow.
Von Boeing wäre aber ein solcher Schritt nicht zu erwarten, sagt der Experte. Der amerikanische Konzern habe bisher nie mit ausländischen Unternehmen erfolgreich kooperiert.
Dennoch erhielt Russland Anfang Januar ein Angebot von Boeing über die Entwicklung einer gemeinsamen Produktion. Verkehrsminister Igor Lewitin wollte das Boeing-Angebot vorerst nicht bewerten und teilte mit, derzeit werde analysiert, wer und bei welchen Produktionstypen als ein OAK-Partner in Frage kommen könnte.
Bereits bekannt sind allerdings die gemeinsamen Pläne von OAK und EADS, die den Bau eines Transport-Großraumflugzeugs vorsehen.
Außerdem verhandelt Russland auch mit China über die Gründung eines Joint Ventures für die Entwicklung von Zivilflugzeugen.
„Nesawissimaja Gaseta“: Droht ein US-Angriff auf den Iran?
Schon im März könnte es laut einigen Angaben zu einem US-Schlag gegen den Iran kommen. Zwar bestreitet das offizielle Washington solche Absichten, dennoch nimmt die US-amerikanische Militärpräsenz im Golfraum zu, schreibt die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Donnerstag.
Auch Teheran bereitet sich auf den möglichen Anschlag zu. Im Fall einer Aggression wird es unter anderem russische Raketenabwehrkomplexe vom Typ TOR-M1 einsetzen. Der russische Verteidigungsminister Sergej Iwanow teilte vor einigen Tagen mit, dass die Lieferung dieser Rüstungen gerade abgeschlossen wurde.
Für den Iran wird es Ende Februar kritisch, wenn die von der Resolution des UN-Sicherheitsrates vom 23. Dezember vorgesehene Frist abläuft, die die Einstellung jeglicher Urananreicherungsaktivitäten von Iran fordert. Vor der Annahme eines neuen Dokuments wird sich der Sicherheitsrat allerdings einen neuen IAEO-Bericht über den Stand des iranischen Nuklearprogramms anhören.
Zu diesem Zeitpunkt werden bereits zwei Flugzeugträgergruppen der US-Kriegsmarine im Golfraum präsent sein. Die zweite Gruppe wie auch ein Bataillon des Raketenabwehrsystems Patriot wurden am Dienstag entsandt. Außerdem begeben sich weitere 20 000 US-Soldaten in die Region, die zunächst in Kuwait stationiert werden.
Die kuwaitische Presse schrieb dieser Tage, dass der US-Schlag gegen Iran spätestens Ende März 2007 zu erwarten sei. Der Angriff wird von der See aus geführt, während die Patriot-Systeme alle Ölobjekte der Region vor möglichen Gegenschlägen schützen sollen.
Russland hatte sich verpflichtet, 29 Fla-Raketenkomplexe an Iran zu liefern. Wie Iwanow betonte, stellen diese Lieferungen keinen Verstoß gegen die Iran-Resolution des UN-Sicherheitsrates vom Dezember dar, weil diese nicht für die früher geschlossenen Verträge gilt.
Indessen will sich der Iran offenbar nicht nur mit russischen Waffen, sondern auch mit einem „lebendigen Schild“ schützen. Neben den 3 000 russischen Fachleuten, die beim Bau eines Kernkraftwerks in Bushehr im Einsatz sind, soll eine größere Gruppe von IAEO-Experten nach Iran kommen, die die iranischen Nuklearobjekte vor dem erwähnten Bericht der Atomenergiebehörde inspizieren sollen. Außerdem will Teheran selbst eine Gruppe von IAEO-Experten, vorwiegend aus paktfreien Staaten, im Februar beziehungsweise März einladen.
Russische Experten halten allerdings einen US-Schlag gegen Iran für wenig wahrscheinlich. Die Verstärkung der militärischen Präsenz im Golfraum führen sie auf den Versuch zurück, psychologischen Druck auf Teheran auszuüben.
„In nächster Zeit ist kein Schlag zu erwarten“, meint der Politologe Alexej Bogaturow. Dies ist aus politischen Gründen äußerst schwer umzusetzen, wenn man die inneren Widersprüche in der US-Regierungsspitze berücksichtigt.
„Da die USA im Irak und in Afghanistan steckengeblieben sind, wäre es wahnwitzig, zusätzlich noch eine militärische Gewaltanwendung gegen Iran zu planen“, stellt Pawel Solotarjow, Vizedirektor des USA- und Kanada-Instituts der Russischen Wissenschaftsakademie, fest.
„Kommersant“: Terrorwarnung in Russland - Großübung vom Kreml oder blinder Alarm?
Den ganzen Mittwoch hat Russland auf einen Terroranschlag auf den öffentlichen Nahverkehr gewartet. Auf Anweisung von FSB-Chef Nikolai Patruschew, der auch Leiter des nationalen Anti-Terror-Komitees ist, wurden die Anti-Terror-Einheiten im gesamten Land in erhöhte Bereitschaft versetzt.
Die Bürger wurden zur Wachsamkeit aufgerufen. Zur Neutralisierung der vermeintlichen Terroristen wurden in der Moskauer Metro sogar die Mobiltelefonnetze abgeschaltet, berichtet die Tageszeitung „Kommersant“ am Donnerstag.
Der Grund für diese einmaligen Aktionen waren angeblich Informationen, die das Komitee von „ausländischen Partnern“ bekommen hat. Es wurde nicht präzisiert, was für Angaben das sind. Wie sich herausstellte, handelte es sich um eine beziehungsweise mehrere Gruppen, die über 60 Kilogramm Sprengstoff verfügen sollen, und darum, dass der Terroranschlag für den gestrigen Mittwoch in Moskau, Sankt Petersburg, Jekaterinburg und Nowosibirsk geplant gewesen sei. Das ging jedenfalls aus einem Schreiben des Komitees an die Verwaltungen für Inneres der russischen Großstädte hervor.
Gegen Mittwochabend gab das Komitee allerdings eine Erklärung ab, es habe sich um einen blinden Alarm gehandelt. „Die Informationen, die von ausländischen Kollegen eingegangen sind, fanden keine Bestätigung“, sagte Nikolai Sinzow, der offizielle Sprecher des Komitees. Er bedankte sich bei der Bevölkerung für ihre Wachsamkeit und teilte mit, dass aufgrund der Anrufe von Einwohnern mehrere Kilogramm Sprengstoff im Gebiet Tjumen sowie Pakete mit suspektem Inhalt in einer Moskauer Metrostation sichergestellt wurden. Danach wurde klar, dass das nationale Anti-Terror-Komitee bloß eine Übung absolvierte, an der die gesamte russische Bevölkerung teilnahm. [ RIA Novosti / russland "
lg. limi