Uran: Niedriger Preis blockiert neue Minenprojekte
Spätestens 2013, wenn das HUE Abkommen mit Russland ausläuft und nicht mehr so viel Uran aus ehemaligen Kernwaffen für friedliche Zwecke zur Verfügung steht, sollten neue Uranminen eröffnet sein, die mit ihrer Produktion dazu beitragen die bestehende Lücke zwischen Angebot und Nachfrage zu schließen. Die Neueröffnung einer Mine ist jedoch ein teures und vor allem risikoreiches Geschäft. Das gilt nicht nur für den Uranbergbau, aber für diesen ganz besonders, weil die Umweltauflagen noch sensibler zu behandeln sind als in anderen Bereichen des Bergbaus.
Für risikoreiche Geschäfte werden Investoren nur dann Geld zur Verfügung stellen, wenn die zu erwartenden Zielrenditen angemessen sind. Die Frage, welche Zielrendite ist angemessen, wird jeder Investor für sich natürlich anders beantworten, wir dürfen aber davon ausgehen, dass die Grundregel "höheres Risiko ? höhere Zielrendite" auch beim Uran greifen wird. Wer als Investor ein derart hohes Risiko eingeht wie bei der Eröffnung einer Uranmine, der wird für sein eingesetztes Kapital eher eine Zielrendite von 12% oder gar 15% fordern als sich mit bescheidenen 7,5% oder auch nur 10% zufrieden zu geben.
Rechnet man diese Erwartungshaltung als Kapitalkosten zu den genuinen Produktionskosten für das einzelne Pfund Uran hinzu, dann muss das aktuelle Preisniveau von etwa 55 US Dollar als vollkommen ungenügend betrachtet werden. Erst bei einem Uranpreis von 70 Dollar und mehr rechnen sich die neuen Projekte und damit ist auch gleichzeitig für den Uranpreis ein langfristiger Zielkorridor vorgegeben. Nach oben hat der Uranpreis somit noch viel Luft.
Mit einem Preis von 70 US Dollar je Pfund können sowohl die aktuell tätigen Minen also auch solche, die noch in Produktion kommen werden, gut leben. Es bedarf also nicht wieder solcher Preisexzesse wie in 2007 um der Exploration neuen Auftrieb zu geben. Allerdings ist auch klar: Je länger der Preis noch auf dem aktuellen Niveau verharrt, desto länger werden Projekte weiter hinausgeschoben und ihr Beginn in die Zukunft vertagt, weil sie sich wirtschaftlich noch nicht rechnen. Ein Verharren der Preise auf dem aktuellen Niveau wird Angebotsdefizit somit erhöhen und damit die ab 2013 zu erwartende Versorgungskrise verschärfen.
Versorgungsunsicherheit schafft Übernahmephantasie
Das wissen auch die Kraftwerksbetreiber und damit in ihren Kernreaktoren nicht plötzlich die Kettenreaktionen verebben, beschreiten die Versorger heute bereits ungewöhnliche Wege. Es ist eine teilweise Abkehr von den klassischen Beschaffungswegen zu beobachten. Diese werden zwar auch weiterhin beschritten, aber als neues Element treten Direktinvestitionen hinzu. Immer mehr Kernkraftwerksbetreiber beteiligen sich direkt an Uranminen. Insbesondere in Asien wird der Weg, die eigene Versorgung mittels Übernahmen und Beteiligungen zu sichern, besonders eifrig beschritten.
Neun Transaktionen mit einem Gesamtvolumen von 1,3 Mrd. US Dollar allein in den letzten 10 Monaten, um sich den Zugriff auf 252 Mio. Pfund Uran 308 zu sichern, sprechen eine deutliche Sprache. Neu oder gar revolutionär ist das asiatische Vorgehen keineswegs. Die Betreiber der US Kernkraftwerke verfolgten in den 70er Jahren eine ähnliche Strategie. Seit 1974, also quasi als direkte Reaktion auf den Schock der ersten Ölkrise, stiegen die Direktinvestitionen stark an. Sie gingen erst zurück, nachdem der Störfall im 3 Miles Island Kraftwerk im März 1979 einen deutlichen Stimmungsumschwung gegen die Kernkraft eingeleitet hatte.
Eine vergleichbare Entwicklung sehen wir heute. Seit 2008 steigen die Direktinvestitionen massiv an. Wenn man wieder mit einem mehrjährigen Akkumulationszyklus rechnet, dann heißt das im Gegenzug für uns Investoren, dass die Aktien von Uranunternehmen mit Übernahmephantasie in den nächsten Jahren überproportionale Gewinne abwerfen können.
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