Spekulationsblase im Uran beendet! Beginn der Bodenbildung?!
19.09.2007 | 8:46 Uhr | Miriam Kraus (Rohstoff-Daily)
Gestern las ich mit Wonne, man könne es sich mit dem Iran vielleicht doch wieder anders überlegen. Eventuell liefern die Russen nun doch Uran ins Land von Ahmadinedschad, welches gerne sein erstes AKW in Betrieb nähme, bislang aber nicht konnte, weil der Westen an den Motiven der Landesführer Zweifel hegt.
Da sich der Iran inzwischen einer besseren Zusammenarbeit mit den Kontrolleuren der Internationalen Atomenergiebehörde erfreut, erwägt man die Abgabe von gering angereichertem Uran durch die Russen an den Iran. Dieses kann dann als Energierohstoff dienen, aber nicht dem Bau von Atombomben. Das impliziert natürlich, dass der Iran sein Anreicherungsprogramm einstellt.
Hört sich ja ganz freundlich an! Die USA sind zwar nach wie vor nicht überzeugt und fordern stattdessen immer noch schärfere Sanktionen gegenüber dem Iran, aber deren Motive stehen ja schließlich auch nicht zur Debatte... Wie dem auch sei, nicht nur diese Entwicklung bietet Grund genug sich wieder einmal mit dem Rohstoff Uran zu beschäftigen.
Jede Blase ist zum Platzen da
Es geschah, wie man es geahnt hatte! Nachdem wir monatelang den sagenhaften Preisanstieg des Metalls mitverfolgten, wurde immer deutlicher: Jetzt muss er aber bald mal kommen der Knall! Schon im April fragte ich mich, wann es wohl so weit sein würde. Denn wer hoch steigt, der fällt eben auch tief. (Obwohl er sich danach natürlich wieder auf den Weg nach oben machen kann).
Wie die meisten Rohstoffe erlebte auch U308 in den letzten zwei Jahren einen immensen Preisanstieg. Doch die heiße Phase der Uranrallye begann Ende letzten Jahres, als der große Hoffnungsträger, Camecos Cigar Lake Mine förmlich ertrank. Daraufhin kam die Angst vor der Angebotsknappheit, bei gleichzeitig immens steigender Nachfrage und mit ihr die steigenden Preise. Nicht nur der Preis für U308 stieg, auch die Aktienkurse der Rohstoffunternehmen, und die Anzahl der Explorer.
Zu allem Übel wurde schließlich auch die australische Ranger Mine vom Regen unter Wasser gesetzt. Resultat: Die Rallye geht weiter!
Doch das sichtbarste Anzeichen für den Beginn einer deftigen Blasenbildung, war mit Sicherheit die Einführung der U308 Futures an der NYMEX. (Bei Interesse lesen Sie dazu Rohstoff Daily vom 12.06.07).
Und die Preise hoben förmlich ab! Ende Juni notierte der Dezemberkontrakt noch bei über 150 US-Dollar pro Pfund. Der Spotpreis legte im gleichen Zeitraum auf fast 140 US-Dollar pro Pfund zu.
Der freie Fall
Ab Juni ging es allerdings wieder rapide abwärts. Der U308 Dezemberkontrakt an der NYMEX notiert gegenwärtig bei 80 US-Dollar pro Pfund. Auf dem Spotmarkt ist das Pfund U308 für immerhin noch 90 US-Dollar zu haben.
Was uns sagt, dass spekulatives Kapital in einem nicht real unterlegten Future kein Investment ist, dem man unbedingt Folge leisten sollte, denn sonst passiert es eben rasch, dass einen die Ankündigung des US-Energieministeriums 200 Tonnen UF6 verkaufen zu wollen, preislich nach unten spült.
Aber nicht nur die U308 Preise kamen ins Rutschen. Auch die Aktienkurse der Förderer und Explorer. Natürlich gab es auch hier eine Korrelation zur Subprimelenderkrise. Doch während sich andere Aktienmärkte bereits wieder in einer Erholungsphase befinden, notieren unsere Uranunternehmen zum Großteil noch weit unter den hochgeblasenen Kursen vor Beginn der Korrekturphase.
Noch sage ich...
...denn möglicherweise ergibt sich aus dieser Konstellation gegenwärtig ein guter Einstiegszeitpunkt. Wenn man das gesamte Szenario nämlich aus einem übergeordneten Blickwinkel betrachtet und einen Jahresvergleich hinzuzieht, so ergibt sich ein erstaunliches Bild. Während die U308 Preise im Vergleich zum Jahresende 2006 noch immer 20% höher notieren, haben die meisten gelisteten Uranunternehmen gegenwärtig durchschnittlich einen Kursverlust von über 50% zu verschmerzen.
