Die Russen und ihr Uran
von Miriam Kraus
Liebe Leser,
nachdem wir uns gestern mit der vergangenen Uranpreisrallye, sowie dem Ende derselbigen beschäftigt haben, möchte ich heute etwas näher auf einige Fakten den Uranmarkt betreffend eingehen.
Dies erscheint mir sinnvoll im Hinblick darauf, dass die augenscheinliche Uranbubble inzwischen geplatzt ist und sich die U308 Preise auf einem vernünftigeren Level ausbalanciert haben.
Denn fundamental betrachtet hat sich die verzwickte Lage am Uranmarkt ja nicht verändert. Noch immer herrscht hier ein Angebotsdefizit vor, welches mit der Nachfragesteigerung nicht mitzuhalten vermag.
Gegenwärtige Minenproduktion kann die Nachfrage nicht sättigen
Weltweit werden gegenwärtig etwa 60 000 Tonnen Uran durch die Förderung aus Minen produziert.
Eine wesentliche Steigerung der Produktion wird sich voraussichtlich erst bis zum Jahr 2015 ergeben.
Die WNA (World Nuclear Association) schätzt, dass bis zum Jahr 2015 die Minenproduktion auf etwa 68 000 Tonnen ansteigen dürfte.
Dennoch befindet sich der Markt auch dann noch in einem Angebotsdefizit, selbst wenn man nicht zeitgleich von einer steigenden Nachfrage ausgeht.
Gegenwärtig beläuft sich die weltweite Nachfrage nach Uran auf circa 80 000 Tonnen jährlich.
Das bereits bestehende Defizit von 20 000 Tonnen wird hauptsächlich durch das Recycling, von mit Uran angereicherten militärischen Waffen erzielt.
Im Rahmen der Abrüstungsverträge ist es hier vor allem Russland, das auf diesem Wege Uran zur zivilen Nutzung liefert.
Russland liefert gegenwärtig 9000 Tonnen Uran pro Jahr in die USA
Unter den Bedingungen des 1993 geschlossenen HEU Vertrages (Highly Enriches Uranium Purchase Agreement), rüsten die Russen ab und liefern jährlich 18 Millionen Pfund Uran in die USA.
Ab 2009 sollen es pro Jahr 20 Millionen Pfund werden.
Doch der Vertrag läuft im Jahr 2012 aus und Russland hat bereits angekündigt die Vertragsbedingungen auf keinen Fall verlängern zu wollen. Das hat, zwar auch, aber eigentlich weniger mit der neuen Haltung der Russen zur Demonstration wieder gewonnener Stärke zu tun, als vielmehr mit wirtschaftlichen Interessen.
Denn die Russen haben den Trend erkannt. Energie ist eines der wesentlichen Schlagworte einer wachsenden Wirtschaft und damit ein solches, welches gerade auf die stark wachsenden Emerging Markets, insbesondere China und Indien zutrifft. Gerade hier wächst die Nachfrage nach der Kernenergie immens.
Und Russland möchte diese Nachfrage sättigen. Das Land plant künftig die schnell wachsenden Märkte mit Reaktoren und dem dazugehörigen Energierohstoff zu beliefern.
Auch im eigenen Land wollen die Russen nun aufstocken und gaben erst vor Kurzem die Pläne zum Bau von 30 weiteren Kernkraftwerken bekannt.
Worauf können die USA also zurückgreifen, wenn Russland den HEU Vertrag nicht verlängert?!
Nun, da wären zunächst die Bestände der US Enrichment Corporation. Doch deren Reserven haben seit der Privatisierung im Jahre 1998 bereits zum großen Teil ihren Weg in den Markt gefunden.
Was bleibt sind noch die eisernen Reserven des US Energieministeriums, die auf circa 37 000 Tonnen geschätzt werden.
Steigende weltweite Nachfrage
Nicht nur die Russen wollen weitere AKWs bauen. Auch Europa will aufstocken (die deutsche Diskussion einmal ausgenommen).
China hat erst kürzlich sein Ziel zur Ausweitung der Kernenergie weiter nach oben gesetzt. Von gegenwärtig 8,5 produzierten Gigawatt will das Land bis zum Jahr 2030 bis zu 160 Gigawatt an Energie aus Atomkraft generieren.
Indien baut neben seinen 15 bereits in Betreib genommenen Reaktoren gegenwärtig 8 weitere.
Die WNA geht mindestens von einer jährlichen Steigerung der Nutzung von Nuklearenergie bei 1,5 % aus.
Dem Bericht der WNA gemäß dürfte weltweit die Urannachfrage durch die AKWs von gegenwärtig 64 200 Tonnen auf 109 100 Tonnen im Jahr 2030 steigen.
So weit zum gegenwärtigen faktischen Szenario.