Höchstes BIP seit Jahren
China wächst
Das Land der Superlative heißt China. Jedenfalls was die Wirtschaft angeht. Mit einem Wirtschaftswachstum um 9,7 Prozent im ersten Quartal toppten sich die Chinesen selbst und übertrafen zudem alle Erwartungen der Analysten. So viel Wachstum kann nicht gesund sein, befürchten jetzt Experten.
Keine Sorgen wegen Inflation
Das Bruttoinlandsprodukt erhöhte sich durch steigende Investitionen und eine starke Inlandsnachfrage auf 2,7 Billionen Yuan (274 Milliarden Euro), wie das nationale Statistikamt in Peking diese Woche bekannt gab. Die Regierung macht sich nun allerdings Sorgen um eine verstärkte Inflation. Peking hatte sich für dieses Jahr ein Wachstumsziel von sieben Prozent gesteckt. Im ersten Quartal lag die Inflationsrate bei 2,8 Prozent.
Wachsende Exporte und Anlageninvestitionen
Doch die Stimmen mehren sich, die vor den Folgen eines allzu hohen Wachstums warnen. So verzeichnete die chinesische Industrie im ersten Quartal ein Wachstum um 17,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Hauptgründe dafür sind nach Angaben des staatlichen Statistikamtes die Zunahme der Anlageinvestitionen, das Wachstum des inländischen Marktes und wachsende Exporte von Industriegütern.
Laut dem Monatsbericht des staatlichen Statistikamtes sind sechs Branchen für das Wachstum vorrangig verantwortlich. Darunter ist die Elektronikbranche und die Hüttenindustrie, die als wichtigsten Stützen des schnellen Zuwachses bezeichnet wurden.
Auch die Bauindustrie im Bereich Verkehr, die Energie-, die Chemie- und Maschinenbauindustrie trugen zu dem Wachstum bei. Experten führten das weiterhin überraschend schnelle Wachstum auf die Zunahme der Investitionen, die Ausweitung des inländischen Konsums und den Anstieg des Exports von Industrieprodukten zurück.
Wird die Blase platzen?
Doch Investitionen und Kredite gerieten offenbar langsam außer Kontrolle. Auch Analysten warnten vor einem „Platzen der Blase“. Dies sei „nur eine Frage der Zeit“, sagte Andy Xie vom Investmenthaus Morgan Stanley in Hongkong. „Wenn die Regierung nichts tut, wird die Blase größer.“ Ein flexibler Wechselkurs für die chinesische Währung könne den Druck auf die Preise möglicherweise nehmen, erklärte der IWF.
Doch grundsätzlich sehen die chinesischen Wirtschaftsexperten im rasanten Wachstum kein Problem. Nur können das andere Experten so nicht mehr nachvollziehen.
Ob nun eine konjunkturelle Überhitzung droht oder nicht, China hat sich zur 6. größten Volkswirtschaft gemausert. Das Land hat nach IWF-Angaben einen Anteil von 5, 5 Prozent am Welthandelsvolumen erreicht. Vorher war es gerade einmal ein Prozent. Damit schiebt sich das Land, laut IWF, auf den 4. Rang weltweit.
Aufwärtstrend trotz SARS
Schon im letzten Jahr sorgte China für Schlagzeilen. Das chinesische Bruttoinlandprodukt ist letztes Jahr trotz der negativen Auswirkungen der Seuche Sars mit gut neun Prozent gewachsen. Die Teuerung blieb gering. Das Außenhandelsvolumen und ausländische Direktinvestitionen sind kräftig gestiegen.
Insbesondere die USA und asiatische Anleger setzen weiterhin auf das chinesische Marktpotenzial und die billigen Arbeitskräfte.
Arbeitslosigkeit und Überhitzung
Im vergangenen Jahr wurden in den Städten fünf Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen. Trotzdem stellt die hohe Arbeitslosigkeit ein ernstes Problem dar und wird von der Führung als Gefahr für die Nachhaltigkeit der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und die soziale Stabilität angesehen.
Während ein hohes Wachstum als Voraussetzung dafür gilt, die Arbeitslosigkeit nicht noch stärker anschwellen zu lassen, könnte der Boom Probleme wie Ressourcenknappheit, Energiemangel und Umweltschäden mit sich bringen.
Bereits seit Monaten gibt es Stromsperren und Rationierungen der Energie in mehreren Landesteilen, weil das hohe industrielle Wachstum, aber auch die stetig zunehmende Zahl von Klimaanlagen, Kühlschränken und anderen elektrischen Haushaltsgeräten die Netze überlasten