Besonders betroffen sind hier nicht die Großen, sondern die kleinen Mitspieler.
Aber Selektion ist das A und O
Natürlich sind während der Uranhausse vor allem die Juniors und Explorerwerte zu hoch spekuliert worden und für einige ist das Platzen der Luftblase sicher als gerechte Strafe zu werten…Dennoch gibt es in diesem Bereich einige gute Unternehmen mit hohem Potenzial.
Meine Hoffnung, unter der rosaroten Brille hervor ist natürlich, dass die Marktteilnehmer genau diese für ihr Portfolio herausfiltern werden.
So long liebe Leser…an dieser Stelle "Schluss für heute, liebe Leute"... morgen geht’s weiter mit Fakten, Vergangenem und Zukünftigem…
Teil 2:
Die Russen und ihr Uran
20.09.2007 | 8:26 Uhr | Miriam Kraus (Rohstoff-Daily)
Nachdem wir uns gestern mit der vergangenen Uranpreisrallye, sowie dem Ende derselbigen beschäftig haben, möchte ich heute etwas näher auf einige Fakten den Uranmarkt betreffend eingehen.
Dies erscheint mir sinnvoll im Hinblick darauf, dass die augenscheinliche Uranbubble inzwischen geplatzt ist und sich die U308 Preise auf einem vernünftigeren Level ausbalanciert haben. Denn fundamental betrachtet hat sich die verzwickte Lage am Uranmarkt ja nicht verändert. Noch immer herrscht hier ein Angebotsdefizit vor, welches mit der Nachfragesteigerung nicht mitzuhalten vermag.
Gegenwärtige Minenproduktion kann die Nachfrage nicht sättigen
Weltweit werden gegenwärtig etwa 60.000 Tonnen Uran durch die Förderung aus Minen produziert. Eine wesentliche Steigerung der Produktion wird sich voraussichtlich erst bis zum Jahr 2015 ergeben. Die WNA (World Nuclear Association) schätzt, dass bis zum Jahr 2015 die Minenproduktion auf etwa 68.000 Tonnen ansteigen dürfte. Dennoch befindet sich der Markt auch dann noch in einem Angebotsdefizit, selbst wenn man nicht zeitgleich von einer steigenden Nachfrage ausgeht.
Gegenwärtig beläuft sich die weltweite Nachfrage nach Uran auf circa 80.000 Tonnen jährlich. Das bereits bestehende Defizit von 20.000 Tonnen wird hauptsächlich durch das Recycling, von mit Uran angereicherten militärischen Waffen erzielt. Im Rahmen der Abrüstungsverträge ist es hier vor allem Russland, das auf diesem Wege Uran zur zivilen Nutzung liefert.
Russland liefert gegenwärtig 9.000 Tonnen Uran pro Jahr in die USA
Unter den Bedingungen des 1993 geschlossenen HEU Vertrages (Highly Enriches Uranium Purchase Agreement), rüsten die Russen ab und liefern jährlich 18 Millionen Pfund Uran in die USA. Ab 2009 sollen es pro Jahr 20 Millionen Pfund werden.
Doch der Vertrag läuft im Jahr 2012 aus und Russland hat bereits angekündigt die Vertragsbedingungen auf keinen Fall verlängern zu wollen. Das hat, zwar auch, aber eigentlich weniger mit der neuen Haltung der Russen zur Demonstration wieder gewonnener Stärke zu tun, als vielmehr mit wirtschaftlichen Interessen.
Denn die Russen haben den Trend erkannt. Energie ist eines der wesentlichen Schlagworte einer wachsenden Wirtschaft und damit ein solches, welches gerade auf die stark wachsenden Emerging Markets, insbesondere China und Indien zutrifft. Gerade hier wächst die Nachfrage nach der Kernenergie immens.
Und Russland möchte diese Nachfrage sättigen. Das Land plant künftig die schnell wachsenden Märkte mit Reaktoren und dem dazugehörigen Energierohstoff zu beliefern. Auch im eigenen Land wollen die Russen nun aufstocken und gaben erst vor Kurzem die Pläne zum Bau von 30 weiteren Kernkraftwerken bekannt.
Worauf können die USA also zurückgreifen, wenn Russland den HEU Vertrag nicht verlängert?!
Nun, da wären zunächst die Bestände der US Enrichment Corporation. Doch deren Reserven haben seit der Privatisierung im Jahre 1998 bereits zum großen Teil ihren Weg in den Markt gefunden. Was bleibt sind noch die eisernen Reserven des US Energieministeriums, die auf circa 37.000 Tonnen geschätzt werden.
Steigende weltweite Nachfrage
Nicht nur die Russen wollen weitere AKWs bauen. Auch Europa will aufstocken (die deutsche Diskussion einmal ausgenommen). China hat erst kürzlich sein Ziel zur Ausweitung der Kernenergie weiter nach oben gesetzt. Von gegenwärtig 8,5 produzierten Gigawatt will das Land bis zum Jahr 2030 bis zu 160 Gigawatt an Energie aus Atomkraft generieren. Indien baut neben seinen 15 bereits in Betreib genommenen Reaktoren gegenwärtig 8 weitere.
Die WNA geht mindestens von einer jährlichen Steigerung der Nutzung von Nuklearenergie bei 1,5% aus. Dem Bericht der WNA gemäß dürfte weltweit die Urannachfrage durch die AKWs von gegenwärtig 64.200 Tonnen auf 109.100 Tonnen im Jahr 2030 steigen.
So weit zum gegenwärtigen faktischen Szenario.
Teil 3:
Uran gestern und morgen
23.09.2007 | 7:28 Uhr | Miriam Kraus (Rohstoff-Daily)
Heute möchte ich mich zum Abschluss des dreiteiligen Dailythemas Uran (Teil 1/3, Teil 2/3) zunächst ein wenig mit der historischen Preisentwicklung des Rohstoffs beschäftigen und im zweiten Teil einen Blick in die mögliche Zukunft werfen.
Zeittabelle
Die 1940er
Ich beginne mit meinem kurzen historischen Abriss in den 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Damals, während des II. Weltkrieges, begann die US-Regierung mit dem Kauf großer Mengen an Uran, um die erste Atombombe der Welt zu produzieren, die bekanntermaßen im Jahre 1945 zum Einsatz kam. Nach Beendigung des II. Weltkriegs begann die Atomenergie Kommission mit der Erforschung der friedlichen Nutzung des Rohstoffs. Das erste privat finanzierte Atomkraftwerk der Welt entstand im Zuge dessen im Jahre 1959 im US-Bundesstaat Illinois.
Die 1970er
Hier würde ich persönlich den Beginn des (zivilen) Atomzeitalters setzen. Nachdem die USA zu Anfang der 70er Jahre Pläne zum Bau von 250 Atomreaktoren bekannt gaben, war ein immenser Anstieg der weltweiten Uranproduktion zu vermessen. Im Jahre 1972 war die Uranproduktion (aus Minen) auf über 45.000 Tonnen weltweit gestiegen. Der Preis betrug damals etwa 10 US-Dollar pro Pfund U308.
Hierauf folgte ein kontinuierlicher Preisanstieg auf fast 45 US-Dollar pro Pfund im Jahr 1977, denn trotz steigender Nachfrage, konnte das (Minen)Produktionsangebot zunächst nicht schnell genug ausgeweitet werden. Erst ab dem Jahr 1976 ist eine massive Angebotsausweitung, durch steigende Minenproduktion zu beobachten gewesen, die im Jahr 1982 auf über 85.000 Tonnen gipfelte. Seitdem ist die Produktion rückläufig, bei gleichzeitig vehement steigender Nachfrage.
1979
Die Atomenergie erhält ihr erstes Negativimage durch den Reaktorunfall in Three Mile Island in Harrisburg Pennsylvania. Die folgenden 80er Jahre verstärken das negative Bild der Atomenergie in der Bevölkerung. Nach dem Reaktorunfall ist ein kurzfristiger Nachfragerückgang zu beobachten der bis ins folgende Jahr andauert. In den USA werden von Atomkraftwerksbetreibern Baupläne für weitere Reaktoren zurückgenommen. Auf den Schock durch den Unfall folgt ein massiver Preisrückgang auf 20 US-Dollar im Jahr 1982, trotz weiterhin steigender Nachfrage. Hier spiegeln sich sowohl der Produktionsüberhang, als auch vor allem die Unsicherheit in Bezug auf die künftige Entwicklung der Atomindustrie wieder. Im Zuge der "grünen Welle" leidet das Ansehen der Atomenergie immens. Diskussionen über die Sicherheit und erste Forderungen nach dem Ausstieg aus der Atomenergie werden laut.
1986
Der Reaktorunfall im Tschernobyl AKW in der Ukraine führt zu einer massiven Freisetzung radioaktiver Strahlung. Wieder ist ein kurzfristiger Nachfragerückgang zu beobachten. Seitdem steigt die Nachfrage kontinuierlich an, während das Angebot weiterhin rückläufig ist.
Die 90er
Im Jahr 1990 entsteht ein Nachfrageüberhang. Seitdem kann das Angebot, trotz leichter Steigerung seit Beginn des Jahrtausends die Nachfrage nicht mehr sättigen. Trotzdem kommt es Mitte der 90er Jahre noch einmal zu einem Preisrückgang von 15 auf 10 US-Dollar pro Pfund U308. Der Grund dafür sind die Republiken der ehemaligen Sowiet Union. Mit dem Zusammenbruch der Union ist Abrüstung angesagt und die Sowietstaaten beginnen mit dem Verkauf von Uran, aus recyceltem russischem Militärgerät. Insbesondere die Unterzeichnung des HEU Vertrages, der die Lieferung von "abgerüstetem" Uran an die USA garantiert, drückt auf die Preise.
Seit den 90er Jahren wird der globale Uranmarkt, aufgrund rückläufiger Minenkapazität damit primär durch das Angebot von sekundären russischen Uranvorräten dominiert. Vergessen Sie nicht, der HEU Vertrag läuft im Jahr 2012 aus...
Uran gestern und morgen
23.09.2007 | 7:28 Uhr | Miriam Kraus (Rohstoff-Daily)
Was bringt die Zukunft?
Es kommt nicht von ungefähr, dass gegenwärtig nur 7 Minenfirmen für 77% der weltweiten Uran(minen)produktion stehen. Auf diese großen Spieler müsste man folglich setzen, wenn man eine signifikante weltweite Produktionsausweitung im Sinne hat.
Doch, was machen diese großen Minenfirmen gegenwärtig eigentlich?! Während die neuen Kleinen offenbar verzweifelt nach neuen Vorkommen suchen und vielleicht den Bau einer Mine anstreben, scheinen die Großen sich eher mit Übernahmen der erfolgreichen Perlen des Sektors, zu beschäftigen.
Auch das kommt nicht von ungefähr! Denn der Abbau neuer Vorkommen dürfte in Zukunft höhere Ansprüche an die Unternehmen stellen und damit teurer werden. Was ebenfalls ein Indikator für zumindest konstant hohe Rohstoffpreise sein dürfte!
CO2 Debatte erhöht die Attraktivität der Atomenergie
Die Atomenergie hat seit ihrer dunklen Zeit in den tiefsten 80ern inzwischen wieder deutlich an Attraktivität hinzugewonnen. Im Zeichen von Klimadebatten und dem kollektiven Wunsch nach der Reduktion von CO2 Emissionen, erscheint sie inzwischen so manchem als Alternativlösung.
Das sollte sie auch, meiner Meinung nach. Denn die Energieeffizienz von Uran ist wesentlich höher, als die anderer Energierohstoffe.
Zum Vergleich:
1 Kg Uran liefert die Energieleistung von 50.000 KWh
1 Kg Öl liefert die Leistung von 4 KWh
1 Kg Kohle liefert eine Leistung von 3 KWh
1 Kg Feuerholz liefert 1 KWh
Kein Wunder eigentlich, dass die Atomenergie für 16% der weltweiten Stromerzeugung steht. In der EU sind es sogar 34%.
Frankreich generiert 78% seines Stroms aus AKWs. Belgien 56%, Schweden 50%, Südkorea 40%, ebenso wie die Schweiz.
In Japan sind es 25% und in den USA 20%.
Und nun warten wir auf die zusätzliche steigende Nachfrage aus China, Indien, Russland und weiteren folgenden Wachstumsmärkten, das Auslaufen des HEU Vertrages und eine im Vergleich geringe Ausweitung der Minenproduktion.
Ich überlasse es Ihnen selbst sich aus den gesammelten Fakten der letzten drei Tage ein Bild zu machen, denn in die Zukunft blicken kann auch ich nicht. ;-)
So long liebe Leser, damit möchte ich den Daily Dreiteiler abschließen und hoffe Sie hatten viel Freude beim Lesen... somit und auf ein fröhliches "Atomkraft, ja danke!" verbleibe ich, bis Montag.
www.rohstoff-welt.de/news/artikel.php?sid=2683#Scene_1